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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Naher Osten und Lieberman gaben den Ausschlag

von Sharon Samber, October 9, 2008
Bei den US- Präsidentschaftswahlen vom vergangenen November genoss der designierte Präsident George W. Bush gemäss einer dieser Tage veröffentlichten Umfrage die Unterstützung der arabisch-amerikanischen Gemeinschaft. Auch Ralph Nader, dessen Wurzeln im Libanon sind, vereinigte überdurchschnittlich viele Stimmen aus diesem Sektor auf sich.
Joseph Lieberman: Bereitete Wählern mit arabischer Herkunft Sorgen. - Foto keystone

Obwohl eine leichte Mehrheit der Amerikaner arabischen Ursprungs der Demokratischen Partei angehören, zog dieser Sektor der Bevölkerung bei den Wahlen vom vergangenen November den Republikaner George W. Bush Jr. dem Demokraten Al Gore vor. Das ergab eine am Ausgang der Wahllokale durchgeführte Umfrage (Exit Poll), deren Ergebnisse am 13. Dezember veröffentlicht worden sind. Demzufolge wählten rund 45% der US-Araber für Bush und nur 38% für Gore. Über 13% entschieden sich für Ralph Nader, den Libanon-stämmigen Kandidaten der Grünen Partei. Das sind wesentlich mehr Stimmen als Nader allgemein erhielt.
In dem Ergebnis manifestiert sich nach Angaben von James Zogby, dem Präsidenten des «American Arab Institute», in erster Linie eine Enttäuschung der Amerikaner arabischen Ursprungs über die Haltung Präsident Clintons und Al Gores in der Nahostfrage. Auch haben ihnen offenbar die politischen Positionen Joseph Liebermans, eines traditionellen Juden, Sorgen bereitet. Rund 80% der mit dem Vorgehen der Administration Clinton unzufriedenen US-Araber stimmten für Bush oder Nader. 69% aller Befragten erklärten, die Haltung Liebermans hätte ihren Entscheid an der Wahlurne beeinflusst.
Laut Zogby, der in der Gore-Kampagne als Berater für ethnische Fragen fungierte, herrschte unter den US-Arabern ein Konsens zu Themen des Nahen Ostens. In der Regel stimmen arabische Amerikaner konservativ in sozialen Angelegenheiten und liberal, wenn es um Wirtschaftsfragen geht. Wie bei den jüdischen Wählern nimmt aber auch bei ihnen die Aussenpolitik einen wichtigen Platz ein. Rund 75% der Befragten erklärten, Themen wie die Rechte der Palästinenser, die Souveränität Libanons und das Schicksal Jerusalems hätten ihren Wahlentscheid beeinflusst.Die US-Juden demgegenüber blieben der Tradition treu und stimmten mehrheitlich demokratisch. Gemäss dem «Voter News Service» erhielt Gore 79% der jüdischen Stimmen; Bush musste sich mit 19% und Nader mit nur einem Prozent begnügen.
Die jüngsten Präsidentschaftswahlen unterstrichen die wachsende Bedeutung der Amerikaner arabischen Ursprungs in der politischen Szene des Landes. Die beiden Haupt-Kandidaten kamen vor den Wahlen mit arabisch-amerikanischen Persönlichkeiten zusammen, und Bush erhielt Unterstützungs-Bekundungen von den Organisationen der Gemeinschaft.

JTA





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