Mit Blick auf das Jahr 2020
Der Entwicklungsplan für Galiläa ist von der Planungsverwaltung des Innenministeriums abgesegnet worden. Demnächst wird er in den im Entstehen begriffenen nationalen Gesamtplan Nr. 35 integriert werden. Einige der wichtigsten Punkte des Planes für Galiläa:
- Erhöhung der Bevölkerung um 300 000 Seelen. Die neuen Einwohner sollen im Laufe der kommenden Jahre aus dem Zentrum des Landes nach Galiläa angezogen werden.
- Reduktion der sozio-ökonomischen Kluft zwischen den abgelegenen Regionen und dem Landeszentrum.
- Schaffung von zehntausenden von Arbeitsplätzen in den nächsten fünf Jahren.
Nachdem der aus Experten zusammengesetzte Lenkungsausschuss den Plan fertig gestellt hatte, wurde er den Ministerien und den Vorsitzenden der Lokalbehörden zur Begutachtung unterbreitet. Einige der Projekte seien, wie Yehuda Rotem erklärte, bereits in lokale Pläne integriert, aber noch nicht verwirklicht worden. Gemäss dem Plan soll die Regierung sich in drei Hauptsektoren engagieren: bei der Förderung von 13 allgemeinen Infrastrukturprojekten im Gesamtaufwand von rund 13 Mrd. Shekel; bei der Durchsetzung eines Gesetzes zur Ermutigung von Investitionen im Negev und in Galiläa (Aufwand: 6 Mrd. Shekel in den nächsten 5 Jahren) sowie bei der Zusammenstellung eines «Korbes» von 2 Mrd. Shekel mit spezifischen Vergünstigungen für Leute, die sich neu in Galiläa niederlassen. Besonderes Schwergewicht wurde auf die Tatsache gelegt, dass 10 Milliarden Shekel des vorgeschlagenen Planes aus dem Privatsektor kommen sollen. Nach Angaben führender Köpfe der Entwicklungsbehörde Galiläas haben Unternehmer ihre Bereitschaft zu einer anfänglichen Investition von 100 Mio. Shekel für den Bau eines internationalen Flughafens bei Meggido bekundet. Dieses Projekt ist, wie die Behörde erklärt, grundsätzlich bereits bewilligt worden, und auch die administrativen Genehmigungen sind vorhanden. Die zentrale Frage ist nun, ob die Regierung beschliesst, einen internationalen Flugplatz bei Haifa zu errichten. In diesem Falle würde das Projekt Meggido aufgegeben werden müssen.
In Bezug auf die Infrastruktur ist den Planern klar, dass die Verbesserung bestehender Strassen und der Bau neuer einzig im Kompetenzbereich des Staates liegen wird. Das kommt, ohne Unterhaltskosten, für die nächsten 5 Jahre auf 250 Mio. Shekel p.a. zu stehen. Zu den im Plan erwähnten Strassen zählt die Strasse Nr. 90 in Kiryat Shmoneh (20 Mio. Shekel) und die Strasse Nr. 85 von Amiad nach Hananiah (90 Mio.).Eine neue, im Plan aufgeführte Idee sodann ist der Anschluss von Nazareth und Ober-Nazareth ans Eisenbahnnetz (Kosten: 2 Mrd. Shekel). Da die Eisenbahn nicht rentabel ist, würde die Regierung dem Betreiber Einnahmen offerieren, die auf der Hälfte der investierten Summe berechnet würden. Das würde dem Betreiber gestatten, diese Gelder in andere, profitable Projekte entlang der Eisenbahnstrecke zu investieren wie Tankstellen oder Einkaufszentren.
Zur Schaffung von Arbeitsplätzen schlägt die Behörde die Errichtung von Industrieparks, vor allem für High Tech-Projekte, vor. Es werden drei neue Parks angelegt: In Kiryat Shmoneh, beim Kibbutz Kabri und in der Gegend von Nazareth. Der Park von Kiryat Shmoneh wird sich auf den Technologie-Bereich konzentrieren und Absolventen des Colleges von Tel Hai anziehen. Der Park von Kabri wird mit den Regionalräten Yosef, Asher, Naharyia und Shlomi verbunden sein, während der Industriepark von Nazareth sich sowohl an jüdische wie an arabische Arbeitnehmer wendet.
Ein Kapitel des Plans ist der Errichtung von Anlagen zur Abwasserreinigung gewidmet. Die Rede ist von Gesamtinvestitionen von 500 Mio. Shekel, eine Summe, welche die Lokalverwaltungen alleine nicht werden aufbringen können. Es werden sieben neue Kläranlagen vorgeschlagen, wobei die Regierung jede Anlage mit rund 70 Mio. Shekel subventionieren soll, inkl. den Pipelines von und zu den Anlagen.Die Planer hoffen ferner, den Tourismus fördern zu können. Sie schlagen vor, im arabischen Sektor 1000 Bungalows in kleinen Ferienorten und «Bed and Breakfast»-Einrichtungen zu bauen. Dieses Angebot richtet sich an Urlauber, die das spezielle kulturelle Erlebnis suchen. An eine Konkurrenzierung bestehender Tourismus-Institutionen ist nicht gedacht. Heute gibt es in ganz Israel 6000 solcher Gästezimmer; 4000 von ihnen im Norden des Landes. Fast alle befinden sich im jüdischen Sektor. Die privaten Investitionen in dieses Projekt würden 45 Mio. Shekel betragen, und von der Regierung würde man weitere 30 Mio. benötigen - eine Hälfte als Entwicklungsanleihe, die andere zur Finanzierung von Infrastruktur-Arbeiten.
Ferner spricht der Plan von einer Aufbesserung bestehender Einrichtungen im Gesundheitswesen, vor allem der Krankenhäuser, damit sie der wachsenden Bevölkerung besser dienen können. Die Planer beziffern die Einwohner Galiläas im Jahre 2020 auf 2 Millionen, verglichen mit heute einer Million (17% der Gesamtbevölkerung). Für diese Menschen gibt es heute in vier Krankenhäusern nur 1500 Betten. Die Behörden schlagen eine Erhöhung der Bettenzahl um 588 vor, von denen die Hälfte dem Ha’emek-Spital in Afula zugute kommen würden.
In Galiläa hat es heute sechs Gemeinde-Colleges des höheren Bildungswesens: In Tel Hai, Safed, im Jordan-Tal, im Jezreel-Tal, in Carmiel und Acco. In Israel lernen heute 150 000 Studenten an sechs Universitäten, von denen aber keine in Galiläa steht. Die Behörden schlagen eine Zusammenfassung aller sechs Colleges unter einer Dachorganisation vor, wobei ihnen das amerikanische Modell einer Multi-Campus-Universität mit einer Verwaltung und standardisierten Kursen vorschwebt.
Seit der Gründung des Staates wurde, wie Yehuda Rotem erklärt, kein so umfassender Plan ausgearbeitet, der Projekte für die kommenden 20 Jahre enthält und ganz spezifische Probleme behandelt, wie die Konfrontationslinie und den arabischen Sektor.
Nicht eingeschlossen im Plan sind touristische Projekte für die archäologischen Parks von Katzrin auf den Golanhöhen, Industriebetriebe, die Ausweitung von Siedlungen und der Bau von Kläranlagen auf dem Golan. Auf die Frage, weshalb der Plan den Golan links liegen lasse, meinte Rotem: «Wir beschäftigten uns mit Projekten mit einer wirtschaftlichen Basis, nicht mit Träumen. Ich suchte nach Plänen für den Golan und widmete dieser Frage spezielle Aufmerksamkeit, doch es macht den Anschein, als ob dort die Arbeit nur in der Form einer Fortsetzung von Plänen getan wird, die sich bereits im Realisierungsstadium befinden.»
Haaretz


