«Meine Nummer war A3317»
Ein Überlebender des Holocausts, ein legendärer Folk-Sänger und ein Dokumentarfilm über jüdische Flüchtlingskinder in der Nazi-Zeit gehören zu den jüdischen Künstlern und Themen, die anfangs Woche an der diesjährigen Oscar-Zeremonie in Los Angeles ausgezeichnet worden sind. Branko Lustig, der als Kind in den Lagern von Auschwitz und Bergen-Belsen gesessen hatte, gewann am Sonntag seinen zweiten Oscar, diesmal für die Co-Produktion des als besten Film ausgezeichneten «Gladiator». 1993 hatte Lustig als Co-Produzent von «Schindler’s Liste» die begehrte Trophäe erstmals entgegen nehmen dürfen. Er begann seine Dankesrede mit den Worten: «Meine Nummer war A3317, ich bin ein Überlebender». Der als Robert Allen Zimmerman geborene Sänger und Komponist Bob Dylan gewann für seine Komposition «Things Have Changed» aus dem Film «Wonder Boys» die Auszeichnung für das beste originelle Lied. Er sang das Lied via Satellit aus dem australischen Sydney. Marcia Gay Harden, eine nicht-jüdische Schauspielerin, erhielt einen Oscar für die beste Nebenrolle. Im Film «Pollock», einer biografischen Darstellung des Malers Jackson Pollock, porträtierte sie den amerikanisch-jüdischen Künstler Lee Krasner. Die am meisten bewegenden Bemerkungen des Abends stammen wohl von Deborah Oppenheimer, deren Film «Into the Arms of Strangers: Stories of the Kindertransport» zum besten Dokumentarfilm erklärt wurde. Der Streifen berichtet von der Rettung von rund zehntausend, meist jüdischen Kindern, die in den 18 Monaten vor Kriegsausbruch von Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach England transportiert wurden, von ihrer Aufnahme in London und ihrem Leben nach dem Krieg. Deborah Oppenheimer, deren Mutter ebenfalls auf diese Weise gerettet worden war, widmete ihren Oscar den «Überlebenden des Kindertransports». Sie widmete die Auszeichnung auch «den Eltern, die sie so sehr liebten, dass die den Mut hatten, sie wegzuschicken», und «dem Andenken an meine Mutter, die zu den zehntausend Kindern gehörte, und dem Andenken an meine Grosseltern, die sie nie mehr gesehen hat». Mark Jonathan Harris, Regisseur und Drehbuchautor des Films, sprach vom «Schmerz und Triumph der Menschen in unserem Film. Sie haben alle unser Leben bereichert». Harris hatte zuvor den Film «The Long Way Home» gemacht, ein Werk über Holocaust-Überlebende, dessen Produzent, das Simon Wiesenthal-Zentrum, mit einem Oscar belohnt worden war.
JTA


