Maon war der Anfang
Nach tagelangem Zögern und der Gewährung einer «letzten Frist» um die andere hat Regierungschef Ehud Barak am frühen Mittwochmorgen den (unbewaffneten) Soldaten und der Polizei endlich den Befehl erteilt, die illegal errichtete Siedlung Maon in den Hebroner Bergen zu räumen. Dass die um mehrere hundert Sympathisanten verstärkte Einwohnerschaft von Maon am Dienstag noch den Versuch unternommen hatte, einen Kilometer von ihrer Siedlung entfernt einen weiteren illegalen Aussenposten zu errichten, war für Barak möglicherweise der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Mit dem Räumungsbefehl vom Mittwoch hat Premier Barak eine gewiss nicht leicht zu überwindende psychologische Barriere gemeistert. Seit der Räumung von Yamit im Sinai hat kein israelischer Ministerpräsident mehr IDF-Soldaten den Befehl erteilt, mit Gewalt gegen eigene Bürger vorzugehen, die aus ideologischen Gründen an einem Flecken Erde in «Eretz Israel» festhalten wollten. Wissen Sie übrigens noch, wer damals die Räumung kommandiert hatte? Der gleiche Ariel Sharon, der heute lautstark als Chef der oppositionellen Likud-Partei «aus strategischen Gründen» vor der Aufgabe der meistens nur aus zwei bis drei Wohnwagen und einem Wasserturm bestehenden Aussenposten warnt. Noch schwieriger dürfte der Beschluss für Barak gewesen sein, weil auch er sich gewiss daran erinnert, dass Regierungen seiner eigenen Arbeitspartei vor über 30 Jahren nationalistisch eingestellten Israelis grünes Licht für die Errichtung der ersten Siedlungen in der Westbank erteilt hatten, ebenfalls aus «strategischen Gründen», notabene. Mit seinem Entscheid vom Mittwoch aber beweist der Premierminister, dass er im Interesse einer stabilen, ruhigen Zukunft für Israel und seine Nachbarn gewillt ist, vorwärts zu blicken und nicht rückwärts. Maon war der Anfang. Dutzende weitere illegale Aussenposten, aber auch isoliert in palästinensischen Ballungszentren gelegene Siedlungen werden folgen müssen.


