Lauschangriff wie im Kino
Das wenigstens ist ganz sicher. Sonst handelt es sich um einen Spionagethriller wie im Kino. Man weiss nämlich nicht viel über den Angeklagten, ausser dass er, wie er selber zugab, Agent des weltberühmten israelischen Geheimdienstes Mossad ist, wenn auch selber eher kabarettreif agierend. Er stieg als Jacob Track am 26. Januar 1998 im Hotel Ambassador in Bern ab. Aber als er am 19. Februar 1998 nach einer zweiten Einreise mit einer Tasche voller Abhörmaterial in flagranti verhaftet wurde, lautete sein - echter - israelischer Pass auf den Namen Issac Bental. Der Mann hatte mit Komplizen mitten in der Nacht im Keller eines Mehrfamilienhauses in Köniz bei Bern einen prächtig präparierten Lauschangriff auf einen Libanesen ausgeführt, der allerdings schon drei Jahre zuvor ausgezogen war. Weniger lustig: Die Mossad-Gruppe besass mehrere Nachschlüssel - woher wohl? Das steht nicht in der Anklageschrift. Als Herrn Bental wird Hans Wiprächtiger, Präsident des Bundesstrafgerichts, den nächtlichen Installateur wohl anreden, sobald der Angeklagte am kommenden Montagnachmittag zum ersten Mal vor ihm steht. Dass Bental einreisen wird, scheint kaum jemand zu bezweifeln. Immerhin hat der Staat Israel das Erscheinen seines Agenten vor Gericht zugesagt, und er hat es sich dem Vernehmen nach drei Millionen Franken kosten lassen, dass der Spion in der Zwischenzeit nach Hause durfte. Weder der eidgenössischen Untersuchungsrichterin Monique Saudan in Bern mochte Bental seinen richtigen Namen preisgeben noch gar der damaligen Bundesanwältin Carla del Ponte, welche am 13. September 1999 die Anklageschrift und die Erläuterung dazu unterzeichnete. Doch siehe da: Selbst ein Phantom wie Bental hat Personalien: Ein Geburtsdatum (10. 7. 1954), eine Adresse in Tel Aviv und einen Beruf (Mossad-Agent, Mathematiker/Computerfachmann). Die israelischen Behörden lieferten sogar einen Vater namens Samuel Bental und eine Mutter namens Sara Hen. Im Agenten-Business nennt sich das eine «Legende». Als Jacob Track, der Hotelgast, verfügte der Angeklagte zwar über beinahe das gleiche Geburtsdatum (17. 7. 1954), eine Adresse in Petach Tikwa, aber nicht über Eltern oder einen Beruf. Vor allem die Erläuterung zur Anklageschrift liest sich wie ein Skript zu einem Film. Als Bental und zwei Komplizen, die in den Dokumenten Shely Ravlin und Dan Shifrin genannt werden, auf das Poltern der von einer Hausbewohnerin geholten Kantonspolizei die verrammelte Kellertür öffnen mussten, gaben sie an, sie hätten sich «für ein gemeinsames Liebesspiel» hierher zurückgezogen. Die beiden Wache haltenden Kollegen draussen im Auto, angeblich Ron Metzer und Daniela Tefler, mimten indessen einen Herzpatienten und seine verzweifelte Frau. Die vier Komplizen wurden alsbald freigelassen und entzogen sich alsbald der Schweizer Gerichtsbarkeit. Issac Bental wurde eingesperrt, weil aus seiner Tasche Kabel und andere belastende Gerätschaften herausschauten. An der heissen Geschichte kühlten sich die Beziehungen Schweiz-Israel merklich ab. Und genau hier endet die Kriminalkomödie. Die Anklage lautet nämlich auf verbotene Handlungen für einen fremden Staat (und das noch dazu bei befreundeten Nationen), politischen Nachrichtendienst, versuchtes Abhören und Aufnehmen fremder Gespräche und wiederholten Gebrauch gefälschter ausländischer Ausweise. Hier könnten sich der Israeli und seine Auftraggeber wohl bald einmal wie im falschen Film vorkommen.


