Kunst ist eine Frage der Existenz
Jüdische Rundschau: Die Art Basel besteht seit 31 Jahren. Was ist das besondere daran?
Jan Krugier: Diese Messe ist immer besser geworden. Es wird auf eine strenge Selektion geachtet und das garantiert hohe Qualität. Es ist die beste Kunstmesse der Welt.
Jüdische Rundschau: Wie erklären Sie sich, dass die Art sich gerade in Basel etabliert hat?
Jan Krugier: Primär verdanken wir die Art der Galeristin Trudl Bruckner, die zusammen mit Balz Hilt und Ernst Beyeler diese Kunstmesse ins Leben gerufen hat. Es gibt auch in New York eine Kunstmesse, die ist aber sehr provinziell. Hier ist alles viel eleganter.
Jüdische Rundschau: Geht es aufwärts mit dem Kunstmarkt?
Jan Krugier: Der Kunstmarkt boomt. Doch leider ist der Dialog im Kunstmarkt zurückgegangen. Heute sind wir nur noch ein kleiner Klub. Viele Kunstsammler sind gestorben und so bleiben nicht viele übrig.
Jüdische Rundschau: Es gibt es viele jüdische Künstler und Kunsthändler. Wieso?
Jan Krugier: Kunst ist eigentlich eine Flucht nach vorn. Es ist eine Frage des «to be or not to be». Das hat uns Juden immer schon stark beschäftigt. Auch hatten die Juden von jeher einen Sinn für Ästhetik. Juden haben schon immer auch Kunst gekauft. Das wird besonders deutlich im Zusammenhang mit der Raubkunst. Für jüdische Sammler ist das eine Frage des Überlebens.
Jüdische Rundschau: Es fällt auf, dass dieses Jahr besonders viele Amerikaner dabei sind.
Jan Krugier: Das ist eine ganz normale Entwicklung. Es handelt sich um die Aggressivität, wie man sie auch in der Wirtschaft kennt.
Jüdische Rundschau: Was ist ausschlaggebend, ob ein Bild gekauft wird oder nicht?
Jan Krugier: Der Käufer muss Bauchweh haben, wenn er ein Bild kauft, egal ob es 500 Franken kostet oder fünf Millionen. Es löst tief in uns ein starkes und gutes Gefühl aus - das gehört einfach dazu.
Jüdische Rundschau: Haben junge Künstler eine Zukunft?
Jan Krugier: Ganz sicher. Das was heute geschieht kann zum morgen werden oder das morgen zum übermorgen.
Jüdische Rundschau: Wie kamen Sie zum Kunsthandel?
Jan Krugier: Ich war zunächst Maler. Als ich in den 40er Jahren Alberto Giacometti in Paris traf, meinte dieser, der wusste, dass ich ein Magengeschwür hatte, wenn ich weiterhin malen würde, so würde ich krepieren. Er selbst war auch schon krank. Alberto sagte zu mir, ich müsse einen Dialog mit einem anderen Menschen haben, denn vor der weissen Leinwand zu sitzen, sei sehr einsam. So kam ich aus purem Zufall zum Kunsthandel.
Jüdische Rundschau: Wie definieren Sie Ihre jüdische Identität?
Jan Krugier: Ich bin Vizepräsident des Israel Museum in Jerusalem. Ich bete jeden Tag.
Jüdische Rundschau: Sie haben viele Ihrer Familienmitglieder im Holocaust verloren. Wie gehen Sie damit um?
Jan Krugier: Da kann ich nur eines sagen: Ich sage jeden Tag chaddisch.


