Krise und Wirtschaft
Eine davon ist die High-Tech-Branche, die als Zuglok der expandierenden Wirtschaft gilt und in diesem Jahr rekordbrechende Zuwachsraten melden kann. Dazu sagte der JR Amiram Shore, der Vorsitzende des Fachverbandes Elektronik und Software: «Die Turbulenzen zwischen Israelis und Palästinensern, die Abriegelung der palästinensischen Gebiete und andere Massnahmen, die aus Sicherheitsgründen ergriffen wurden, haben die Hochtechnologiebranche praktisch nicht berührt.
Günstige Entwicklungen
Die technologische Kooperation zwischen Israel und unseren arabischen Nachbarn ist gleich null. Die Zusammenarbeit mit Jordanien befindet sich noch in ihren Anfängen und fällt damit nicht ins Gewicht, so dass die Turbulenzen keine nachteiligen Auswirkungen gehabt haben.» In diesem Zusammenhang behauptet Shore, ohne überheblich zu klingen, die Hochtechnologie Israels sei eine Insel der Stabilität sowohl des professionellen und kommerziellen Erfolgs. Ersten Hochrechnungen zufolge, die sich auf die Ergebnisse in den ersten zehn Monaten stützten, ist die Branche in diesem Jahr um satte 37% gewachsen. Die Erlöse aus dem Inlandsabsatz und Export summieren sich auf 11,7 Mrd. $. Allein die Ausfuhr von elektronischen Bauelementen, innovativen Systemen, Anlagen und Ausrüstungen erhöhten sich um beeindruckende 44% auf 10,3 Mrd. $. Das heisst im Klartext, die High-Tech-Branche exportiert 87,6% ihrer Produktion. Kein Industriezweig, vielleicht ausschliesslich bearbeitete Diamanten, kann auf so einen hohen Prozentsatz hinweisen. Diese günstige Entwicklung stimmt den Verbandsvorsitzenden sehr optimistisch betreffs der Ausfuhrchancen im kommenden Jahr. Er erwartet einen Zuwachs von realen 20% auf 12,3 Mrd. $. Diese Prognose stützt sich auf die prall gefüllten Auftragsbücher und Gespräche mit den ausländischen Abnehmern, die inzwischen keinen Grund sehen, ihre Akquisitionen in Israel einzuschränken, so lange die Branche befähigt ist, ihre innovativen Erzeugnisse in höchster Qualität und zu attraktiven Preisen termingerecht zu liefern. Für Amiram Shore war 2000 auch das Jahr der grossen Akquisitionen israelischer High-Tech-Firmen durch ausländische Multis und internationale Grossunternehmen. 20 einheimische Firmen gingen in fremden Besitz über. Für diese Übernahmen wurden Schecks in Höhe von 10,2 Mrd. $ geschrieben. Allein für die israelische Firma Chromatis zahlte die amerikanische Lucent Corp. 4,6 Mrd. $. Für ansehnliche 2 Mrd. $ wechselte die israelische Softwareschmiede Galileo den Besitzer. Um nicht den deprimierenden Eindruck des Ausverkaufs zu erwecken, wies Shore sofort darauf hin, dass auch israelische Firmen an der Akquisitionsjagd teilnahmen und in den Erwerb von 18 ausländischen Unternehmen ca. 2 Mrd. $ investierten, verglichen mit bescheidenen 256 Mio. $ im Jahre 1999. Darüber hinaus wurden zahlreiche Fusionen vereinbart, um im hektischen Exportgeschäft stärker und schlagkräftiger aufzutreten.
Wichtige Neugründungen
Einen wichtigen Beitrag zum technologischen und kommerziellen Erfolg haben Neugründungen geleistet. Das neue Zweigwerk der US Prozessorenschmiede Intel wird schon in diesem Jahr innovative Chips im Wert von 1,1 Mrd. $ exportieren. Auch der Hersteller von passiven Bauteilen, Vischay Intertechnologies, erweiterte die Kapazitäten seiner Werke. Der Hersteller von Halbleitern, Tower Semiconductor, wird zusammen mit japanischen Geldgebern ca. 1,5 Mrd. $ in die Errichtung einer neuen Produktionsanlage investieren. In diesem Zusammenhang klagt die Branche über den drückenden Mangel an Ingenieuren, Programmierern und geschulten Technikern. Sie benötigt hochqualifizierte Experten, doch die Universitäten und Fachhochschulen in Israel reichen nicht aus, um dieses Manko zu beheben.
Die boomende High-Tech-Branche hat auch die sozio-ökonomischen Strukturen Israel drastisch verändert. Aktienoptionen, Traumlöhne und viele Vergünstigungen haben zur Schaffung einer Schicht von Neureichen beigetragen, die sich fast alles leisten können. Dazu gehören Luxuslimousinen, Villen mit Schwimmbecken, Jachten für Wochenendfahrten exklusive Country Klubs und sonstige Annehmlichkeiten, von denen normale Lohnempfänger nur träumen können. Monatliche Einkünfte von 60 000 bis 70 000 Fr. zählen nicht mehr zu den Ausnahmen, sondern sind schon die Regel geworden.


