Kontroverse in der SchweizWochenrückblickWochenrückblick
Gold. Sigi Feigel, der eine breit abgestützte Kampagne zugunsten der Stiftung Solidarische Schweiz (Solidaritätsstiftung) ins Leben gerufen hat, will dieses Anliegen mit einer anderen Verteilung des Nationalbank-Goldes retten. Alle kontroversen Ansprüche, die zunächst in einer Ablehnung des Währungsartikels durch eine unheilige Allianz zwischen SP und SVP im Nationalrat endeten, sollen unter einen neuen Hut gebracht werden. In seiner Ansprache zum 1. August 1999 in Horgen schlug Feigel vor, von den 1300 Tonnen Gold den Ertrag von 500 Tonnen für alle AHV-Rentner an der Armutsgrenze einzusetzen, von weiteren 300 Tonnen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, vor allem für junge Menschen, und erst dann, wie stets vorgesehen, die Erträge von 500 Tonnen an die Stiftung abzugeben. «Die Scherben des Porzellans, welches unbedarfte Vertreter einiger amerikanisch-jüdischer Organisationen zerschlagen» hätten, flögen leider den Schweizer Juden auch heute noch ganz schön um ihre Köpfe, sagte der streitbare Zürcher Anwalt. Dabei hätten sich die Schweizer Juden konsequent an den Grundsatz gehalten und sich entsprechend exponiert: «Gerechtigkeit für die Opfer, Fairness für die Schweiz». (Diese Maxime hatte SIG-Präsident Rolf Bloch Ende 1996 während eines Hearings des Bankenausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses unter Jim Leach einprägsam eingebracht.) Feigel schloss mit seiner bekannten Parole, ein Volk habe noch nie Schaden erlitten, weil es zuviel Gutes getan habe.
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Kulturen. Auch in Gadero auf der idyllischen Insel Brissago im Tessin gab es eine aktuelle Ansprache zum 1. August, gehalten von Silvana Calvo, Sekretärin der Tessiner Bewegung gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Schweiz sei auf mehr als auf den vier immer genannten Kulturen aufgebaut, sagte sie. Auch die Eingewanderten und Zugeflohenen hätten einen Anspruch auf Heimat. Die Kulturen der Juden und der Jenischen, die seit Jahrhunderten in der Schweiz ansässig seien, auch jene der ausländischen Arbeiter, die teilweise seit Generationen hier lebten, gehörten zur Schweiz. Im Zweiten Weltkrieg sei die weite Idee der Heimat von der Enge des Vaterlandes verdrängt worden. Resultat sei die katastrophale Flüchtlingspolitik gewesen, durch die Zehntausende Juden und andere Nazi-Opfer über die Grenze in den fast sicheren Tod getrieben worden seien. Auch heute sei das Boot bei weitem nicht voll.
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Geld. Die britische Barclay’s Bank will 5,4 Millionen Franken an die Erben von Schoa-Opfern auszahlen. Dabei handle es sich um Konten, die von den deutschen Besatzern in Frankreich beschlagnahmt worden seien.


