Kommt die Rettung aus der Türkei?
Als in den Jahren 1991 und 1992 Israels Wasserreserven auf ein alarmierendes Minimum zu sinken drohten, veröffentlichte der damalige Landwirtschaftsminister Rafael Eitan drastische Sparmassnahmen. Unter anderem schlug er vor, man solle stets zu zweien duschen. Diese Idee war zwar belächelt worden, doch dank einer massiven Pressekampagne konnte der landesweite Wasserkonsum um 15% gesenkt werden.Knapp zehn Jahre später steht Israel erneut am Rande einer Wasserkatastrophe. Anfangs August dürfte der Wasserspiegel des Kinneret-Sees die «rote Linie» von minus 213 Metern erreicht haben. Aus diesem Grunde schlagen die zuständigen Gremien erneut drastische Sparmassnahmen vor, wie der Verzicht auf die Bewässerung privater und öffentlicher Ziergärten. Autos sollen nicht mehr aus Schläuchen gewaschen werden dürfen, und die Bewässerungsgewohnheiten der Landwirtschaft sollen einer strikten Kontrolle unterstellt werden. Neben der Einführung von Sparmassnahmen suchen die Verantwortlichen aber auch nach Wegen, um den Wasservorrat des Landes zu erhöhen. Dabei liegen sich die Befürworter der Errichtung von Entsalzungsanlagen und der Einfuhr von Wasser aus der Türkei bereits in den Haaren. Gegen den Import von Wasser aus der Türkei spricht die Tatsache, dass es rund elf Monate dauern wird, bis die für die praktische Abwicklung des Geschäftes nötige Infrastruktur errichtet ist. Vor allem müssen am Hafen von Aschdod ein Wasserterminal gebaut werden, zusätzlich zu Pump-, Reservoir- und Pipeline-Kapazitäten. Diese Einzelheiten enthüllte Amos Epstein von der Wassergesellschaft Mekorot, der diese Woche an der Spitze eines israelischen Teams in der Türkei erste Verhandlungen über den Kauf von Wasser führte.
Das türkische Wasser ist nach Ansicht von israelischen Delegationsmitgliedern von höchster Qualität, weist einen niedrigen Salzgehalt auf und ist nach europäischen Normen gefiltert. In einem ersten Stadium denkt Israel an den Import von 50 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr, doch kann dieses Quantum nötigenfalls auf bis zu 100 Millionen erhöht werden. Die Gegner der Wassereinfuhr weisen schliesslich darauf hin, dass die Gesamtkosten für einen Kubikmeter türkischen Wassers sich auf über einen Dollar belaufen können, während aus Entsalzungsanlagen gewonnenes Wasser erstens das Risiko der Auslandsabhängigkeit reduziert und zweitens weniger als 70 Cents pro Kubikmeter kosten würde.
Haaretz / JR


