Klein aber fein
Gäbler sprach von «Gefühlen der Scham und des Versagens» angesichts des Leidens und der Ermordung von Millionen Juden und damit auch dem Untergang einer reichen, farbigen Tradition und Kultur. Die in Krakau konzipierte und gestaltete Wanderausstellung wird vom Historischen Seminar der Universität Basel und dem Institut für Jüdische Studien präsentiert. In seinen Begrüssungsworten bezog sich Professor Ekkehard Stegemann, der interimistische Leiter des Instituts für Jüdische Studien, auf die Wichtigkeit dieses Anlasses gerade für «sein» Institut. Denn dieses ist im Sommersemester mit zwei Anlässen für eine grössere Öffentlichkeit präsent. Nebst der Ausstellung hat am Dienstag eine Ringvorlesung zum Thema «Neuer Antisemitismus - alte Vorurteile?» begonnen, die vom Institut organisiert wird. «Erinnerung», so Ekkehard Stegemann, «kann das Böse nicht tilgen» - aber sie kann und muss eine Kultur der Reflexion über das Geschehene schaffen. Nach einigen Worten des Gesandten Antoniewicz der Botschaft der Republik Polen, der auf die Wissens- und Bildungslücken vieler seiner Landsleute und damit auf die Wichtigkeit einer solchen Ausstellung hinwies, aber auch von der langen Geschichte der Koexistenz von Christen und Juden und Polen sprach, führte Heiko Haumann, Professor für Osteuropäische Geschichte in Basel, kurz in die Ausstellung ein, die er als «einen Meilenstein» bezeichnete. Denn es handelt sich um die erste Ausstellung zum Thema, die nicht von einer jüdischen Organisation in oder ausserhalb Polens, oder von ausländischen Historikern und Historikerinnen gemacht worden ist, sondern von polnischen Historikern und Historikerinnen. Äusserst konzentriert zeichnen die Ausstellungsmacher ein Bild der Geschichte der polnischen Juden und Jüdinnen vom 11. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Blütezeit und Zeiten der Dunkelheit bis hin zur Vernichtung werden, begleitet von sorgfältig ausgewähltem Bildmaterial, in knappen und verständlichen Texten geschildert. Nachdem die Ausstellung zuerst in Polen und in Deutschland auf «Tournee» war, ist in Basel nun die Schweizer Premiere. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!
Die Ausstellung «Juden in Polen» ist noch bis zum 28. April, von Montag bis Freitag, 8 bis 20 Uhr im Kollegiengebäude der Universität Basel, Petersplatz 1, zu sehen. Die Ringvorlesung zum Thema «Neuer Antisemitismus - alte Vorurteile?» findet jeweils am Dienstag, von 16 bis 18 Uhr im Hörsaal 14 des Kollegiengebäudes statt und steht auch Gasthörern offen.


