Keren Hayessod fordert Entschädigung
Im vergangenen Dezember hat Keren Hayessod mit Fischer Kontakt aufgenommen, um in seiner Gaststätte «Julieta» eine Wohltätigkeitsveranstaltung am 11. 3. für die Gruppe «Young Leadership» zu organisieren. Da das Lokal sonntags geschlossen ist, konnten es die Gäste ganz für sich haben. «Fischer war immer sehr freundlich und zuvorkommend», sagte Dana Leshem, YL-Vorsitzende der JRM.
Am 8. 3. war Leshem mit zwei Freundinnen zufällig und ohne Vorankündigung erschienen. Bei einem Gespräch mit Herrn Fischer sagte der Wirt plötzlich, dass die «politische» Veranstaltung in seinem Haus nicht stattfinden werde, und dass er mit Juden «gar nichts zu tun haben will». Er verglich Keren Hayessod sogar mit der DVU. Nachdem alle Bemühungen, ihn umzustimmen, vergeblich waren, kehrte Ronit Salomon, Co-Vorsitzende der YL, zum Lokal zurück und schlug Fischer die Eingangstür ins Gesicht. «Er war wütend, und wäre ich nicht zur Seite gesprungen, hätte er mich verletzt», so Salomon zu der JR. Noch in derselben Nacht mussten die drei Aktivistinnen ein Ersatzlokal finden und die zahlreichen Gäste sowie die Presse darüber informieren. Am nächsten Tag stellte die Süddeutsche Zeitung der KH ihren eigenen Veranstaltungsraum zur Verfügung. «Wir waren sehr gerührt, hatten aber schon das Lokal Pasha bekommen», berichtet Leshem.
Michael Salomon, Leiter der Keren Hayessod in Süddeutschland, vermutet, dass Fischer die Veranstaltung absagte, «weil er von Stammgästen bedroht worden war». Leshem hingegen glaubt, dass Fischer von vornherein plante, die Veranstaltung platzen zu lassen, «damit wir vor verschlossenen Türen stehen. Sonst hätte er uns über seine Absage zumindest informiert.»
Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft in München, ob ein Verfahren wegen Beleidigung oder Volksverhetzung eingeleitet werden muss. Die ersten Zeugen wurden schon vernommen. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude entschuldigte sich bei Ben-Artzi. «Es schmerzt mich sehr, dass Ihr erster Eindruck unserer Stadt durch einen feindseligen Akt eines Gastwirts überschattet wurde», schrieb Ude. Er dankte Ben-Artzi dafür, dass sie dieses «unerträgliche Ereignis» nicht verallgemeinert habe. Das Kreisverwaltungsreferat prüft inzwischen, ob es Fischer seine Konzession als Gastwirt entziehen kann. Fischer selbst sagte der «tz»: «Ich bin kein Juden-Hasser, aber wir haben keinen definitiven Termin vereinbart und ich bin gegen politische Veranstaltungen in meiner Bar. Da kann jeder kommen: In der einen Woche die Juden, in der anderen der Herr Frez von der DVU.» (vgl. S. 24)


