Jüdische Beiträge zur Dada-Musik
Viel musikalisches Neuland gibt es auch im «Klaviermusik aus Böhmen und Mähren» betitelten Rezital des in Basel lebenden Pianisten Tomás Dratva in einer Sonate von J. V. H. Vorísek (1825) und in einem Stück des Mozart-Zeitgenossen Leopold Kozeluh zu entdecken.Die vielleicht grössten Überraschungen hält das unter der Leitung von Cristoforo Spagnuolo stehende Konzert mit der «camerata variabile basel» am 23. August (20 Uhr) im Alten Gemeindesaal Lenzburg bereit. Das allein schon der diversen Besetzungen wegen ausserordentlich abwechslungsreiche Programm trägt den Titel «Zwischen Surrealismus und Buffoneskerie» und zugleich den Stempel höchster Originalität. Musette-Klänge, Menuette und Kuckucksrufe verleihen der «Suite d’après Corrette» für Bläsertrio von Darius Milhaud, dem 1974 in Genf verstorbenen bedeutendsten jüdischen Musiker aus Frankreich, einen ebenso speziellen Klangreiz wie die hintersinnigen Wortspiele von Hans Arps dadaistischer «Wolkenpumpe» der gleichnamigen Komposition von Erwin Schulhoff (1894-1942).
Seine groteskenreiche Vertonung nannte der als Jude, «Neutöner» und Kommunist von den Nazis verhasste und im Internierungslager Wülzburg umgekommene Prager Musiker im Untertitel «Ernste Gesänge für eine Baritonstimme mit Klarinette, Fagott, Kontrafagott, Trompete und Schlagzeug nach Worten des heiligen Geistes, Hans Arp». Ohne Taktstriche notierte Schulhoff die «Bassnachtigall» für Kontrafagott solo, in welcher barocke Modelle parodiert und der Name Bach in einem Perpetuum mobile in die entsprechenden Töne gesetzt wird.Mit diesen beiden Werken schuf Schulhoff 1922 wesentliche Beiträge zur heute kaum mehr bekannten Dada-Musik.Der Dadaismus wurde in Frankreich vom Surrealismus abgelöst, zu dessen einfallsreichsten Dichtern mit Max Jacob (1876-1944) eine auch als Maler hervorgetretene Doppelbegabung zählte. Auf Gedichten der Sammlung «Le laboratoire central» de mit Picasso befreundeten bretonischen Künstlers, der im KZ Drancy umkam, basiert die überaus geistvolle Kantate «Le Bal masqué» für Bariton und Kammerorchester (1932) von Francis Poulenc, ein spritzig unterhaltendes Meisterwerk in Sachen Humor, Eleganz und Klangphantasie. Den Solopart singt Peter Brechbühler.
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