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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Judentum 2000

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

Historisch und theologisch hat die sagenumwobene Millenniumsgrenze für das Judentum keine Bedeutung. Und so stellt der Titel «Judentum 2000» ein Paradox dar. Abseits von medialer Hochkonjuktur über Schreckensszenarien, Endzeitbeschwörungen oder kommerzieller Ausschlachtung bedeutet das Ende des Jahrtausends - das auf einem umstrittenen, rein menschlichen Kalendersystem beruht - für viele eine psychologische menschengefertigte Orientierungshilfe in der naturgegebenen Unendlichkeit. Die Grenze in den Köpfen wirft bei Vielen Fragen nach den Grenzen des Menschen, den Daseinsbestimmungen überhaupt auf - ebenso bei vielen jüdischen Menschen. Denn Jüdinnen und Juden bewegen sich und leben im Alltag zu grossen Teilen im gregorianischen Kalender. Am Ende dieses Jahrhunderts steht das Judentum wie niemals zuvor an einer Schwelle in eine neue Zukunft. Im Schnittpunkt von Holocaust und der Staatsgründung Israels sieht es sich existentiellen Fragen gegenübergestellt. Werte und Traditionen sind in den Wirren der Neuzeit aufgebrochen worden; Ziele und Definitionen werden hinterfragt. Im Bruch zwischen Moderne und Tradition, zwischen Gesetzgebung und Technik, Abgrenzung und Assimilation, Emanzipation und Neuorientierung, Gesellschafts- und jüdischen Lebensformen sieht sich das immer pluralistischer werdende Judentum in einem ganz neuen Spannungsfeld und somit in der Bewährung. Mit der heute beginnenden Serie «Judentum 2000» beleuchtet die JR wichtige jüdische Fragen in den Bereichen Religion, Gesellschaft, Nation und Moderne. In Essays, Hintergrundartikeln und Interviews wird ein Spiegel über die Befindlichkeit des Judentums wiedergegeben und auf Grundlage der Gesetzgebung Antworten auf brennende Fragen ausgelotet. Rabbiner und Experten, die das ganze Spektrum jüdischer Strömungen repräsentieren, stellen sich den aktuellen Fragen und beschreiben und analysieren Perspektiven und Meinungen.





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