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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Jerusalems Forderungen an die Weltorganisation

von Michael J. Jordan, October 9, 2008
Nach der langen Besetzung Südlibanons bereitet Israel sich nun formell darauf vor, der UNO-Resolution nachzukommen, die seit 22 Jahren den Abzug der IDF-Truppen gefordert hatte. Seinerseits verlangt Israel von der Weltorganisation nun, dass sie ihren Teil des Deals ebenfalls erfüllt.
Zur Kasse gebeten: Israel verlangt von der UNO einen Beitrag im Deal um den Abzug israelischer Truppen aus Südlibanon. - Foto Keystone

Ein wenig bekannter Bestandteil der UNO-Resolution 425 über Südlibanon besagt, dass die UNO bei einem israelischen Rückzug verpflichtet ist, den «internationalen Frieden und die Sicherheit» wiederherzustellen, und der libanesischen Regierung zu helfen, «die Rückkehr seiner tatsächlichen Autorität» im betreffenden Gebiet wieder einzurichten. Vor dem Hintergrund dieses Textes besuchte Israels Aussenminister David Levy New York und forderte die UNO auf, die Akivitäten ihrer Unifil-Truppen in Südlibanon auszuweiten. Nach Meinung israelischer Offizieller kann ohne eine stärkere Rolle der Unifil bei einem Rückzug der IDF-Truppen nicht mit einem reibungslosen Übergang gerechnet werden. Israel fürchtet, dass in diesem Falle andere Faktoren, wie Syrien, militante Palästinenser oder die pro-iranische Hizbollah-Miliz das Vakuum ausfüllen werden. Das wiederum könnte das Risiko von Angriffen gegen israelische Ortschaften an der Nordgrenze ebenso erhöhen, wie die Gefahr für jene Libanesen, die bisher die Israelis unterstützt haben, allen voran die Angehörigen der «Südlibanesischen Armee» (SLA).
«Wir können nicht einer Situation zustimmen», erklärte Levy, «in der wir etwas in guter Absicht tun, das gleichzeitig aber andere einer Art Massaker aussetzt. Wir können nicht Menschen einer ungewissen Zukunft überlassen. Wir streben ein stabiles Abkommen an, das, so hoffen wir, der Beginn einer Versöhnung im Libanon sein wird.»
Israelische Truppen waren erstmals am 14. März 1978 in den Libanon eingedrungen, um terroristische Attacken der PLO zu unterbinden, die nach ihrer Vertreibung aus Jordanien im Zedernland ihr Hauptquartier errichtet hatte. Kurz danach verabschiedete die UNO Resolution 425, und am 22. März des gleichen Jahres trafen die ersten Unifil-Soldaten in Libanon ein. Heute umfasst die Truppe 4400 Mann aus neun Staaten, darunter Frankreich, Fidschi und Nepal. Die Aufgabe der Unifil hatte sich stets darauf beschränkt, die Situation zu beobachten und Zivilisten zu beschützen.
Der Beschluss Israels, den Libanon zu verlassen, ist in erster Linie auf den steigenden Druck aus dem eigenen Volk zurückzuführen, das nicht mehr bereit ist, den hohen Blutzoll zu zahlen. Die militärische Präsenz in Südlibanon hat Israel bisher beinahe 700 eigene Soldaten gekostet. Levys Besuch in New York war der erste Schritt im Bestreben, eine Kooperation mit der UNO im Zusammenhang mit dem Rückzug zu bewerkstelligen. Eines der gewichtigsten Hindernisse zur Erreichung dieses Zieles ist die Frage der Entwaffnung der SLA, die von Israel u.a. schwere Artillerie, Tanks und Kommunikationsausrüstung erhalten hat. Während Israel die Ansicht vertritt, die SLA müsse zum Zweck der Selbstverteidigung bewaffnet bleiben, bestehen UNO-Offizielle darauf, dass Israel seine Alliierten vor dem Rückzug entwaffnet. «Falls die schweren Waffen im Felde bleiben, haben wir ein Problem», meinte ein westlicher Diplomat am UN-Hauptsitz. «Wir wollen kein Blutbad in der Region.» Angesichts des derzeit sich in Sierra Leone abspielenden Fiaskos dürfte die UNO zögern, ihre Rolle in Südlibanon ohne entsprechende Garantien aufzuwerten.Ein anderer Grund, der die UNO zum Nachdenken zwingen könnte, ist die nach wie vor vorhandene Opposition der Regierung in Beirut gegen einen einseitigen Rückzug der Israelis. Damit würde Jerusalem nämlich, so heisst es in der libanesischen Kapitale, den Libanon mit der Aufgabe alleine lassen, die Hizbollah zu kontrollieren. Israel wiederum hofft, mit dem Rückzug aus der «Sicherheitszone» an Prestige in der Weltorganisation zu gewinnen und rascher in die Gruppe «Westeuropa und andere» aufgenommen zu werden.

JTA





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