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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

In Ramat Gan ist fast jeder Markt vertreten

von Sharon Kanon, October 9, 2008
Israel hat zwar keine eigenen Diamantenminen, doch ist das Land weltweit führend im Schleifen der Steine und im Handel mit ihnen. Israel produziert rund 70% der in den Schmuckstücken in aller Welt benutzten geschliffenen Diamanten. Sein aus vier Gebäuden bestehender Diamanten-Komplex in Ramat Gan beherbergt 1200 private Büros, in welchen praktisch alle Märkte der Welt vertreten sind. Die Diamantenbörse verfügt auch über den grössten Saal der Welt, in dem die glitzernden Steine gekauft und verkauft werden.
Weltweit an der Spitze: «Israel ist der Supermarkt für Diamanten». - Foto WZPS

«Israel ist ein Supermarket für Diamanten», sagt Efraim Raviv, Direktor des Israelischen Diamanten-Institutes. Stellen Sie sich vor, Sie spazieren einen Gang hinab und wählen sich einen Stein aus zwischen einen geschliffenen zweikarätigen smaragdförmigen, einem runden 8-Punkter, einem birnenförmigen Stein von 1,5 Karat oder zwei dreieckförmigen Diamanten. Es tönt fantastisch, aber es kommt der Wahrheit sehr nahe.Die israelische Diamantenbörse in Ramat Gan verfügt welweit über den grössten Saal für den Handel. Seriöse Käufer, das sind solche, die mehr als 1-2 Diamanten erstehen wollen, können sich durch das Angebot durcharbeiten und aus dem grössten Reservoir an geschliffenen Diamanten aussuchen. Israel stellt alle Diamantgrössen her, angefangen beim geschliffenen 5-Punkter bis zu extrem grossen Steinen, wie etwa einen 75-karätigen Diamanten, der auf 40 000 Dollar pro Karat eingeschätzt wurde. Er wechselte 1998 an der Diamantenbörse für 3 Millionen Dollar den Besitzer. Israelische Diamanten werden an den elegantesten Orten der Welt verkauft, wie Tiffany’s, Cartier, Boucheron, aber auch von vielen kleineren Juwelieren.

70 Prozent des Weltmarkts

Israel produziert 70% der in Diamantenschmuckstücken in der ganzen Welt benutzten geschliffenen Steine und schneidet 50% des hochqualitativen Rohmaterials. Nach der High-Tech-Industrie kommen die Diamanten an zweiter Stelle der Exportliste.
«Ich komme alle sechs Wochen nach Israel, um Diamanten zu kaufen», sagt ein New Yorker Händler, während er in der Halle einige glänzende rund einkarätige Diamanten prüfte. «Israel hat die grösste Auswahl und das variantenreichste Angebot.» Die glitzernden Steine lagen auf einem am einen Ende eines langen Tisches ausgebreiteten Samttuch. Am Ende eines jeden Tages packt jeder israelische Schleifer oder Händler seine Ware ein und verschliesst sie in einem Safe. Der Handel «on the floor» im Saal ist eine Tradition im Diamantenhandel, und viele Diamantäre machen ihre Geschäfte von Zeit zu Zeit immer noch gerne so.
In Ramat Gan oder Antwerpen werden Geschäfte traditionsgemäss immer noch mit einem Handschlag und den hebräischen Worten «Mazal u’Bracha» (Glück und Segen) besiegelt, zusätzlich zu einem kleinen Stück Papier, auf dem der Deal festgehalten wird.

Israelische Diamanten sind billiger

«Israel», erklärt Raviv, «verkauft mehr geschliffene Diamanten als alle anderen Schleifzentren zusammen. Wir sind ein Handelszentrum und Hersteller zugleich. Daneben importieren wir kleine Diamanten für mehr als 1 Milliarde Dollar.» Israelische Diamanten sind billiger, denn sie sind nicht mit Import- oder Exportabgaben belastet, und auf rohe oder geschliffene Diamanten gibt es keine Mehrwertsteuer. «In Israel Diamanten zu kaufen», meint ein Diamantenschleifer und -händler, «ist rentabler als anderswo auf der Welt. Das gilt sowohl für den Wiederverkäufer, der sich in Israel eindeckt, als auch für den Touristen, der in einem guten Laden einkauft». 1999 war für Israels Diamantäre ein Rekordjahr. Über 4 Millionen Karat an geschliffenen Steinen im Wert von 4,5 Mrd. Dollar wurden exportiert. Das laufende Jahr dürfte noch glänzender werden, und man rechnet mit Umsätzen in Höhe von 5,5 Mrd. Dollar. Im Januar lag der Export geschliffener Diamanten wertmässig um 36% über dem letztjährigen Vergleichsergebnis, und das Februar-Resultat war noch besser. Vor allem die Verkäufe in den Fernen Osten ziehen an. Die USA sind der grösste Markt für Israel. Jedes Jahr verloben sich 2,5 Millionen amerikanische Paare, wobei fast 70% der Bräute einen mit Diamanten besetzten Verlobungsring erhalten. Diese Tradition begann 1477, als Erzbischof Maximilian (der spätere Kaiser) seiner Maria von Burgund zur Verlobung einen Diamantring schenkte.
Das Geheimnisvolle des Diamanten, der als Symbol für ewige Liebe gilt, haben ihn seit Jahrhunderten zum bevorzugten Geschenk gemacht. Grace Kelly und Elizabeth Taylor haben beide Geschichte gemacht mit ihren Romanzen und den Diamanten, die sie geschenkt erhielten, wie etwa der herzförmige gelbe Diamant, den die Taylor zu ihrem 40. Geburtstag bekam.

Lange Tradition

Israels Diamantenindustrie entstand 1936 in Petach Tikwa, als zwei unternehmungsfreudige Immigranten, die das Handwerk in Belgien gelernt hatten, die erste Diamantenschleiferei eröffneten. Während des 2. Weltkriegs stiessen erfahrene Schleifer und Schneider, die den Nazis entronnen waren, zu der sich entwickelnden Industrie. Auch der Nachschub an Rohdiamanten war gesichert.
«Unsere Schneider erarbeiten den besten Ertrag aus den Rohdiamanten», sagt Moshe Schnitzer, der Doyen der israelischen Diamantäre. «Das macht den Stein natürlich billiger.» Israelische Schneider können bis zu 60% aus einem Diamanten erwirtschaften. Der 1988 gefundene grösste Diamant der Welt hatte roh 599 Karat. Geschnitten und geschliffen, blieben noch 273 Karat übrig. Um einen optimalen Ertrag aus den kostspieligen Rohdiamanten zu erarbeiten und um ein Maximum an Genauigkeit und Qualität bei der Herstellung zu garantieren, werden hochtechnologisierte Instrumente benutzt. Mindestens zehn israelische Firmen haben Instrumente für Laser-Schneiden entwickelt sowie Software für die Errechnung optimaler Steinformen, Dimensionen und Grössen von Facetten. «Russische Immigranten haben bei der Entwicklung dieser Instrumente geholfen», sagt Schnitzer. In den letzten Jahren hat Israel seine Position als Zentrum für den Handel mit Rohdiamanten gefestigt, und die Diamantenbörse weitete unlängst das Geschäft aus, indem sie in einem neuen Flügel einen Saal für den Handel mit Rohware eröffnete. Darüber hinaus haben sich über 90% der Besitzer von Diamantenminen im März 2000 an der 2. Internationalen Rohdiamantenkonferenz in Tel Aviv beteiligt. «Der Diamant», sagte Moshe Schnitzer an der Konferenz, «ist das schönste, herrlichste und glänzendste Produkt der Welt. Jeden Tag erfreuen wir uns erneut daran, dass unser Leben auf einem kleinen Stückchen Glück basiert, dem Symbol der Liebe...»

Mehr Information über das Israelische Diamanten-Institut auf Internet: www.diamonds.org.il





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