Im Wartezimmer zur Humanität
Bernadine Healy, Präsidentin des Roten Kreuzes der USA, bezeichnete die vom IKRK immer wieder ins Feld geführte Besorgnis, dass die Aufnahme eines neuen Symbols neben dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond zu einer «Proliferation neuer Symbole» führen könnte als «Heuchelei». Laut IKRK-Präsident Jakob Kellenberger ist die volle Mitgliedschaft Israels im IKRK «wünschenwert». Um ein neues Vollmitglied aufzunehmen, bedarf es einer diplomatischen Konferenz, an der alle Signatarstaaten der Genfer Konvention vertreten sind, die über die Aufnahme abzustimmen haben. Im Juni 1949 wurde Israel als Vollmitglied mit nur einer Stimme (20:21) bei 7 Enthaltungen abgelehnt. Seitdem gab und gibt es immer wieder Versuche, diesen Zustand zu ändern. Laut «Washington Post» wird Lawrence Eagleburger, Botschafter für das Amerikanische Rote Kreuz, diese Woche in Genf einen juristischen Weg präsentieren, der ein abgekürztes Verfahren beinhaltet, dass die erforderlichen Schritte wie Statutenänderungen, neue Resolutionen oder Protokolle und damit auch das komplizierte Abstimmungsverfahren vereinfachen könnte. Schwierigkeiten des jetzigen Prozederes liegen u.a. darin, dass die Anerkennung des Magen David Adom und die Aufnahme des nationalen Israelischen Roten Kreuzes in die Föderation von verschiedenen Instanzen genehmigt werden müssen. Die heute Donnerstag und morgen Freitag tagende Arbeitsgruppe zum Thema der Vollmitgliedschaft Israels umfasst sechzehn Delegationen. Neben den USA, Russland, China, Grossbritannien und Frankreich als permante Mitglieder des Sicherheitsrates sind Delegationen Israels, der Schweiz, Indiens, Kasachstans, Nigerias, des Senegals, Kolumbiens, Malaysias, des Libanons und Ägyptens an den Arbeitssitzungen vertreten. Wie auch immer die Arbeitsgruppe entscheiden wird - sie kann letzlich von ihrem rechtlichen Status her nur Empfehlungen abgeben. Urs Boegli, Sprecher des IKRK, sieht eine reale Chance, die Verhandlungen um die Vollmitgliedschaft Israels und mit ihr verbunden auch die Aufnahme des Magen David Adoms als Symbol, so stark als möglich von politischen Implikationen zu befreien. Schliesslich gehe es, so Boegli, letzlich um eine humanitäre Frage und Institution. «Das IKRK selbst hat grosses Interesse, die Frage um die Vollmitgliedschaft Israels endlich zu lösen», sagte Boegli gegenüber der JR. Beim Besuch des IKRK-Präsidenten Jakob Kellenberger in Washington letzte Woche setzten verschiedene Kreise das Thema der Vollmitgliedschaft Israels ins Zentrum der Gespräche.


