Im Spiegel der israelischen Literatur
Zu den Höhepunkten der diesjährigen Jerusalemer Buchmesse zählte u.a. eine Ausstellung zum Thema «50 Jahre israelische Literatur». Dabei kamen Themen vom hebräischen Mickey Mouse bis zu den satirischen Büchern eines Dan Ben-Amotz zur Geltung. Weitere Höhepunkte waren die Ausstellung der israelischen Fotografin Aliza Auerbach, und ein vom Bertelsmann-Verlag gesponsertes und zusammen mit der deutschen Stiftung Lesen durchgeführtes Symposium über die Ermutigung zum Lesen. Das Thema lautete «Ende des Millenniums, Ende der Fähigkeit, zu lesen». Professor Zohar Shavit, der Vorsitzende des Symposiums, meinte: «Am diesjährigen Symposium wurden u.a. folgende Fragen behandelt: Wie wichtig ist die Kunst des Lesens heute noch? Soll Lesen nur aus der Perspektive von Vergnügen und Freizeit betrachtet werden, oder ist es notwendig zur weiteren Entwicklung unserer technologischen Fortschritte? Sollen wir unsere Jugend dazu drängen, sich das Lesen von Büchern zur Gewohnheit zu machen? Stellen Computer und das Internet einen befriedigenden Ersatz dar für die Bedürfnisse, die Bücher zu stillen pflegen?» Ein weiteres Projekt der Buchmesse war «Bücher im virtuellen Klassenzimmer», das darauf abzielte, 10- bis 14jährige zum Lesen anzuhalten. Und die von internationalen Journalisten abgehaltene Diskussion am runden Tisch zum Thema «Die Rolle der Medien im Nahost-Friedensprozess» stiess ebenfalls auf hohes Interesse. Im Vergleich zu den Buchmessen von Frankfurt und London ist die Jerusalemer Messe zwar klein, doch zieht sie Zehntausende von Interessierten aus Israel und dem Ausland an, inkl. Verleger, Autoren, Schriftsteller und Poeten. Zev Birger, der langjährige Direktor der Jerusalemer Buchmesse, formuliert es wie folgt: «Die Messe liegt zwar nicht unbedingt am Weg der Verleger, doch kommen sie ausgesprochen gerne hierher. Die Messe sticht nicht nur aus geschäftlichen Gründen hervor, sondern auch dank ihres kulturellen Inhaltes.» Ihr Budget von 2,5 Millionen Shekeln bestreitet die Messe aus verschiedenen Quellen. 70 Prozent entfallen auf die Standmieten, 5 Prozent kommen vom Staat und von der Jerusalemer Stadtverwaltung, während der Rest sich aus Beiträgen aus dem Ausland zusammensetzt, etwa vom Aspen Institute und von der Verlagsgruppe Holtzbrinck.
Im Rahmen der Messe wurde der Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft dem amerikanischen Autor Don DeLillo verliehen. In der Vergangenheit haben Autoren wie Milan Kundera, V.S. Naipaul, Graham Greene, Simone de Beauvoir und Jorge Luis Borges den Preis erhalten. Don DeLillo, dessen Arbeiten elf Romane, Essays und Theaterstücke umfassen, wird «von vielen Literaturkritikern als der originellste und kraftvollste Autor betrachtet, den die USA in den letzten 30 Jahren hervogebracht haben», schreibt Calev Ben-David in der Zeitung «Jerusalem Post». DeLillo wuchs in einer italienisch-amerikanischen Arbeiterfamilie in der Bronx auf, studierte an der New Yorker Fordham- Universität und arbeitete in der Reklamebranche, bevor er seinen ersten Roman «Americana» in Angriff nahm.


