Ignorieren!
«Mit Blut und Feuer werden wir Dich erlösen, Palästina», oder «Der Jom Ha\'azmaut ist ein Tag des Unglücks für das palästinensische Volk». Sätze wie diese gaben am Sonntag nicht etwa Terroristen-Häuptlinge in Damaskus oder einem Flüchtlingslager von sich. Nein, arabische Abgeordnete des israelischen Parlamentes und andere israelisch-arabische Bürger waren es, die sich dergestalt äusserten, und zwar in der israelisch-arabischen Ortschaft Shfaram. Anlass war ein offizieller Empfang zu Ehren des 52. Unabhängigkeitstages des Staates Israel. Innenminister Natan Sharansky, der die Regierung an der «Feier» vertrat, konnte nur mit Mühe vor dem Steinhagel von Demonstranten geschützt werden und wurde, einem Sträfling gleich, in einem Polizei-Jeep aus der Gefahrenzone hinausgeschmuggelt.
Szenenwechsel: «Die 52 Jahre des zionistischen Israels, das sich gegen die Thora auflehnt, versetzen das Volk Israel in bittere Trauer.» Aufschriften wie diese waren auf schwarzen Fahnen zu lesen, welche anti-zionistische Extremisten rechtzeitig zum Jom Ha\'azmaut im Jerusalemer Mea Shearim-Viertel aufhängten. Ein Flugblatt warnte die Anhänger der Extremisten zudem in scharfen Worten vor der Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag.
Randalierende Israel-Araber und jüdische Antizionisten - irgendwo im ideologischen Abseits treffen die beiden Gruppen aufeinander und werden sich gegenseitig wohl auf die Schultern klopfen.
Was kann, was soll gegen diese gesellschaftlichen Randerscheinungen unternommen werden? Ausbürgern, in die arabische Welt abschieben, oder strafrechtlich verfolgen?
Nichts dergleichen. Ignorieren muss man sie. Nur so kann eine intakte Demokratie beweisen, dass sie derartige Mückenstiche, und mögen sie auch noch so lästig sein, mit einem Lächeln wegsteckt.


