«Hoher Standard von Fortschritt und Forschung»
Jüdische Rundschau: Prof. Zvirin, wie ist der Kontakt zwischen Haifa und Biel zustande gekommen?
Yoram Zvirin: Der Kontakt mit Prof. Jan Cherwinsky, der der Leiter des Labors für Verbrennungsmotoren an der Ingenieurschule in Biel ist, entstand vor einigen Jahren, als er bei einem privaten Besuch in Israel von meinem Labor hörte und mich besuchte. Seither waren wir permanent in Kontakt und besuchten uns gegenseitig.
Jüdische Rundschau: Gibt es Pläne für die Etablierung einer Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Israel in Ihrem Bereich? Falls es eine solche Kooperation schon gibt, wie sieht sie aus?
Yoram Zvirin: Wir mussten mit Enttäuschung herausfinden, dass es kein formelles bilaterales Abkommen für gemeinsame Forschungsarbeit von Universitäten und Instituten auf nationaler Ebene zwischen den zwei Ländern gibt. Aber es gibt ein Austausch-Programm zwischen der ETH Zürich und dem Technion in Haifa, in dessen Rahmen ich jetzt in die Schweiz kam, und es mag auch noch weitere, uns aber unbekannte solche Vereinbarungen geben. Andererseits können wir in Israel mit Schweizer Organisationen im Rahmen der EU-Kommission innerhalb von Forschungsprogrammen kooperieren. So sind Prof. Cherwinskis Laboratorium sowie EMPA und INFRAS unsere Partner innerhalb des renommierten EC-Programms ARTEMIS, bei dem es um ein Assessment von Strassentransport-Emissionen geht. Während meines jetzigen Besuchs haben wir versucht, mögliche Wege einer künftigen Zusammenarbeit in verschiedenen Energie- und Umwelt-Themenkreisen festzulegen.
Jüdische Rundschau: Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Ihrem und unserem Land im Bereich des Umweltschutzes?
Yoram Zvirin: Grundsätzlich ist die Schweiz fortgeschrittener im Umgang mit Umweltschutz-Aspekten. So wurden in der Schweiz strengere Vorschriften zum Abgas-Ausstoss früher in Kraft gesetzt als in Israel, und es wurde viel mehr Forschung und Entwicklung in «Nachbehandlungs»-Geräte gesteckt. Auch bei den Elektro- und gasbetriebenen Fahrzeugen ist die Schweiz punkto Bekanntheit und Einsatz viel weiter. Dagegen haben wir in Israel auf einigen Gebieten Pionierarbeit geleistet, zum Beispiel im Gebrauch von Treibstoffzusätzen, die die Effizienz und die Emissionen der Motoren verbessern.
Jüdische Rundschau: Was für Veränderungen wünschen Sie sich in Israel auf Ihrem Fachgebiet?
Yoram Zvirin: Die vordringlichste Aufgabe ist der raschmöglichste Aufbau von öffentlichen Transportsystemen für die Städte Tel Aviv, Jerusalem und Haifa. Wir sind diesbezüglich im Rückstand, es gibt kein U-Bahn- oder Tramsystem, und die Situation in den Stadtzentren im Sinne von Verkehrsüberlastung und Luftverschmutzung verschlechtert sich rapide. Auch das Bahnsystem zwischen den Städten ist unterentwickelt und muss viel schneller ausgebaut werden.
Jüdische Rundschau: Mit welchen Eindrücken von der Schweiz kehren Sie nach Israel zurück?
Yoram Zvirin: Getreu dem vorher Gesagten bewundere ich die Strukturen der Transportsysteme in der Schweiz, obwohl es natürlich auch hier den Begriff «Stau» gibt. Beeindruckt hat mich das Niveau und der Fortschritt in Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Luftqualität und der Abgasreduktion im Strassenverkehr, wie auch die Implementierung verschiedener Massnahmen zu diesem Zweck. Und schlussendlich war unser Aufenthalt hier sehr schön, meine Frau Ilana wie auch ich schätzen die Gastfreundschaft sehr, die uns überall entgegengebracht wurde, speziell durch Prof. Jan Cherwinski und seine Familie und durch unsere Freunde in der jüdischen Gemeinde Biel Avinoam und Lilianne Levy, Leon Reich und Barbara und Haim Madjar.


