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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Hilfe aus Amerika

von Samuel Laster, October 9, 2008
Die litauische Regierung bemüht sich um die Auslieferung des mutmasslichen Nazi-Kriegsverbrechers Antanas Gecas aus Schottland. Diplomatischer Druck wird auf die baltische Republik aus Washington ausgeübt. Der scheidende Vizepräsident Al Gore ist der Mann im Hintergrund, wie Sunday Times nunmehr enthüllt.

US-Vizepräsident al Gore traf sich zusammen mit Justizministerin Janet Reno mit hohen regierungsvertretern aus Wilna. Sprecher in Wilna bestätigten, dass sich die Regierung Litauens um eine Auslieferung von Gecas bemühen werde. Der Druck aus Washington auf Wilna wurde auf Botschafterebene lange und intensiv betrieben. Gore traf den früheren Parlamentspräsidenten Vytautas Landsbergis schon vor drei Jahren. Die Botschaft lautete: Die Verfolgung von willigen Mordgesellen der deutschen Besatzer Litauens ist eine Voraussetzung zur Aufnahme Litauens in die NATO.
Der pensionierte Bergbauingenieur Gecas betreibt ein «Bed and Breakfast» in Edinburgh; Schottland.Gecas war an der Ermordung von mindestens 30 000 Juden durch Hilfspolizeieinheiten in Litauen und Weissrussland 1941 beteiligt. Der Fall ist seit 1992 bekannt, Gecas strengte sogar eine Verleumdungsklage gegen eine TV-Anstalt in Schottland an. Das Gericht sah die Behauptung als stichhaltig an, Gecas wäre führend an Judenmord beteiligt gewesen.
Die Zurückhaltung britischer Behörden wird von verschiedenen Medien mit Diensten für den britischen Geheimdienst MI 5 erklärt. «Gecas muss alle Verbindungen mit Litauen bei seiner Flucht verloren haben und wäre deshalb als Agent eine Verschwendung gewesen» meint Oleg Gordiecsky, Ex-KGB Agent zur Sunday Times. Lord Janner ersucht Innenminister Straw darum, geheime Dokumente zum Fall den Ermittlern aus Litauen zugänglich zu machen.
«Die Litauer haben einiges beizutragen, um ihr Negativimage zu verbessern» meint der Leiter des Ofice of Special Investigation, Eli Rosenbaum. Die aus den USA ausgewiesenen Massenmörder Aleksandras Lileikis und sein Assistent Kazys Gimzauskas sind 1996 aus den USA ausgewiesen worden. Erst nach langer Vorbereitung und erheblichem internationalen Druck wurde überhaupt Anklage erhoben. Lileikis starb friedlich in seinem Bett. Er erschien lediglich ein Mal vor Gericht am 5.11.1998 und brach theatralisch nach 5 Minuten zusammen. Mehrmals wurde Lileikis für medizinisch nicht fähig erklärt, vor Gericht zu stehen. Schliesslich wurde eine Vernehmung per Video durchgeführt. Das Verfahren gegen Gimzauskas wurde vor kurzem eingestellt.
Efraim Zuroff, Leiter des Wiesenthal Center in Jerusalem, ist über die Veröffentlichung der neuen Initiative besorgt: «Es ist wie ein Hinweis an Gecas, irgendwohin zu flüchten, und sei es Papua Neu Guinea» sagt der «Nazijäger». «Die bisherige Motivation litauischer Behörden bei der Verfolgung von Nazimördern lässt nichts Gutes erwarten» so Zuroff. Die neue Initiative hat keine neuen Beweise als Grund. Es ist der Druck des zweiten Mannes, der so knapp nicht Präsident wurde, der den Unterschied ausmacht.
Im letzten Jahr wurde Konrads Kalejs in England gefunden. Als Mitglied im berüchtigten «Arajs-Kommando» wird der Lette gesucht. Er wurde nach Australien ausgewiesen. Die Behörden in Riga begehren die Ausileferung des Judenmörders. England schien zu lange nachsichtig mit Massenmördern umgegangen zu sein. In Litauen und Lettland sind diese für manche gar Helden der Befreiung...





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