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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Gute Nachbarschaft im Wiederaufbau

von Paul Uri Russak, October 9, 2008
Die innerisraelische jüdisch-arabische Verständigung ist nach den Oktober-Unruhen noch immer gestört - sogar bei «aufgeklärten» jüdischen Israelis. Hundert muslimische Familien im arabischen Dorf Faradis haben die Initiative an sich gerissen und ein Verständigungsprogramm lanciert.

Auf Initiative der arabischen Zweigstelle der israelischen Jugendorganisation «Noar Oved VeLomed» und organisiert durch Beauftragte von Faradis und Zichron Ya’akov, wurden hundert jüdische Familien aus Zichron von hundert Familien aus Faradis zu sich nach Hause eingeladen. Es war kein unübersichtlicher Grossanlass, sondern einfach 100 Familienbesuche. Als Datum wurde der Id el-Fitr gewählt, der letzte Tag des Ramadan, am 27. Dezember 2000. Die jüdischen Besucher wurden am Dorfeingang empfangen und zu den jeweiligen arabischen Familien geführt. Die Besucher brachten Geschenke mit. JR sprach mit einem der Gastgeber und einem der Gäste. Beide waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Miro, einer der Gastgeber, war gerührt über die Geschenke und freut sich auf weitere Aktivitäten. Dr. Rae Fishman, Ärztin und traditionelle Jüdin aus Zichron Ya’akov erzählte, sie und ihre Familie sei beim Schulleiter von Faradis eingeladen gewesen und hätten gute, offene und auch humorvolle Gespräche geführt. Die gesamte Familie von Muhammad al-Amar, Kinder und Grosseltern, habe sich beteiligt. Viele der Besuche dauerten bis tief in die Nacht - Rae Fishman erzählte, sie und ihre Familie habe ihre Gastgeber erst gegen ein Uhr früh verlassen. Da sie kein nicht-koscheres Fleisch esse, sei das Abendessen ganz ihren Wünschen angepasst worden.
Diese gegenseitigen Familientreffen werden fortgesetzt. In Kürze werden die muslimischen Familien aus Faradis ihre Gäste in Zichron Ya’akov besuchen. Es sind noch weitere Aktivitäten geplant.
Diese begrüssenswerten Anstrengungen zur Verbesserung des Zusammenlebens zwischen Juden und Arabern in Israel sind, so wird gehofft, ein erster Schritt in Richtung Wiederherstellung vernünftiger zwischenmenschlicher Verhältnisse. Bis jetzt sind es leider noch immer die schon Überzeugten, die miteinander reden und eine Minderheit vor allem im jüdischen Israel darstellen. Doch der Anfang ist gemacht und viel Überzeugungsarbeit ist noch zu tun.





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