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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Generation X2

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

9. November 2000 in der Schweiz: Aber hallo? Was läuft denn hier ab. Rund sechs Wochen nach Ausbruch der jüngsten Nahostkrise publizierten 76 junge Jüdinnen und Juden vergangene Woche in der JR einen Offenen Brief - eigentlich mit guter Intention aber entlarvender Argumentation - an die jüdische Gemeinde und Organisationen in der Schweiz. Darin fordern «wir Vertreter der jüngeren Generation und erwarten», dass diese klare Position zu Israel beziehen. «Wo bleibt Ihre Solidarisierung mit Israel und und Ihr öffentliches Auftreten gegen den aufflammenden Antisemitismus?» (vgl. Thema Seiten 10/11). Ein ungehörig selbstgefälliges und arrogant anmutendes Auftreten. Abgesehen von der Tatsache, dass der Schweizerische Israelitische Gemeindebund, Gemeinden, die Anti-Defamation League gerade auch in Sachen Israel täglich substantielle Lobbyarbeit im Hintergrund verrichten, stellt sich die Frage, wo diese so beunruhigten jüngeren Gemüter in den letzten Wochen waren? Muss der Vormund SIG für euch eine Demonstration lancieren oder organisieren? Warum nehmt ihr nicht in den von Euch torpedierten Gremien Einsitz und helft eure Forderungen umzusetzen, wie viele von Euch - darunter der Präsident der Jugendorganisation des Keren Hajessod - hätten nicht längst die Möglichkeit gehabt, durch ihre bereits existierende Mitgliedschaft in den verschiedensten Organisationen das Heft selbst in die Hand zu nehmen? Was in aller Welt ist das für eine verwöhnte und fordernde Jugend? Macht etwas! Solidaritätsaktionen sind keine Bringschuld für junge jüdische Konsumenten in diesem Lande. Macht etwas! Nehmt euch ein Beispiel an denen, die für die russischen Juden einst auf die Strassen gingen, die weltweit für jüdische Juden Irans auf die Strasse gehen, die in den letzten Wochen in den USA für Israel demonstrierten. Die Initianten waren keine SIGs, Gemeinden etc. Die Initianten waren politisch engagierte und motivierte Menschen. Was muss geschehen, dass ihr euch bewegt, dass die so genannte junge jüdische Generation zwischen 18-40 Jahren endlich mal Gesicht zeigt, sich in dieser jüdischen Schweizer Gesellschaft endlich engagiert - notabene auch wenn Israel nicht bedroht ist. Was ist das für eine phlegmatische Konsummentalität?9. November 2000 in Deutschland: In der 50 000-Einwohner-Stadt Singen manifestieren 2500 Jugendliche mit einer Demo gegen Rassismus und Antisemitismus. Die Singener Schülervereinigung hat in eigener Initiative zur Veranstaltung geladen.Gleichentags bevölkern Hunderttausende von Deutschen landesweit die Stasssen im «Aufstand der Anständigen».
Liebe junge jüdische Generation der Schweiz: Wartet nicht auf die anderen, projektiert eure Eigenverantwortung nicht auf etablierte Organisationen, die viel tun und vielleicht sogar noch mehr tun könnten. Liebe junge Generation, nehmt euch ein Beispiel an der Generation eurer Eltern. Sie standen vor 20 Jahren und heute wieder in der Verantwortung. Bringt keine Ausreden, sondern tut endlich selber etwas und bietet Eure Hilfe den Kritisierten direkt an. Solidarität ist keine Bringschuld der anderen.





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