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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Gedanken unter Minderheiten

von Peter Schmid, October 9, 2008
Vor einem Jahr ist in Basel die CJP ins Leben gerufen worden. Letzte Woche fand im «Wildschen Haus» die 1. Jahrestagung statt. Gerade die Anwesenheit von Vertretern aus der Politik vermittelte eindringlich, wie sehr in Basel versucht wird, den christlich-jüdischen Dialog auch in den Alltag einfliessen zu lassen. Neben Ansprachen von Pfarrerin und CJP-Präsidentin Patricia Remy, den CJP-Vorstandsmitgliedern Ueli Vischer (Regierungsrat Basel Stadt) und Felix Liatowitsch (IGB-Präsident) und von Israels Botschafter Yitzchak Mayer, hielt der Regierungsrat und Vorsteher der Erziehungs- und Kulturdirektion des Kantons Basel-Landschaft, Peter Schmid, das Hauptreferat. Die JR druckt die beachtenswerte Rede von Schmid nachfolgend leicht gekürzt ab.
Christlich-jüdischer Dialog im Beisein der Politik: Ueli Vischer, Rabbiner Levinger und Peter Schmid an der 1. Jahrestagung der CJP im «Wildschen Haus». - Foto Sobol

Die bekannte deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» stellte ihr Dossier in der Ausgabe vom 5. Januar 2000 unter das Thema «Was heisst hier jüdisch?». In ihrem Beitrag erzählte die Münchner Buchhändlerin Rachel Salamander einen Witz: «Woran kann man als Partygast erkennen, dass die Gastgeber nicht Juden sind? Antwort an der Klezmer Musik!»

«Jude sein ist nicht abendfüllend»

Aus zwei Gründen bin ich glücklich über diese Anekdote. Sie ermöglicht mir einen lockeren Einstieg in mein Referat. Ausführungen über das christlich-jüdische Gespräch laufen stets Gefahr, zielstrebig und unvermeidbar in einer bedrückenden Schwere zu stranden. Allerdings besteht immer auch Grund zu bedrückender Schwere, ich werde sie heute ebenfalls nicht vermeiden können. Und der kurze Witz macht auf einen wichtigen Punkt für alle Gespräche über kulturelle und religiöse Grenzen hinaus aufmerksam - er nimmt die Festlegungen einer bestimmten Gruppe durch die andere auf das Korn. Solches widerfährt uns allen, ob wir Juden oder Nichtjuden sind. So wird es mir beispielsweise stets ungemütlich, wenn ich im nahen oder fernen Ausland auf ein merkwürdig mit Vorurteilen und Stereotypen behaftetes Schweizer Dasein festgelegt werde. Wenn allzu viel von Käse, Schokolade, Uhren und Taschenmessern die Rede ist, dann fühle ich mich irgendwie nicht wirklich angesprochen. Solche Erlebnisse sind zwar ärgerlich, die Folgen dieser einseitigen Festlegung bleiben in aller Regel unbedeutend. Gleiches lässt sich indessen von den Festlegungen vieler Christen gegenüber ihren jüdischen Mitmenschen in Vergangenheit und Gegenwart nicht sagen. Die Folgen antisemitischer Festlegungen und Vorurteile waren und sind verheerend. Der Antisemitismus kommt nicht einfach nur laut und dröhnend daher, er schleicht zuweilen auf leisen Pfoten. Davon wusste u.a. Ludwig Börne, der 1832 in einem seiner Essays schrieb: «Es ist wie ein Wunder! Tausend Male hab ich es erfahren, und doch bleibt es mir ewig neu. Die einen werfen mir vor, dass ich ein Jude sei; die anderen verzeihen mir es; der dritte lobt mich gar dafür; aber alle denken daran.» Und schon vor Ludwig Börne suchte Rahel Varnhagen, geborene Levin, als jüdische Frau nach dem «natürlichsten Dasein», dessen sich doch jede Bäuerin und jede Bettlerin erfreuen könne.
Nichtjüdische Menschen neigen dazu, Jüdinnen und Juden auf die jüdische Religion festzulegen. Nichtjuden meinen oftmals, Juden seien im Schnitt religiöser und frömmer als beispielsweise Christinnen und Christen. Die übrigen Teile der Lebenswelt jüdischer Menschen, ihre Geschichte, Kultur und Literatur in ihren Wechselbeziehungen mit der nichtjüdischen Umwelt, die Veränderungen von Lebensbedingungen, Normen, Erfahrungen und Einstellungen, die vielfältigen geistigen und politischen Strömungen unter den Juden, ihre Sozial- und Wirtschaftsgeschichte werden oftmals ausgeblendet. Gesucht ist deshalb, um die Worte von Rahel Varnhagen aufzunehmen, das «natürlichste Dasein», gesucht ist nach wie vor der unbefangene Umgang mit jüdischen Mitmenschen, eine Unbefangenheit, die auf Vereinnahmung wie auch auf Verdrängung verzichtet. In der Schweiz leben gegenwärtig rund 18 000 jüdische Menschen. Diese verhältnismässig geringe Zahl führt dazu, dass «jüdische Normalität» nicht oft erlebt werden kann. Den jüdischen Nachbarn der in «natürlichstem Dasein» mit uns zusammenlebt, gibt es rein statistisch gesehen eher selten. Schon deshalb ist es gar nicht so einfach, ein «normales» und alltägliches Verhältnis zu jüdischen Menschen zu finden.Christinnen und Christen, die sich am so genannt christlich-jüdischen Gespräch beteiligen, tun deshalb gut daran, immer auch so etwas wie eine selbstkritische Motivationsforschung zu betreiben. Gilt unser Interesse bewusst oder unbewusst «dem Besonderen», oder «dem Normalen». Der jüdische Regisseur Fritz Kortner wehrt sich gegen allzu innige christliche Aufdringlichkeit und Umarmung mit dem von mir bereits als Zwischentitel verwendeten Zitat: «Jude sein ist nicht abendfüllend.» Und Marcel Reich-Ranicki stellt dem ersten Kapitel seines neusten Buches über sein Leben die Frage voran: «Was sind Sie denn eigentlich?» Reich-Ranicki schildert eine Begegnung mit Günter Grass aus dem Jahre 1958. Grass richtete an den schon damals bekannten Literaturkritiker die Frage: «Was sind Sie denn nun eigentlich - ein Pole, ein Deutscher oder wie?» Reich-Ranicki schreibt: «Die Worte: \"oder wie\" deuteten wohl noch auf eine dritte Möglichkeit hin. Ich antwortete rasch: Ich bin ein halber Pole, ein halber Deutscher und ein ganzer Jude.» Grass war offensichtlich nicht nur überrascht, sondern geradezu begeistert über diese Antwort. Demgegenüber ärgerte sich Reich-Ranicki nachträglich. Er hatte sich einmal mehr zur Selbstdefinition drängen lassen und war später über seine Unaufrichtigkeit bekümmert: «Hier stimmte kein einziges Wort, nie war ich ein halber Pole, nie ein halber Deutscher - und ich hatte keinen Zweifel, dass ich es nie werden würde. Ich war auch nie in meinem Leben ein ganzer Jude, ich bin es auch heute nicht.»

Sie luden uns bei Ihrer Schuld zu Gast

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, sobald wir uns ernsthaft dem christlich-jüdischen Gespräch zuwenden, wirken die Schrecken der Shoa nach. In diesem Zusammenhang muss ich stets an das Gedicht von Erich Kästner denken: «Elegie mit Ei.» Dort heisst es: «Wir sind die kleinen Erben grosser Übeltäter, sie luden uns bei ihrer Schuld zu Gast.» Kästner dichtete diese Elegie zwar unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, sie eignet sich allerdings leider auch als Nachkriegstext nach der zweiten europaweiten Katastrophe.
In der Zeit vom 26. bis 28. Januar dieses Jahres fand in Stockholm das internationale Holocaust-Forum statt. Ich war Mitglied der Schweizer Delegation und reiste mit lebhaftem Interesse, aber auch mit gemischten Gefühlen, nach Stockholm. Aufgrund der Vorbereitungsunterlagen kam bei mir die Sorge auf, die ganze Veranstaltung sei zu stark «Holocaust zentriert» angeordnet. Ich stand unter dem Eindruck, die Shoa werde so dargestellt, als sei sie gewissermassen als einmalige Katastrophe voraussetzungslos «wie aus heiterem Himmel» entsetzliche Wirklichkeit geworden. Eine solche Haltung schien mir sehr problematisch für eine Konferenz, die sich mit Bildung, Erinnerung und Forschung befasst. Allerdings erwies sich meine Sorge in Stockholm selber als unbegründet. In besonderem Masse beeindruckten mich die Berichte von Überlebenden. Aus vielen Berichten wissen wir, wie ausserordentlich schwierig es für siewar, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges über ihre unmittelbaren Erfahrungen berichten zu können. Nunmehr werden die «Holocaust Überlebenden» alt und älter. Es entspricht einer allgemein gültigen Erfahrung, dass die meisten Menschen in ihren alten Tagen Erlebnisse ihrer frühen Jugend nochmals mit besonderer Deutlichkeit im Bewusstsein aufleben lassen. Und dieser natürliche Vorgang im Alter ist nun bei den direkt betroffenen überlebenden Juden und Jüdinnen durch grösste Not und Schrecken besetzt. Wer vermag nicht zu verstehen, dass bei ihnen das Bedürfnis wächst, jetzt noch einmal und mit lauter und deutlicher Stimme von ihrer Erinnerung erzählen zu wollen. Für sie wie für uns ist die öffentliche Aufmerksamkeit wichtig, denn in Bezug auf die Shoa stehen wir an der Grenze vom «kommunikativen Gedächtnis» zum «kulturellen Gedächtnis». Das kommunikative Gedächtnis beruht auf der Erinnerung leibhaftiger Menschen. Wenn indes die Generation derer ausstirbt, die von einer bestimmten Geschichte Zeugnis ablegen können, muss der Bestand ihrer Erinnerungen in eine andere Form überführt werden. Die Summe der Praktiken, Institutionen und Symbole, mit denen eine Gesellschaft diese Aufgabe bewerkstelligt, ist das «kulturelles Gedächtnis». Unsere Geschichts- und Schulbücher, Denkmäler, Strassennamen, unsere politischen Feiertage und politischen Rituale sind Ausdrucksformen des «kulturellen Gedächtnisses». Und deshalb ist in der Gegenwart mit Fug und Recht so viel von diesen Dingen die Rede.
Es ist unglaublich, dass der Schrecken und das nahezu grenzenlose Unrecht der Shoa keineswegs zur endgültigen Überwindung des Antisemitismus in Westeuropa führte. Auch vielen Schweizerinnen und Schweizern fällt es schwer, den eigenen Anteil an dieser Katastrophe zu erkennen. Die «Verarbeitung» der Shoa (soweit dies überhaupt möglich ist), schlägt gelegentlich eigentümliche Wege ein. Als Folge des erlittenen Unrechtes werden jüdische Menschen oftmals auf eine eigenartige Vorbildlichkeit festgelegt. Nach dem erlittenen Unrecht und Schrecken müssen sich nicht etwa die Täter, sondern die Opfer vorbildlich verhalten, sie werden mit strengsten Massstäben gemessen.
Der Filmemacher Stefan Schwietert erzählte mir eine interessante Begebenheit. 1996 drehte er seinen bekannten Film «A tickle in the heart», die Geschichte von drei jüdischen Klezmermusikern in den Vereinigten Staaten. Die drei jüdischen Musiker hatten unmittelbar mit der Shoa nichts zu tun. Als Schwietert seinen Film in Deutschland zeigte, wurde ihm zum Vorwurf gemacht, dass in seinem Film keinerlei Auseinandersetzung mit der Holocaust-Thematik stattfinden würde. Sind wir in unserer Befangenheit schon soweit fortgeschritten, dass sich jüdisches Leben nur noch in der «Opferrolle» darstellen lässt?

Christliche Suche nach dem Defizit

Am Anfang eines ernsthaften Gespräches steht für mich die Klärung der eigenen Position. Meine Gesprächspartnerinnen und -partner sollen wissen, mit wem sie sich da auf einen Dialog einlassen. Von meinem religiösen Selbstverständnis her bin ich «praktizierender Christ». Wäre ich an der Ausübung meines Glaubens gehindert, so würde mir zweifelsohne viel fehlen. Es ist mir ein Anliegen, stets so zu sprechen, dass ich Christ bleiben kann. Die klare Benennung meines religiösen Standortes bedeutet nun nicht, dass ich ständig mit einem religiösen Lasso unterwegs bin, um Ungläubige aufzuspüren und einzufangen. Ich bin mit unterschiedlichsten Menschen befreundet: entschlossene und unentschlossene, darunter auch nicht wenige, die in ihrem Leben auf jeglichen religiösen Glauben verzichten. (Nicht dass sie in ihrem Leben ohne jeglichen Glauben auskämen, die Verzichtsleistung bezieht sich auf den religiösen Bereich.) Es irritiert mich zwar, aber ich stelle immer wieder fest, ihnen fehlt nichts. Es geht ihnen gut, sie sind glücklich oder wenigstens nicht unglücklicher als ich. Mir fehlt etwas, ihnen fehlt nichts! Und dennoch wissen Menschen, die mich wirklich kennen, ziemlich genau, wo ich in religiösen Dingen stehe. Diese nüchterne innere Freiheit wünsche ich mir auch in der Begegnung zwischen Christen und Juden.
Für mich ist wegweisend, was der jüdische Religionsphilosoph Franz Rosenzweig in seinem Brief vom 1. November 1913 an seinen zum Christentum konvertierten Vetter Rudolf Ehrenberg schrieb. Er gesteht zu: «Es kommt niemand zum Vater denn durch ihn. Es kommt niemand zum Vater - anders aber, wenn einer nicht mehr zum Vater zu kommen braucht, weil er schon bei ihm ist. Und dies ist nun der Fall des Volkes Israel.» Er fügt in Klammern hinzu: «nicht des einzelnen Juden». Dieser Klammerzusatz ist bedeutungsvoll, mit ihm konnte Rosenzweig respektieren, dass Ehrenberg, der seiner religiösen Tradition entfremdet war, durch Jesus aus Nazareth den Weg zum Vater gefunden hat und konnte zugleich zum Ausdruck bringen, dass er selber mit seinem Volk beim Vater geblieben ist.
Im christlich-jüdischen Gespräch gibt es viele Bereiche, über die sich das gemeinsame Nachdenken lohnt, z.B. die Texte der Bergpredigt. Oder die messianische Hoffnung. Leo Baeck schrieb über die messianische Idee u.a.: «In jener heroischen Zeit der Geschichte, wo der König noch ganz anders als späterhin das Schicksal seines Volkes war, musste auch jede Zukunftshoffnung an eine bestimmte beherrschende Persönlichkeit anknüpfen! Das Ideal der Zukunft setzt sich ihnen um in die Erscheinung der idealen Persönlichkeit. Ein Mensch von Gottes Gnaden ist es, der es vollbringt, die entscheidenden Tage heraufzuführen und das Reich der Erfüllung zu gründen.» Ich denke, es müsste vor diesem Hintergrund auch für jüdische Mitmenschen verständlich sein, dass vor rund 2000 Jahren Angehörige ihrer Religion und Kultur in Jesus von Nazareth diesen Menschen von Gottes Gnaden sahen, auch wenn gleichzeitig viele andere diesen Glaubensweg nicht beschritten. Es bleibt die grösste Schwierigkeit im christlich-jüdischen Dialog, dass Jesus, genauer die Einschätzung seiner Bedeutung, sowohl das Verbindende wie auch das Trennende zwischen Juden und Christen darstellt. Wie immer wir das Trennende und oder Verbindende bewerten, eines sollten wir nie vergessen: Auf die Erfüllung der messianischen Hoffnung warten wir beide, die einen noch immer, die anderen wieder. Bei allen offensichtlichen und feinen Unterschieden zwischen Juden und Christen in Bezug auf die messianische Hoffnung gibt es eine Verständigungsmöglichkeit darüber, dass Juden und Christen in ihrer Glaubenshoffnung davon ausgehen, dass die gegenwärtige Wirklichkeit unserer Welt nicht die einzig mögliche ist und vor allem nicht die letzte. Auf der Agenda des christlich-jüdischen Dialoges müsste deshalb nicht nur das Trennende stehen, sondern auch die Frage, was hoffen wir eigentlich gemeinsam oder in unterschiedlicher Weise für die Wirklichkeit dieser Welt.

Gespräche unter Minderheiten!

Der gute Besuch unserer heutigen Veranstaltung freut mich. Wir sollten uns jedoch nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass weniger die Zahl der Besucherinnen und Besucher als vielmehr die Kleinheit des Veranstaltungsraumes die Illusion eines weitverbreiteten Interesses am christlich-jüdischen Gespräch vortäuscht. Von einer breiten Bewegung kann auf christlicher, aber soweit ich dies zu erkennen vermag, auch auf jüdischer Seite nicht gesprochen werden. Sorge bereitet mir auch die Beobachtung, dass der christlich-jüdische Dialog allzu stark auf akademischer Ebene geführt wird. Oftmals ist die jüngere Generation ausschliesslich durch Theologinnen und Theologen, Historikerinnen und Historiker vertreten. Selbstverständlich beklage ich nicht ihre Anwesenheit, sondern das Fehlen der anderen. Der christlich-jüdische Dialog findet in weiten Teilen der christlichen Landeskirchen kaum statt. Erfreulicherweise gibt es Ausnahmen und neue Anstrengungen, so beispielsweise die «Christlich-Jüdischen Projekte», die uns heute hier zusammenführen. Dabei ist allerdings ein Wendepunkt nicht zu übersehen. Jene Generation, die den Zweiten Weltkrieg aktiv erlebte, nimmt ab. Jüngeren Menschen, die geraume Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg das Licht der Welt erblickten, fehlt oftmals das Verständnis für das äusserst komplexe Opfer-/Täterverhältnis zwischen Juden und Christen. Aus guten und verständlichen Gründen möchten jüngere Menschen den christlich-jüdischen Dialog stärker gegenwartsbezogen führen. Gleichzeitig nehmen die Kenntnisse der jüdischen und der christlichen Religion in unserer Gesellschaft ab. Unglaublich aber wahr ist, dass damit nicht der Antisemitismus verschwindet; im Gegenteil, in einer stark säkularisierten Gesellschaft scheint sich der Antisemitismus zu verselbständigen. Die Ursachen des Antisemitismus sind daher unklarer denn je. Wobei wir schon lange wissen, dass es für den Antisemitismus gar keine jüdischen Menschen braucht, dass er auch dort möglich ist, wo gar keine Jüdinnen und Juden leben. Es geht bei den jüdisch-christlichen Gesprächen nicht einfach um Harmonie um jeden Preis, sondern ebenso um den toleranten Umgang mit dem Unterschied. Das fundierte Gespräch über Gemeinsamkeiten und über Trennendes erfordert von den Teilnehmern einen eigenen Standort. Wo fundamentalistisch argumentiert wird, fehlt jedes wirkliche Interesse an einem Dialog. Wo der Inhalt religiösen Glaubens im umfassenden Sinne des Wortes «gleichgültig» ist, wird das Gespräch uninteressant und überflüssig. Gesucht ist deshalb der unbefangene Umgang mit jüdischen Mitmen





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