Für einen Frieden, aber nicht um jeden Preis
Die von gewissen israelischen Kreisen befürwortete physische Trennung von den Palästinensern hat auch auf der anderen Seite der «grünen Linie» ihre Anhänger. 48% der Palästinenser befürworten, wie die Umfrage eines palästinensischen Meinungsforschungs-Instituts in Bet Sachur bei Bethlehem ergab, die Errichtung eines unabhängigen Staates bei gleichzeitiger völliger Abnabelung von Israel. 39% der Befragten dagegen sprachen sich ebenfalls für die Gründung eines eigenen Staates aus, wollen dabei aber die wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zu Israel aufrecht erhalten. Hinsichtlich des Friedenswillens der Palästinenser enthüllt die von der Zeitung «Yediot Achronot» am Mittwoch publizierte Umfrage aufschlussreiche Unterschiede in den Ansichten. 66% der Befragten glauben, ein Friede zwischen den zwei Völkern liege dann im Bereiche des Möglichen, wenn die Führer auf beiden Seiten zu einer Beendigung der Hetze aufrufen und Begriffe wie «Jihad» (heiliger Krieg) aus dem Wörterbuch verbannen. Fast die Hälfte der Palästinenser sind der Ansicht, Israel würde seine Jugend zum Hass gegen die Araber erziehen. Interessanterweise vertreten 52% der Interviewten die Meinung, dass auch auf der palästinensischen Seite Hass gepredigt wird.
Nicht um jeden Preis
Die Palästinenser sind nicht zu einem Frieden um jeden Preis bereit. So meinen 71%, man dürfe auch dann nicht auf das Recht auf Rückkehr verzichten, wenn dies bedeuten würde, dass es nie zu einem Friedensschluss mit den Israelis kommt. Nur gerade 15% der Befragten erklären sich bereit, im Austausch gegen einen eigenen Staat und einen Frieden mit Israel auf das Recht auf Rückkehr der Flüchtlinge bzw. eine Entschädigung für den Verlust ihrer Ländereien zu verzichten.
Stolperstein Siedlungen
Wie schwierig die Aushandlung eines Friedensabkommens auf jeden Fall sein wird, belegen auch die Antworten auf Fragen hinsichtlich der Zukunft der jüdischen Siedlungen in den Gebieten. 74% der Palästinenser widersetzen sich laut der Umfrage nämlich auch dann gegen die Beibehaltung israelischer Siedlungsblöcke, wenn im Austausch arabische Quartiere von Jerusalem palästinensischer Kontrolle unterstellt werden. Nur knapp 15% können sich mit einer solchen Regelung einverstanden erklären. Schliesslich beweisen die Palästinenser auch ein recht mangelhaftes historisches Wissen, glauben doch nur 36% der Befragten daran, dass 1948 bei der Gründung des Staates Israel rund 800 000 Juden aus arabischen Ländern Aufnahme in Israel gefunden haben. 34% glauben nicht an diese Version, und der Rest wollte sich zu dieser Frage nicht äussern.


