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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Fremde unter uns

von Rachel Manetsch, October 9, 2008
Obwohl sie zu unserem Alltag gehören, leben wir doch eher nebeneinander. Gemeint sind die Flüchtlinge und Asylsuchenden in der Schweiz. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) hat sich die Aufklärung der Bevölkerung und die Integration der Flüchtlinge zur Aufgabe gemacht. Am 17. Juni 2000 findet zu diesem Thema der «nationale Flüchtlingstag» mit vielen Veranstaltungen verteilt über die Schweiz statt.
Lernen, Verständnis für das andere zu entwickeln: Junge Asylanten in einem Schweizer Auffanglager. - Foto Keystone

Das Motto des diesjährigen «nationalen Flüchtlingstages» bleibt wie in den vergangenen Jahren unverändert: es geht um die Menschenwürde. Den Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltungen setzen die Organisatoren auf junge Asylsuchende und Flüchtlinge. Menschen, die in einer schwierigen und komplizierten Lebensphase - der Pubertät - Verfolgung, Angst und Krieg erfahren müssen. Als Minderjährige gehören sie zu den verletzlichsten Menschengruppen, haben deshalb ein starkes Bedürfnis nach Wärme, Schutz und Einfühlungsvermögen.
«Man sollte sich aber nicht nur um die \"fremden\" Jugendlichen kümmern, sondern auch die \"eigenen\" einbeziehen, ihnen verständlich machen, weshalb Flüchtlinge in die Schweiz kommen, was sie zum Bleiben zwingt und bewegt. Nur so ist man bereit, Flüchtlinge im Alltag zu akzeptieren und ihnen das Einleben zu erleichtern», meint Heinz Haab, Projektleiter des Flüchtlingstages. Für die Jugend wird am «nationalen Flüchtlingstag» ein besonderes Programm auf die Beine gestellt. «Action Asyl» heisst der Parcours, welcher in Luzern, Zürich, Lausanne und Lugano gestartet wird. Zielort ist Bern, wo die Jugendlichen mit einem grossen Fest, organisiert von Jugendverbänden und Flüchtlingshilfe, empfangen und willkommen geheissen werden.
Für alle Sportbegeisterten finden an verschiedenen Orten Fussballturniere (organisiert vom Schweizerischen Flüchtlingshilfswerk) statt, die alle dasselbe Ziel verfolgen: Kontakte zu knüpfen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Ausserdem betreut das HEKS ein bereits mehrjähriges Projekt. Es heisst «Willkommen bei uns!» und versucht die langfristige Integration von Ausländern und Asylsuchenden zu gewährleisten. Dieses Projekt wird auch an der Expo 02. vertreten sein.
Neben den bereits erwähnten nationalen Aktivitäten finden auch regionale Anlässe statt. So kann man zum Beispiel in Zürich am Hechtplatz zwischen 10 und 18 Uhr Gerichte aus verschiedenen Nationen kosten, die von Flüchtlings- und Migrantengruppen zubereitet werden. Etwas ganz Aussergewöhnliches stellt der Migrantenstadtbummel dar. Gemeinsam mit ZÜRICH TOURISMUS bietet das HEKS zwei tief- und hintergründige Stadtrundgänge an.
Neben all dem wird der Flüchtlingstag auch in diesem Jahr wieder im traditionellen Sinn durchgeführt: Marktstände, kulturelle Angebote, Benefiz-Konzerte, Begegnungsstände, Polit-Apéros und vieles mehr werden ebenso wie die oben erwähnten Aktivitäten stattfinden. Denn im Grunde geht es darum, sich kennenzulernen, andere Kulturen zu verstehen und vor allem einander zu akzeptieren und tolerieren, damit das Leben nicht ein Nebeneinander sondern ein Miteinander wird.





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