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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Es regnet durchs Dach

von Gisela Blau, October 9, 2008
Eine neue Auseinandersetzung um den Umbau bzw. die Renovation des ICZ-Gemeindehauses steht an der Budget-Gemeindeversammlung vom 29. November bevor. Der Vorstand legt der Gemeinde das Ersuchen um einen Kredit für die dringendsten Renovationsarbeiten vor. Die Kerngruppe Offener Brief (KGOB), die gegen das ursprünglich umfassendere Umbauprojekt opponiert und die Gemeinde vor einem halben Jahr von einer Ablehnung und Neuprojektierung überzeugt hatte, findet das Kreditbegehren von zwei Millionen Franken zu hoch. Wie auch die GV ausgeht: Es herrscht nicht nur sinnbildlich Feuer im Dach. Im ICZ-Gemeindehaus regnet bzw. schneit es ganz real durch dasselbe. Die JR holte Stellungnahmen des ICZ-Vorstands und der KGOB, die am Dienstagabend tagte, ein.
Das Dach rinnt, die Fenster haben Ritzen: Renovation nötig, aber wie? - Foto VB

Die Kerngruppe Offener Brief (KGOB) reagierte nach ihrer Sitzung mit einem Communiqué. «An der ICZ-GV im Mai 1999 hat eine deutliche Mehrheit den Vorstand beauftragt, bis im November das Gemeindehaus-Renovationsprojekt mit Alternativen bezüglich Saal, Empfangs-Desk und Fremd-Vermietung nochmals einer GV zu präsentieren. Am kommenden Montag liegt den ICZ-Mitgliedern nun anlässlich der Budget-GV stattdessen ein 2-Millionen-Kredit-Antrag vor. Mit diesem Geld sollen die aus Vorstandssicht nicht verschiebbaren Renovationsarbeiten (Flachdach-Sanierung, Lüftung, Fenster und Wand-/Bodenbeläge in ehemaligen NOAM-Schulzimmern) finanziert werden. Wir möchten den Umfang und die Kosten der jetzt zu bewilligenden Arbeiten auf das wirklich notwendige Minimum begrenzen, um zu verhindern, dass wegen der Ausführung dieser Arbeiten innert absehbarer Zeit aus finanziellen und politischen Gründen keine Renovation unter Einbezug von Saal, Clubräumen etc. realisiert werden kann. Der beantragte Kreditbetrag von zwei Millionen Franken ist unseres Erachtens zu hoch. Unsere Abklärungen haben ergeben, dass die Flachdachsanierung (grösste Position) ca. 50% günstiger realisiert werden kann. Es liegt eine entsprechende Offerte vor. Im Laufe der letzten Wochen haben wir dem ICZ-Generalsekretär und dem Umbau-Projektleiter unsere Bedenken angemeldet. Trotzdem beabsichtigt der Vorstand, der ICZ-GV den 2-Millionen-Kreditantrag in unveränderter Form zur Abstimmung zu bringen. Seitens der KGOB wird ein entsprechend tieferer Antrag eingebracht.» Werner Rom, Präsident der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), äusserte sich gegenüber der JR so: «Der Vorstand erhielt an der Gemeindeversammlung vom 18. Mai 1999 den Auftrag, ein neues Umbauprojekt bis spätestens Ende November zu erstellen, inklusive Grosser Saal. Schon damals haben wir der Gemeinde mitgeteilt, dass das erstens zeitlich und zweitens finanziell nicht möglich sei, da kein Projektierungskredit mehr vorhanden ist. Aus diesem Grund wurden die Kostenschätzungen vom 18. Mai in der Weisung wiederholt. Der Vorstand ist sich bewusst, dass diese Vorlage nicht unbedingt optimal ist. «Wir können aber versichern, dass diese Kosten seriös ermittelt worden sind. Im Weiteren hat der Vorstand stets betont, es sei für ihn selbstverständlich, dass nach Erhalt des Renovationskredites, der als Maximalkredit zu betrachten ist, sofort Offerten auf der Suche nach dem günstigsten Preis-Leistungs-Verhältnis eingeholt werden. Das ist das schnellste Verfahren, das einzuleiten war, und es entspricht auch dem Postulat der Kerngruppe Offener Brief in ihrem Bericht an Vorstand und Gemeindemitglieder vom 11. August 1999 zuunterst auf der ersten Seite: \"Die notwendigen Sanierungen, für die bereits Geld zurückgestellt wurde, sind - nach Massgabe ihrer tatsächlichen Dringlichkeit - schnell durchzuführen.\" Es trifft zu, dass wir bisher keine Offerten eingeholt haben. Offerten und Kostenvoranschläge kosten Geld, das wir ohne die Zustimmung der Gemeinde zu den dringend nötigen Instandsetzungsarbeiten nicht ausgeben durften. Hingegen hatten wir seinerzeit Kostenschätzungen von einem Generalunternehmer erstellen lassen. Sie wurden von einer zweiten Firma nachgerechnet, und beide kamen zum gleichen Resultat. Wir sind daher sicher, dass wir uns sehr nahe an der Kostenwahrheit befinden und genügend Reserven im verlangten 2-Millionen-Kredit vorhanden sind. Wir hätten durchaus auch eine andere Variante beschliessen können, nämlich Offerten noch vor der Gemeindeversammlung vom 29. November einzuholen; das ist vom Vorstand auch erwogen worden. Sie wäre aber ohne einen erneuten Projektierungskredit nicht möglich gewesen. Der Vorstand beurteilte ein solches Vorgehen deshalb als einen nicht sinnvollen Umweg, der nur Zeit und Geld gekostet hätte. Wir gehen davon aus, dass gemäss den Notwendigkeiten, beispielsweise angesichts des defekten Daches, die Gemeinde zur gleichen Einsicht gelangt wie der Vorstand und dem Kredit zustimmt. Sollte die Gemeinde den Einwänden der KGOB folgen und den Kredit ablehnen, sieht sich der Vorstand vor einer ganz neuen Situation.»


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