Erinnern Sie sich?
Erinnern Sie sich an die Intifada der 80er Jahre? Palästinenser in der Westbank und im Gazastreifen bewarfen israelische Soldaten mit Steinen, Molotow-Cocktails und anderen Gegenständen. Die IDF-Truppen antworteten mit Tränengas, Gummikugeln und scharfer Munition; nicht selten gelangte auch der Schlagstock zum Einsatz. Je länger der Aufstand dauerte, umso dreister wurden die Palästinenser. Israelische Zivilisten starben im Kugelhagel von Terroristen oder durch von diesen gezündeten Sprengsätzen. Soldaten wurden entführt und ermordet.
Die Ereignisse der letzten Zeit lassen die Bilder der Intifada auferstehen. Wiederum fliegen Steine und Brandbomben durch die Luft, werden israelische Flaggen verbrannt und wird der Ruf nach noch mehr Gewalt laut. Im Gegensatz zur Intifada von damals richten heute aber uniformierte, fast durchwegs von Israel aufgerüstete palästinensische Polizisten ihre Waffen auf die jüdischen Soldaten. Äusserlich hat sich noch viel mehr verändert. Praktisch der ganze Gazastreifen und alle wichtigen Städte der Westbank unterstehen heute der vollen oder teilweisen Kontrolle der Palästineser. Und während Arafat die Atmosphäre im Felde bewusst und gezielt anheizt, schickt er seine Leute nach Eilat oder Stockholm, wo sie mit den Israelis über die endgültige Regelung verhandeln. Treffen zwischen Arafat und Barak oder anderen israelischen Ministern sind längst zur Routine geworden und verursachen nur dann noch Schlagzeilen, wenn sie im Unfrieden enden.
Dies geschieht in letzter Zeit nun so oft, dass man sich allen Ernstes fragen muss, inwieweit die Verantwortlichen hüben und drüben an einer dauerhaften Lösung überhaupt interessiert sind. Wenn Barak sich seiner Koalition so unsicher ist, dass er sich nicht getraut, grünes Licht für die Verwirklichung der territorialen Zugeständnisse zu geben, dann soll er Neuwahlen verkünden. Und wenn Arafat an einer einigermassen friedlichen Koexistenz etwas gelegen ist, dann muss er sich endlich von seinen Hamas-Fundis trennen, muss die Terroristen und ihre Drahtzieher nicht nur für wenige Tage ins Gefängnis werfen, sondern auch rechtskräftig verurteilen.
In Anlehnung an Yitzchak Rabin spricht der PLO-Chef immer wieder vom «Frieden der Mutigen». Wer Mut hat, beschränkt sich aber nicht auf Deklamationen, sondern schreitet zur Tat. Ohne solche Taten droht der israelisch-palästinensische Dialog rasch und endgültig in einem Sumpf zu versinken, neben dem die Intifada der 80er Jahre sich wie das «Räuber und Polizei»-Spiel aus dem Kindergarten ausnehmen wird.


