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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Eine starke Frau

von Regula Rosenthal, October 9, 2008
Mit «Anna Bolena» von Gaetano Donizetti konnte man letzten Sonntag im Zürcher Opernhaus Belcanto vom Feinsten geniessen. Die weltbekannten Opernstars Edita Gruberova und Vesselina Kasarova waren in den weiblichen Hauptpartien zu hören. Sie überzeugten als grossartiges Duo.

Es ist beiden gut gelungen, das Publikum emotional zu fesseln. Die beiden Stars sind schon öfters gemeinsam aufgetreten. Sie sind inzwischen Freundinnen geworden und fühlen sich nicht zuletzt durch ihre slawische Heimat verbunden. Laszlo Polgar, (die JR hat schon über ihn berichtet) einer der besten Bässe überhaupt, gab sein Rollendebut. Er meisterte diese anspruchsvolle Rolle grossartig und gekonnt. Sein schauspielerisches Talent hat auffallend überzeugt. Polgar selbst war mit dem Resultat der Aufführung sehr glücklich und zufrieden, wie er es gegenüber der JR nach der Premiere ausdrückte. In weiteren Rollen sangen Oliver Widmer, Reinaldo Macias, Irène Friedli und Miroslav Christoff.Die Oper wurde am 26. Dezember 1830 im Teatro Carcano in Mailand uraufgeführt. Es handelt von der Tragödie der wohl meist genannten unter den sechs Gattinnen des prunkliebenden, frauenmordenden Königs Heinrich VIII. von England (1491–1547). Das Schicksal der sechs Frauen Heinrichs VIII. ist allgemein bekannt: Zwei wurden geschieden, zwei liess der König unter fadenscheinigen Gründen hinrichten, eine starb im Kindbett und die letzte überlebte den König. Anne Boleyn, seine zweite Frau, wurde schon zu Lebzeiten mit zahlreichen Legenden bedacht, die von Entstellungen bis zu besonders reizvoller Schönheit reichten. Am Hof selbst war sie als scharfsinnige, selbstbewusste und einflussreiche Frau gleichermassen geachtet wie gefürchtet. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Annes Charakter mal als schamlose Mätresse des Königs, mal als Märtyrerin beschrieben. Heinrich liess sie hinrichten, als er sie einer anderen – ihrer eigenen Gesellschafterin Joan Seymour wegen – verlassen wollte. Anne Boleyn ist bis heute die meist beachtete Gattin des Königs geblieben. Zum einen war sie die Mutter von Elisabeth I., die England ab 1558 zu politischer und kultureller Blüte geführt hat. Zum anderen hatte Heinrich ihretwegen politisch wegweisende Entscheidungen getroffen. Für die prunkvoll ausgestattete Regie war der bekannte Regisseur Gian-Carlo del Monaco verantwortlich. Die musikalische Leitung hatte Paolo Carignani. Die Premiere wurde vom Publikum begeistert gefeiert, die zum Schluss insbesondere für Gruberova und Kasarova in Standing Ovations überging.





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