Eine Idee von Elie Wiesel
Seit Jahren hat Nobelpreisträger Elie Wiesel nach Möglichkeiten gesucht, Geschichten und Memoiren von Holocaust-Überlebenden zu sammeln. Dank einer Spende in Höhe von einer Million Dollar des Random House konnte das vom Jüdischen Weltkongress lancierte Projekt «Holocaust Survivors’ Memoirs», dessen Ehrenpräsident Wiesel ist, seine Arbeit nun aufnehmen. Zahlreiche der Überlebenden, von denen viele heute schon 60 Jahre und älter sind, werden, so Wiesel, motiviert sein, ihre Geschichte niederzuschreiben. «Die Berichte von Überlebenden», sagte Wiesel kürzlich der «New York Times», «sind einzigartig, und was sie zu erzählen haben, kann kein anderer erzählen. Die Menschen wollen wissen, was sie durchgemacht haben.»
Das Projekt will, wie Menachem Rosensaft, der Direktor und Chefredaktor des Unternehmens ausführt, die Erinnerungen der Überlebenden bewahren. Darüber hinaus sollen die Memoiren Wissenschaftern, Studenten und der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit jene, welche sich mit der Periode befassen, etwas über die Erfahrungen der Überlebenden kennen lernen. Die meisten der bisher eingegangenen rund 200 Erinnerungen stammen aus Nordamerika, doch gibt es auch Beiträge aus Lateinamerika, Israel und England. Die meisten Memoiren sind in englischer Sprache, einige wenige auf Jiddisch. Eine Erinnerung an das Leben in Buchenwald ist auf hebräisch geschrieben. Einige der Memoiren enthalten auch Berichte über die Erfahrungen in den so genannten Lagern für «Displaced Persons» (DP) nach dem Krieg, und über den Neuanfang in den USA, Grossbritannien und anderswo. «Die Verfasser», sagt Rosensaft, der selber 1948 im DP-Lager in Bergen-Belsen zur Welt kam, «beenden ihre Erinnerungen nicht 1945.» Rosensaft ist der Autor des Buchs «Life Reborn: Jewish Dispalced Persons, 1945-1951».
Das Memoiren-Projekt ergänzt, so Rosensaft, das riesige Geschichts-Projekt von Steven Spielbergs Sammlung mündlicher Interviews, die er mit zehntausenden von Überlebenden hat führen lassen. «Wir liefern das geschriebene Wort», erklärt Rosensaft. «Überlebende haben sich hingesetzt und, oft während Jahren, geschrieben, durchgestrichen und ergänzt. Sie haben auf dem Papier nicht selten das zum Ausdruck gebracht, was sie in Worten nicht formulieren konnten.» Rosensaft hofft, die erste Sammlung von Memoiren in den nächsten 12-15 Monaten zu veröffentlichen, weiss aber noch nicht genau, wie sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Das erste Recht zur Publikation der Manuskripte kommt dem Random House zu, das das Projekt finanziert. Ein akademischer Verlag wird vielleicht ein paar der Texte veröffentlichen, das amerikanische Holocaust-Museum und der Jüdische Weltkongress einige Weitere. Auch die Online-Publikation einiger der Manuskripte ist nicht ausgeschlossen. Das Ziel des Projektes ist laut Rosensaft klar: Die Perspektive der Überlenbenden soll in den Mittelpunkt gesetzt werden. «Das Projekt stellt sicher, dass ihre Worte und Memoiren Bestandteil der dauerhaften Erinnerungen an den Holocaust bleiben werden.»
Memoiren können geschickt werden an: The Holocaust Survivors’ Memoirs Project, World Jewish Congress, 501 Madison Ave., New York, N.Y. 10022.
JTA


