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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Ein vergessener jüdischer Avantgardist

von Walter Labhart, October 9, 2008
Die für ihre systematische Förderung abstrakt-konkreter Künstler international bekannte Galerie Schlégl in Zürich schuf bereits mehrmals den Zugang zu hier zu Lande nie zuvor gezeigten Werken aus dem engsten Umkreis von Kasimir Malewitsch, dem Begründer des Suprematismus in Russland. Nachdem sie vor ein paar Jahren eine vielbeachtete Erstpräsentation der jüdischen Malewitsch-Schülerin Nina Kogan widmete, macht die entdeckungsfreudige Galerie jetzt mit einem selbst in Fachkreisen nie zu einem Begriff gewordenen Assistenten von Malewitsch bekannt, mit dem Maler und späteren Architekten Jefim Moissejewitsch Rojak (1906-1987).
Lange vergessen: Die Galerie Schlégl stellt Werke von Jefim Moissejewitsch Rojak aus. - Foto PD

Der am selben Ort wie Marc Chagall, in Witebsk, 1906 zur Welt gekommene Rojak arbeitet von 1920 an mit Malewitsch zusammen, der einen grossen Einfluss auf sein ungegenständliches Schaffen ausübte. Als eines ihrer jüngsten Mitglieder nahm der Fünfzehnjährige an einer Ausstellung der revolutionären Gruppe «Unowis» (Bejaher der neuen Kunst) in Witebsk teil, der damals auch Lazar Khidekel, El Lissitzky, Lew Judin und Nikolaj Suetin angehörten. Nach kurzer wissenschaftlicher Mitarbeit am «INChUK» (Institut für künstlerische Kultur) übersiedelte Rojak aus gesundheitlichen Gründen nach Moskau, wo er von 1934 an im Architekturbüro der Gebrüder Wesnin arbeitete und sein künstlerisches Schaffen in den Hintergrund stellte. Als er 1987 in Moskau starb, geriet er trotz seines über 500 Gemälde, Collagen und Zeichnungen umfassenden Schaffens und einer Gedenkausstellung in der renommierten Tretjakow-Gemäldegalerie in Vergessenheit.
Mit ausgewählten kleinformatigen Arbeiten auf Papier erinnert nun die Galerie Schlégl an den Zeichner Rojak. Die aus den frühen Zwanzigerjahren stammenden Bleistiftzeichnungen, die durch eine farbige Komposition mit deutlicher Orientierung am französischen Kubismus aufschlussreich ergänzt werden, widerspiegeln zum einen die Nähe zu Malewitsch, zeigen aber zum anderen die tiefe Beziehung zu einer sehr gelockerten, spätkubistischen Formenwelt voll spielerischer Phantasie und zeichnerischer Poesie. Vereinzelte Buchstaben, wie sie vor allem Iwan Puni als neuartige Gestaltungsmittel propagiert hatte, die kunstvolle Imitation von Holzstrukturen und Andeutungen an Streichinstrumente bilden subtil zu Papier gebrachte Reminiszenzen an das klassische Vokabular der ersten Kubisten in Paris. Aus der Akzentuierung durch differenzierte Hell-Dunkel-Werte und aus der geheimen Rhythmen gehorchenden Flächenproportionierung spricht viel Musikalität. Ihr begegnet man auch in den farbigen Kompositionen des Suprematisten Nikolaj Suetin, den die Galerie Schlégl ebenfalls bis zum 13. November vorstellt.

Jefim M. Rojak - Der Unbekannte neben Malewitsch
Galerie Schlégl, Minervastr. 119, Zürich.
Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-13 Uhr und 14-16 Uhr.


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