Ein geistiges Feuerwerk
Sigi Pugatsch, Präsident des Minjan Wollishofen, ein von Berufes wegen rhetorisch beschlagener Mensch - er ist Anwalt - , fehlten schlicht die Worte, als er am Ende des vergangenen Schabbats Beni Gesundheit für die beiden Vorträge dankte. Das geistige Feuerwerk, das Gesundheit insbesondere am Samstagabend denn auch zündete, war schlicht phänomenal und konnte einem wirklich die Sprache verschlagen.Judentum verständlich gemacht
Wie und vor allem wann gelingt es einem Menschen, der sich um Patienten, auch um seine Familie zu kümmern hat, sich ein solches Wissen anzueignen, das jedem Ordinarius einer theologischen Fakultät, jedem Rabbiner gut anstehen würde? Woher hat ein Mensch, der in seinem Curriculum Schulen und Prüfungen keineswegs auf die leichte Schulter nehmen konnte, die Kraft und Motivation, sich derart tiefschürfend mit jüdischen Inhalten auseinanderzusetzen? Nun, entscheidend ist nicht die Antwort, sondern die Existenz des Phänomens Beni Gesundheit, das auf einmalige Art und Weise Verständnis und Zusammenhänge für halachische, ethische und historische Aspekte der jüdischen Gedankenwelt zu vermitteln versteht. Während das erste Referat vom letzten Schabbat über medizinische Ethik («A duty to Heal: A Jewish Perspective according to Rav Kook») noch mit dem persönlichen Profil von Beni Gesundheit in Verbindung gebracht werden kann, der in Israel u.a. während fünf Jahren in einer sogenannten Jeschiwat Hesder in Kfar Etzion Talmud studiert und in Zahal gedient hat, überrascht der Referent zwischen Mincha und Maariv alleine schon mit der Thematik: Es geht um die HaggadaLePessach und die Bergpredigt. Das Faszinierende an Gesundheit, der frei sprechend nur dann etwas Gedrucktes braucht, wenn er aus dem Talmud zitiert, war die Vielfalt der zitierten Quellen - inklusive jener aus dem Neuen Testament - und vor allem deren überzeugende, stringente Verknüpfung miteinander. Die Thematik hätte mit bevorstehenden Pessach-Fest und der historischen Papst-Visite im Heiligen Land aktueller nicht sein können.
Gesundheit hat allerdings keinen Aufhänger nötig, um seine Zuhörerschaft in den Bann zu ziehen. Seine Vorträge, gut verständlich, zwischendurch stets mit einer Prise spontanen Humors gespickt, goutiert ein Publikum jedwelcher Observanz, seien es nun streng orthodoxe Religionslehrer oder Jugendliche, die ihn auf seinen legendär gewordenen Reisen nach Polen und Spanien auf der Spurensuche jüdischen Lebens begleiten. Die Spannung, die er mit der gewählten Thematik erzielt, löst er in didaktisch gekonnter Manier erst ganz am Schluss auf, so dass ihm während des gesamten Vortrages die Leute an den Lippen hängen; die neuerdings elliptischen Sätze auf Englisch lockern auf und erleichtern die Aufmerksamkeit zusätzlich.
Spirituelles Autogramm
Das Interesse an Gesundheits Ausführungen zeigt sich auch nach dem Schlusssatz: Viele wollen von ihm noch persönlich, quasi als spirituelles Autogramm, zusätzliche Antworten. Diese erteilt er lieber wie ein Interview, denn es gehe ihm, wie er der JR glaubwürdig darlegt, wirklich nicht um seine Person, sondern einzig um die Sache. Und so ist es tröstlich und erfreulich zu wissen, dass er Ende Mai erneut in die Schweiz kommt und dabei die feste Absicht hat, einen weiteren Beitrag zum Verständnis der jüdischen Religion beizusteuern.
(RDW)


