Ehud Barak gibt geheime Landkarte in Auftrag
Mit der Hilfe von Luftaufnahmen, Vermessungen im Felde und Augenzeugenberichten hat der Geheimdienst-Zweig des israelischen Generalstabs unlängst eine höchst vertrauliche Landkarte über den Verlauf der israelisch-syrischen Grenze angefertigt, wie sie sich am 4. Juni 1967 präsentiert hatte. Nur wenige Personen haben die endgültige Version der Karte bisher gesehen. Weil Israel sich bis jetzt geweigert hat, die Linien des 4. Juni als offizielle Grenze anzuerkennen, gab es bisher keine detaillierten Landkarten mit dieser Linie. Die existierenden Karten zeigen israelische Militärstellungen entlang der Nordgrenze sowie Zonen, die aufgrund des syrisch-israelischen Waffenstillstandsabkommens vom Juli 1949 entmilitarisiert worden sind. Die Linien vom 4. Juni 1967 wurden bis jetzt aber nie präzise dargestellt.
Syrien seinerseits hat ebenfalls Landkarten mit der Linie angefertigt, die seiner Meinung nach die Linie vom 4. Juni 1967 ist. Im Gegensatz zur israelischen Armee aber, die genaue Vermessungsarbeit im Felde leisten konnte, musste Damaskus sich auf alte Luftaufnahmen abstützen. Es ist anzunehmen, dass zwischen den israelischen und den syrischen Landkarten Divergenzen bestehen. Bis jetzt hatte die israelische Armee gezögert, Karten des 4. Juni herzustellen, da vermutet wurde, dass Israel einem Rückzug auf diese Linien nie zustimmen würde. In seiner Funktion als Verteidigungsminister erteilte nun aber Ehud Barak den Befehl, die Karte anzufertigen. Verschiedene IDF-Offiziere fragen sich nun, ob in dieser kartografischen Übung eine politische Botschaft zu sehen ist. Ist es denkbar, überlegen diese Offiziere sich, dass Israel letzten Endes den territorialen Forderungen Syriens stattgeben wird?
Sorgen dieser Natur erhielten neue Nahrung, als der amerikanische Vertragsentwurf an die Öffentlichkeit gelangte und es sich herausstellte, dass Israel die syrische Forderung nach einem Rückzug auf die Linie des 4. Juni 1967 nicht unmissverständlich zurückgewiesen hat. Das von der Presse verbreitete Dokument besagt zwar nicht, dass Israel einem solchen Rückzug explizit zugestimmt hat, doch lässt es auch keine klare Opposition gegen dieses syrische Verlangen erkennen. Die Landkarte ist im Wesentlichen aufgrund von Luftfotografien, die im Verlaufe vieler Jahre aufgenommen worden sind, entstanden. Eine zentrale Rolle spielen dabei Bilder, die aus der Zeit nach 1951 stammen, als Israel und Syrien Teile der entmilitarisierten Zone besetzt hatten. So hatte Syrien die Enklave von El Hama unter Kontrolle, während Israel entmilitarisierte Zonen wie Bnot Yaacov besetzt hielt. Von Experten an Ort und Stelle vorgenommene Vermessungen ergänzen die Luftaufnahmen.
Wegen des Fehlens einer Reihe relevanter Fotografien aber und verschiedener topografischer Veränderungen, die im Laufe der Jahre vorgenommen worden sind, hat diese Methode sich aber als unpräzise erwiesen. Die Experten mussten daher Siedler und mit dem Gelände vertraute Soldaten interviewen. Besonderes Gewicht wurde dabei den Aussagen von Angehörigen der Golan-Infanteriebrigade beigemessen, die in der Region stationiert gewesen waren und Gefechte gegen die Syrer ausgetragen hatten. Während die Grenzziehung am Kinneret-See für die israelischen Experten kein Problem darstellte, gab es Schwierigkeiten mit anderen Grenzregionen, wie etwa die nördlicher gelegenen Sektionen.
Haaretz


