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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Edel-Schnorrer Michael Levy

von Sharon Sadeh und Yossi Verter, October 9, 2008
Lord Michael Levy, der wichtigste Geldsammler für den britischen Premierminister Tony Blair, soll auch in die Finanzierung der Wahlkampagne von Israels Regierungschef Ehud Barak involviert gewesen sein. Das zumindest schreibt die Londoner «Sunday Times» in ihrer letzten Ausgabe.
Die Schatten der Vergangenheit: Spendenaffäre reicht bis nach London. - Foto KY

Lord Michael Levy, der 1996 für Tony Blairs Wahlkampagne rund 40 Millionen Pfund Sterling mobilisieren konnte, spendete, wie die Londoner «Sunday Times» schreibt, «beträchtliche Summen für israelische Politiker, deren Parteien derzeit wegen der Finanzierungspraxis ihrer Wahlkampagnen Gegenstand polizeilicher Untersuchungen sind». Vielerorts vermutet man, dass die weitab von den Scheinwerfern der Öffentlichkeit abgehaltene Pendelmission Levys zwischen Damaskus und Jerusalem viel zur Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen zwischen Israel und Syrien im Dezember beigetragen hat. Unbestätigten Berichten zufolge hat sich Levy am vergangenen Wochenende in Beirut aufgehalten, um die inzwischen auf Grund gelaufenen Gespräche wieder flott zu kriegen.
Als Informationsquelle über Levys finanzielle Beiträge an Baraks Wahlkampagne gibt die «Sunday Times» einen Bericht des New Yorker Detektivbüros Kroll Associates an. Das vertrauliche Dokument ist für die in Bahrain domizilierte Investitionsbank Investcorp verfasst worden, die Michael Levy für einen «Beraterposten» vorgesehen haben soll. In der Vergangenheit soll Levy gemäss dem Bericht auch andere israelische Politiker wie Yossi Beilin, Ephraim Sneh, Shimon Peres und Yitzchak Rabin unterstützt haben. Mit dem Hinweis, die Angelegenheit sei «in Untersuchung» und jede öffentliche Diskussion wäre «unangebracht», weigerte sich das Büro des israelischen Premierministers, den Bericht zu kommentieren.

Mann mit ausgedehntem Wissen

Der Sprecher von Justizminister Yossi Beilin räumte allerdings ein, Michael Levy habe ihm während der Primärwahlen der Arbeitspartei von 1996 rund 6000 Shekel zukommen lassen. Diese Summe bewege sich innerhalb der vom Gesetz gezogenen Grenzen, und weitere Spenden seien nach Angaben des Sprechers weder erbeten noch akzeptiert worden. Die «Sunday Times» bemerkt in diesem Zusammenhang, Michael Levys Sohn Daniel habe eine Weile als Assistent Beilins gearbeitet. Dazu erklärte das Büro des Justizministers: «Der Minister kennt ihn (Daniel Levy) als brillanten Mann mit ausgedehntem Wissen. Nach der Bildung der Regierung Barak wurde ihm der Job eines Beraters offeriert». Michael Levy zählt zu den engsten Vertrauten des britischen Premierministers Tony Blair. Die beiden lernten sich im März 1994 anlässlich eines Nachtessens im Hause eines israelischen Diplomaten in London kennen.

Wer ist Lord Michael Levy?

Das damalige Parlamentsmitglied Blair, der bereits den Aufstieg an die Spitze der Labour Party angetreten hatte, verstand sich sofort bestens mit Michael Levy. Seither sind die beiden unzertrennlich. Levy leitete 1997 die Geldsammelaktionen für Blairs Wahlkampagne, wobei er laut unbestätigten Berichten rund 40 Millionen Pfund mobilisierte. Als Zeichen der Dankbarkeit wurde er unmittelbar nach Blairs Erdrutschsieg auf Empfehlung der britischen Regierung zum Lord ernannt.
Michael Levy (55) kam in London in einer armen, traditionellen Familie zur Welt. Sein Vater war Synagogendiener (Schamasch), sein Grossvater war ein Rabbiner. Nachdem er 1966 das Buchhalterdiplom erhalten hatte, eröffnete Levy ein eigenes Büro. Sieben Jahre später gründete er Magnet, eine Firmengruppe auf dem Gebiet der Schallplattenproduktion. 1988 verkaufte Levy die Firma an Warner Brothers. Seither bekleidet er führende Positionen in der Musikindustrie.
Levys Sohn Daniel, der sich vor neun Jahren in Israel niedergelassen hat, ist heute Assistent von Minister Haim Ramon, nachdem er zuvor mit Yossi Beilin und der «Economic Cooperation Foundation» zusammengearbeitet hatte. Die Tochter Juliet ist als Volontärin für arme Länder tätig. Michael Levy kommt rund zehnmal im Jahr nach Israel. Er besitzt viele Freunde auf beiden Seiten des politischen Spektrums, macht aber keinen Hehl daraus, dass er der Arbeitspartei näher steht. Seit den Tagen Rabins spendet er für Wahlkampagnen, und er hat auch Barak in den Primärwahlen von 1996 geholfen. Nach dessen Wahlsieg im vergangenen Jahr ebnete Levy den Weg für direkte Beziehungen zwischen der Downing Street 10 und dem Büro des israelischen Premiers. Er riet Barak, das Vorbild des britischen Regierungschefs nachzuahmen und einen kleinen persönlichen Stab zu bilden. Levy hat einen direkten Draht zum britischen Aussenministerium, das seine Kontakte in Israel und der arabischen Welt zu schätzen weiss. In den letzten zwei Jahren hat er einen direkten Kanal zu Syriens Präsident Assad entwickelt, wobei er allein im letzten Jahr dreimal mit Assad zusammenkam. Vor zwei Monaten lobte der britische Aussenminister Robin Cook Levy öffentlich für seine Verdienste bei der Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen Israel und Syrien. Levy selber hat unter Hinweis auf den heikeln Charakter seiner Tätigkeit bisher die Gesuche um Interviews stets zurückgewiesen. Levys auf 30 Millionen Pfund geschätztes Vermögen, erlaubt ihm, sich auch auf philantropischem Gebiet zu engagieren. Er setzt sich für die Mobilisierung von Spenden für jüdische und israelische Belange ein, und leitet den Vorsitz von «Jewish Care», nach dem «United Jewish» Appeal die zweitgrösste jüdische Wohlfahrtsorganisation Grossbritanniens.

Haaretz


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