Durchgangsstation für immer
Einst waren es Juden in Deutschland unmittelbar nach der Shoa, die wenigen, die der Vernichtung entkommen waren und noch lebten, geschwächt, traumatisiert, als Fremde und entfremdet zurückkehrten. Die wenigsten wollten bleiben, doch die meisten blieben. Heute sind es deutsche Juden, die nach dem Krieg das jüdische Leben zurück nach Deutschland gebracht haben, die immer im Taumel zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Schmerz und Hoffnung, die Erinnerung wach haltend, darum bemüht waren, die Normalität irgendwie zurückzubringen. Inzwischen ist durch die Einwanderung der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion die jüdische Gemeinde stark gewachsen und es hat sich ein neues Selbstbewusstsein etabliert. Aber gleichzeitig strapaziert der Bruch zwischen den seit dem Krieg ansässigen und den vor kurzem eingewanderten Juden die Stimmung innerhalb der Gemeinden Deutschlands, Unmut und Intoleranz wachsen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland steht vor neuen Herausforderungen. Und er muss sich überlegen, wie sich in den kommenden 50 Jahren das jüdische Leben in Deutschland entwickeln wird, wann endlich der «Zentralrat der deutschen Juden» möglich wird. Der kürzliche Aufruf in der Wochenzeitung «Die Zeit», dass das jüdische Leben in Deutschland «die etablierten Holocaust-Nischen» verlassen soll, muss auch für den jüdischen Dachverband Signal sein, im Bewusstsein der Vergangenheit den Schritt in eine neue Zukunft zu wagen. Denn die Gegenwart gibt ihr bereits grosse Aufgaben auf (vgl. Thema).


