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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

DJ Bobo öffnet Herzen in Sarajevo

von Esther Müller, October 9, 2008
Grosse Plakate zierten die Wände in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo - am 1. April stieg in der Neuen Olympiahalle Zetra in Sarajevo vor 15 000 Besuchern ein Konzert von DJ Bobo. Aufgetreten war der Schweizer Superstar mit seiner neuesten Produktion «Mystasia», mit der er im Moment erfolgreich auf Tournee ist. Anders jedoch als bei seinen anderen Auftritten, hat DJ Bobo für dieses Konzert keine Gage verlangt. Denn es war ein Konzert der besonderen Art. Organisiert wurde der Event von Open Hearts Activities, dem Nachfolgeprojekt von «Rock gegen Hass» und dem Verein Open Hearts Sarajevo.
Für Toleranz: DJ Bobo mit Sidney Weil (mitte rechts), Nationalrätin Vreni Haemmi Müller (zweite von rechts) und Jugendlichen in Sarajevo. - Foto PD

Open Hearts Sarajevo, präsidiert von der Nationalrätin Vreni Müller-Hemmi, wurde am 2. Dezember 1999 gegründet und hat auf seine Fahne geschrieben, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen zwischen der Schweiz und Bosnien zu organisieren. Sarajevo, einst Austragungsort der Olympischen Winterspiele, ist durch den Bosnienkrieg vor 10 Jahren gleichsam zu einem «weissen Fleck auf der Landkarte» geworden. Das Anliegen des Vereins ist es, nicht nur den noch immer brüchigen und schwierigen Frieden in Bosnien zu fördern, sondern auch mit Veranstaltungen wie z.B. Konzerten, die Stadt für grosse kulturelle Events wieder salonfähig zu machen. Erfahrungen in der Organisation eines Konzertes dieser Grössenordnung haben Ursy und Sidney Weill, die Initianten und «guten Geister» von Open Hearts Activities nicht nur aus ihrer Zeit des Engagements für «Rock gegen Hass». Am 15. August 1999 sang DJ Bobo bereits vor 150 000 Menschen in Tirana - ein ganz spezielles Dankeschön der Schweiz an die albanische Bevölkerung für die grosszügige Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Kosovo. Organisiert hatte auch dieses Konzert Open Hearts Activities.

Musik und Erziehung

DJ Bobo in Sarajevo - dies war allerdings mehr als ein Konzert. In Zusammenarbeit mit dem Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich sowie dem National Coalition Building Institute International (NCBI) waren aus 50 Anmeldungen 20 Schweizer Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren ausgesucht worden, um mit der Schulklasse eines bosnischen Gymnasiums zusammenzutreffen. Im Vorfeld dieser Reise fanden sowohl in der Schweiz als auch in Bosnien NCBI Toleranz-Workshops statt - gefolgt von einem gemeinsamen Workshop beider Gruppen während des vorletzten Wochenendes. Sarajevo, die Stadt, die noch immer gut sichtbar die schmerzlichen Wunden eines grausamen Krieges trägt, von dem v.a. die Lebensbedingungen der eingeschlossenen Stadtbewohner zwischen Heckenschützen, Sprengsätzen und der Mangel an allem Lebensnotwendigen, in Erinnerung geblieben ist, hat die Jugendlichen aus der Schweiz, aber auch die Veranstalter Ursy und Sidney Weill selbst stark beeindruckt. Die von Bundesrat Ogi extra für diese Aktion freigestellten Schweizer Gelbmützen fuhren die Besucher aus der Schweiz durch die Stadt - geschmückt mit der Flagge der Open Heart Activities neben der der OSCE. Das erste Treffen der jungen Teilnehmer verlief gemäss Sidney Weill «sehr emotional». Und weil es ein Privileg der Jugend ist, bildeten sich in der kurzen Zeit sehr innige Beziehungen untereinander. So war denn auch der Abschied nicht so einfach. Obwohl sie sich schon in der Schule voneinander verabschiedet hatten, kamen die bosnischen Jugendlichen noch zum Flughafen.

Toleranz durch Austausch

Open Heart Activities hofft, die Jugendlichen zu einem Folgetreffen in der Schweiz in diesem Sommer einladen zu können. Ein Sponsor ist unterdessen in der Stiftung für Jugend für Akzeptanz und Toleranz gefunden - eine Investition in die Zukunft und genau dies ist das Ziel der Aktion. Die Jugendlichen sollen durch die Workshops und ihre Erlebnisse sensibilisiert werden auf Intoleranz und Ungerechtigkeit. Sie werden ihre Erlebnisse hinaustragen und so zu «Botschaftern der Toleranz und des Friedens» werden. Ursy und Sidney Weill wollen weiter auf die Kombination von Musik und Workshops setzen. Denn mit Workshops alleine ist es schwierig, die Jugendlichen «hinter dem Ofen hervorzulocken». Dass Musik völkerverbindend ist, muss nicht erst bewiesen werden. Am DJ-Bobo-Konzert in Sarajevo, das soweit subventioniert werden konnte, dass ein Ticket umgerechnet noch ca. 10 DM kostete, waren neben vielen Einheimischen auch alle Schweizer Gelbmützen sowie etwa 300 deutsche Sfor-Soldaten. Rhythmus ist eine Sprache, die keiner Übersetzung bedarf.





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