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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Die Shihab-Gefahr

October 9, 2008

Unlängst behauptete Teheran, es besässe drei Einheiten ballistischer Raketen vom Typ Shihab-3, die imstande seien, Ziele in Israel zu treffen. Es ist kaum zu glauben, dass die am letzten Samstag erfolgreich getestete Rakete schon in betriebsbereite Batterien integriert wird. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis es so weit ist.
Der Sprengkopf der Shihab-3 ist konventionell, doch glauben alle westlichen Geheimdienste, inkl. dem israelischen, dass Iran bestrebt ist, nukleare Waffen zu entwickeln und seine ballistischen Raketen mit atomaren Sprengköpfen zu bestücken.
Bisher hat der israelische Geheimdienst allen Grund, sich hinsichtlich der Analyse des ballistischen Raketenprogramms der Iraner zu beglückwünschen. 1996 warnten israelische Experten, Teheran werde bis Ende Jahr eine ballistische Rakete besitzen, die Israel in seinen Einzugsbereich bringen würde. Zudem seien weitere Verbesserungen geplant. Die Prognose lag nur gerade sechs Monate vom effektiven Ziel entfernt.
Der Test vom letzten Samstag ist der dritte einer Shihab-3. Der vorherige aus dem Jahre 1998 wurde erst entdeckt, nachdem er missglückt war. Israels Geheimdienste vermuteten damals, die Entwicklung der Rakete werde infolge des Fehlschlages sechs Monate mehr beanspruchen.Der Test der Shihab-3 zur gleichen Zeit, da in Camp David gewaltige Anstrengungen zur Beendigung des Nahost-Konfliktes unternommen wurden, unterstreicht, dass regionale Bedrohungen nicht verschwunden sind. Sollte der Friedensprozess mit den Palästinensern platzen, könnten sie sogar noch akuter werden. Der Versuch vom letzten Samstag steht in keinem direkten Zusammenhang zu Camp David. Als die Iraner ihren vorherigen Test durchführten, weilte US-Vizepräsident Al Gore in Moskau, wo er mit den Russen deren Hilfe an Teheran zur Entwicklung einer Raketentechnologie diskutierte.
Zweifelsohne hätte Iran Schwierigkeiten bekundet, die Shihab-3 ohne massive russische Hilfe zu entwickeln, welche zur bereits vorhandenen nordkoreanischen Technologie hinzukam. Auch China war an der Förderung des ballistischen Raketenprogramms der Iraner beteiligt und verkaufte Teheran Ausrüstung zur Durchführung der Tests.
Im Anschluss an den Versuch vom letzten Samstag gab Teheran den Erfolg bekannt und betonte, durch die Rakete solle sich niemand bedroht fühlen. Weder die USA noch Israel dürften diese Beschwichtigung ernst nehmen. Israels Geheimdienste schätzen sowohl die operationellen Fähigkeiten Irans als auch die Möglichkeit eines politischen Willens, die Shihab-3 einzusetzen, als Bedrohung des jüdischen Staates ein. Präsident Khatami und als pragmatisch geltende Schichten in Iran unterstützen das ballistische Raketenprogramm.
Israels politische und militärische Führung sollte das Thema jedoch ganzheitlich betrachten und sich überlegen, wie das Land auf die neue Situation reagieren soll, vor allem vor dem Hintergrund des iranischen Strebens nach nuklearen Waffen.
Man weiss, das Iran im Libanon Fajer-Raketen postiert hat, welche die Bucht von Haifa erreichen können. Anfangs hatten diese Raketen iranischer Kontrolle unterstanden, doch in letzter Zeit sind sie an die Hizbollah-Miliz übergegangen.

Der Autor ist Militärexperte der Zeitung «Haaretz».





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