Die Messer werden gewetzt
«Sso Arzeinu» (Das ist unser Land), die «Frauen in Grün», der Aktionsstab «Mateh Ma\'amatz» und wie sie alle noch heissen mögen, die nationalistischen Extremisten Israels. 1995, vor dem Rabin-Mord, beherrschten sie die Szene, verbarrikadierten Strassen im ganzen Lande und organisierten Kundgebungen gegen die Friedenspolitik der Regierung. Besonders berüchtigt war die Demo auf dem Jerusalemer Zionsplatz, als Plakate mit Rabin in SS-Uniform zu sehen waren. Kurz darauf war Rabin tot, ermordet von einem Angehörigen eben dieses nationalistischen Lagers.
Einige Jahre blieb es relativ ruhig rund um diese Friedensfeinde, doch nun erheben sie ihre Häupter wieder und beginnen, die Messer zu wetzen. Die sich nähernde Abtretung arabischer Dörfer im Umkreis von Jerusalem an die Palästinenser bot den Extremisten den gewünschten Vorwand. «Sogar wenn die ganze Knesset dafür stimmt», sollen nach Meinung des Anwaltes und ex-Abgeordneten Elyiakim Haetzni aus Kiryat Arba IDF-Soldaten die Befehle zur Zwangsevakuierung von Siedlern verweigern. Noch weiter geht Nadia Matar (Frauen in Grün). Sie ruft ihre Gefolgschaft auf, sich in Selbstverteidigung und im Gebrauch von Waffen zu üben. «Soldaten, die mich aus meiner Wohnung vertreiben wollen», sagt sie, «sind nicht meine Freunde, sondern meine Feinde. Ich werde ihnen mit den gleichen Waffen entgegentreten, die sie gegen mich richten.»Vom bevorstehenden Bruderkrieg in Israel zu sprechen, mag hochgestochen sein. Sicher sind hier aber Leute am Werk, die an die niedrigsten Instinkte ihrer Mitmenschen appellieren. Wenn dann wieder ein (vielleicht gar nicht so) Wahnsinniger eine heilige Mission in sich verspürt und auf einen ihm unliebsamen Politiker schiesst, verkriechen diese Maulhelden sich wieder in ihre Löcher und warten, bis der Sturm sich gelegt hat.Israels Rechte hat noch nicht einmal begonnen, sich die Lektion zu Gemüte zu führen, die sie nach dem Rabin-Mord hätte lernen müssen. Ein Lichtblick in diesem Dunkel ist Likud-Boss Ariel Sharon, der kurz und bündig meinte: «Soldaten haben Befehle auszuführen. Punkt Schluss.» Deswegen will Sharon die Abtretung von Dörfern an die Palästinenser nicht weniger dezidiert bekämpfen, aber nur mit legitimen, demokratischen Mitteln. Das ist sein Recht, und gegenüber seiner Wählerschaft ist es seine Pflicht. Vor allem aber ist es etwas ganz anderes als das, was die eingangs erwähnten Extremisten vorhaben.


