Die Luftwaffe wird immer wichtiger
«Apache» AH 64 Angriffshelikopter der israelischen Luftwaffe.
Seit Beginn dieses Jahres wurden in Südlibanon zwar einige IDF-Soldaten in gut geplanten Attacken der Hizbollah-Miliz getötet oder vewundet, doch dank des Einsatzes der Luftwaffe (IAF) hat sich das Gesamtbild in den letzten zwölf Monaten eindeutig gebessert. Basierend auf sorgfältig ausgewerteter Geheimdienst-Information und in voller Kooperation mit den Bodentruppen hat die IAF heute den Löwenanteil an den israelischen Vergeltungs- und Präventivaktionen im Libanon.
Infolge der fliessenden und laufend sich verändernden politischen Landkarte im Nahen Osten muss Israel an seinem qualitativen Vorsprung festhalten. Israel steht mehr als einem potentiellen Feind gegenüber und muss, je nach Art und Herkunft der Aggression, rasch und mit hochmodernen Mitteln antworten können. Mehr als einmal in der Vergangenheit stand Israel gleichzeitig verschiedenen Gefahren an diversen Fronten gegenüber, wobei nicht alle Gefahren von Ländern ausgingen, mit denen der jüdische Staat eine gemeinsame Grenze hat.
Helikopter im Mittelpunkt
In Libanon markiert die IAF heute eine ständige Präsenz, wobei die Zahl der Angriffswellen vom Ansteigen oder Abflauen der Spannung abhängt. Heute ist die Hizbollah alles andere als ein bunt zusammengewürfelter, undisziplinierter Haufen von Haudegen. Vielmehr präsentiert die Miliz sich heute besser ausgebildet und ausgerüstet denn je, und Luftabwehrwaffen bedeuten eine potentielle Gefahr, auch wenn der libanesische Himmel fest in Händen der IAF ist.
Genaue Statistiken über Israels Verteidigungsarsenal und über die exakte Art, wie die Luftwaffe auf Terrorakte reagiert, liegen aus verständlichen Gründen nicht vor, doch wissen wir, dass die IAF sich in Libanon vor allem auf Helikopter vom Typ «Apache AH 64» und auf F-16 Düsenjäger abstützt. Diese Maschinen befinden sich derzeit in fast täglichem Einsatz über dem Zedernland. Der «Apache» hat sich zu einem wichtigen Instrument im Kampf gegen die Hizbollah entwickelt. Der von zwei Personen geflogene Helikopter ist bei allen Witterungsverhältnissen bei Tag und Nacht einsatzbereit. Er ist mit bis zu 16 Hellfire-Raketen ausgerüstet, und seine elektronische Einrichtung erlaubt ihm, ein anvisiertes Ziel mit höchster Präzision zu treffen. Sollte ein Ziel nur mit schwereren Waffen attackiert werden können als der «Apache» mit sich führt, kann der Helikopter es mit seinem eigenen Radar identifizieren, bevor er einem Kampfflugzeug die Koordinaten übermittelt und die ihm den Rest der Arbeit überlässt. «Wir versuchen, Kollateralschäden und die Beeinträchtigung der Zivilbevölkerung in Libanon zu vermeiden», sagt Luftwaffenkommandant Generalmajor Eitan Ben-Elijahu. «Für gewisse Ziele verwenden wir gewöhnliche Bomben, doch meistens benutzt die IAF hochentwickelte Präzisionsmunition.»
Das israelische Verteidigungsministerium will seinem Inventar noch modernere Flugzeuge hinzufügen. Von besonderem Interesse ist dabei der schon bewilligte Kauf von 12 «Longbow»-Helikoptern des Apache-Typs (Gesamtkosten 415 Mio. Dollar), wobei eine Option für 48 weitere «Apaches» besteht. Der Handel hat allerdings noch einen Haken, lehnt das Pentagon es vorerst doch ab, Israel Zugang zu den Codes des Haupt-Computers an Bord zu erteilen. Diesen Zugang bezeichnet der Luftwaffenchef aber als «wesentlich», und zwar erstens zur Durchführung der laufenden Unterhaltsarbeiten, und zweitens zur «Anpassung des Verteidigungskonzeptes des Helikopters an neue Bedrohungen». Für Ben-Elijahu ist der «Longbow» heute der modernste und am weitesten entwickelte Helikopter der Welt.
Recht zurückhaltend beantwortet der IAF-Kommandant Fragen zur Rolle der Luftwaffe in einer Aera des Friedens. «Im Falle einer Krise müssen wir sehr rasch reagieren. Bei Abwesenheit eines Friedens ist der Moment zwischen dem Ausbruch einer Krise und der Zeit, die uns für den Einsatz unserer Truppen zur Verfügung steht, offensichtlich kleiner. In Zeiten der Spannung, auch im Frieden, müssen wir ständig einsatzbereit sein und rasch reagieren. Um den Frieden zu erreichen, den Krieg zu verhindern und den Frieden zu bewahren, brauchen wir eine kraftvolle Luftwaffe als Abschreckung. Ein Blick auf die Landkarte des Nahen Ostens zeigt, dass die Bedrohung auch im Frieden von überall herkommen kann. Viele Länder entwickeln ballistische Raketen mit einer Reichweite von bis zu 2500 Kilometern, was uns zwingt, für jede Distanz und Richtung verschiedene Antworten bereitzuhalten.»
Hohes Ausbildungsniveau
Das Ausbildungsprogramm stellt höchste Ansprüche an die Apache-Geschwader, die sich heute zu 30-50 Prozent aus Reserve-Piloten zusammensetzen. Um das hohe Ausbildungsniveau zu bewahren und mit den neuesten Entwicklungen in Bezug auf Technik und Ausrüstung Schritt zu halten, müssen diese Piloten etwa einmal pro Woche zu ihrer Basis kommen. Um vor allem in Zeiten der Hochbelastung das Risiko des Verwechselns verschiedener Kontrollsysteme auszuschalten, dürfen die Piloten nie mehr als zwei Flugzeugtypen fliegen. Dazu GeneralmajorBen-Elijahu: «Sogar in Friedenszeiten brauchen wir genügend Flugzeuge, Langstreckenmaschinen, gute Kommunikationssysteme und einen funktionierenden Geheimdienst, um rund um die Uhr das Geschehen im Nahen Osten zu verfolgen.»
Über der Wandtafel in einem Ausbildungszimmer des Geschwaders liest man folgende Regel: «In jedem Kampf musst Du Deinen Gegner als Meister ansehen. Deine Aufgabe besteht darin, zu beweisen, dass er es nicht ist.» Dieser Grundsatz bildet die Basis der Philosophie des IAF-Chefs: «Du musst stets auf eine Überraschung gerüstet sein. Du musst auch darauf vorbereitet sein, dass sie viel besser als erwartet sind. Der Nahe Osten ist sehr dynamisch, und immer wieder tauchen neue Systeme auf. Noch nie standen wir einer so grossen ballistischen Gefahr gegenüber wie heute, und leider werden unsere Feinde in Zukunft auch unkonventionelle Waffen entwickeln. Für all diese Überraschungen müssen wir gerüstet sein. Um für jede Bedrohung eine optimale Lösung zu haben, steht uns ein \"Cocktail\" an Waffen und Taktiken zur Verfügung.»


