«Der Rote Davidstern gehört zum Frieden im Nahen Osten»
Das jüdische Volk begeht das Neujahrsfest 5761! Ich empfinde es seit früher Jugend als einen Reichtum des Lebens, dass verschiedene Kalender nebeneinander bestehen: Sie erlauben die Anteilnahme an den Traditionen und an der Kultur des Anderen - und für jeden Menschen gibt es den Anderen, die Andere - sie ermahnen aber auch zu jener Bescheidenheit, die eigene Betrachtungsweise nicht etwa als die einzige, abschliessende, unbedingte, absolute, totale zu nehmen. Rosch Haschana hat so nicht nur für die jüdischen Menschen in unserer Heimat - und ihnen gilt heute mein spezieller Gruss - sondern darüber hinaus auch für die Christen und Muslime und Hindus, je mit ihrem speziellen Kalender, und für alle anderen Menschen, die zur Schweiz «Ja» sagen wollen, eine Bedeutung.
Tief verwurzelte Toleranz
Ich bin sehr dankbar für die trotz aller Unkenrufe in unserem Land, die jüngste Abstimmung beweist es, tief verwurzelte Toleranz, für den spürbaren Willen, als Gemeinschaft verschiedener Kulturen, Sprachen, Religionen, Konfessionen, Lebensgewohnheiten zusammenzuleben. Daran, dass dies so ist, haben die jüdischen Menschen einen bedeutenden Anteil.
Hoffen und beten für den Frieden
Die Verbundenheit zu Israel, einem anderen demokratischen Kleinstaat, der von der Welt nicht immer ganz verstanden wird, ist eine Bereicherung des Lebens aller Schweizerinnen und Schweizer. Wir hoffen und beten, dass Israel und seine Nachbarn zu jenem dauerhaften Frieden finden, von dem die Pioniere geträumt haben. Was die Schweiz hier an guten Diensten in ihrer besten ebenso neutralen wie humanitären Tradition leisten kann, wird sie gewiss leisten. Zu diesem Frieden gehört ohne Zweifel auch der Rote Davidstern, der so gültig ist und bleiben wird wie das Rote Kreuz und der Rote Halbmond.
Blühendes jüdisches Leben
Es gehört zum Stolz unserer Heimat, dass in den Synagogen dieses Landes das ganze blutige zwanzigste Jahrhundert hindurch hat Gottesdienst gehalten werden können. Dass heute das von der teuflischsten Tyrannei der Weltgeschichte fast vernichtete, vom Ost-West-Gegensatz lange gelähmte jüdische Leben in grossen Teilen Europas wieder zu blühen beginnt, ist ein grosses Glück. Das allein gibt uns Zuversicht für die Zukunft, des Landes wie des Erdteils.
Es ist mir ein Anliegen, an dieser Stelle all den vielen daran beteiligten jüdischen Menschen der Schweiz herzlich zu danken. Ich bin gewiss, dass ihre Beiträge zum Wohl der Heimat und der Menschheit in Zukunft nicht geringer sein werden als in der Vergangenheit. Mir bleibt deshalb, allen Leserinnen und Lesern dieser Zeilen von Herzen ein frohes Neujahrsfest und im Jahr 5761 persönliches Wohlergehen zu wünschen. Das ist so einer der Tage, an denen ich herzhaft und herzlich schliessen kann mit: Freude herrscht!


