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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Der Rabbi muss gehen

von Igal Avidan, October 9, 2008
Der Oberrabbiner Polens, Menachem Joskowicz, musste zurücktreten, nachdem er von Papst Johannes Paul II. gefordert hatte, das sogenannte «Papst-Kreuz» vom Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz entfernen zu lassen. Die Äusserung des orthodoxen Rabbiners hatte in Polen heftige und zum Teil antisemitische Reaktionen ausgelöst, obwohl die Jüdische Gemeinde seinen Rücktritt sehr schnell publik gemacht hatte.

Bei einer Audienz des Papstes für Vertreter verschiedener Religionen hatte Joskowicz, ein Auschwitz-Überlebender, den Papst beleidigt, weil er ihn mit «Herrn Papst» und nicht wie üblich mit «Ihre Heiligkeit» ansprach. Seine Forderung, das letzte Kreuz in der Gedenkstätte entfernen zu lassen, wurde weithin als unangemessen oder sogar als «Chuzpe» empfunden. Der Papst reagierte auf die Forderung nicht, aber kurz darauf verbreiteten die polnischen Medien die Worte des Rabbiners und damit war der Eklat perfekt. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde erklärte kurz darauf, dass Joskowicz nicht die Meinung der Juden in Polen vertritt und sein Amt nicht mehr ausübt. Ein Vorstandsmitglied der Gemeinde, Stanislaw Krajewski, kritisierte Joskowicz’ Verhalten als «Mangel an Respekt dem Papst gegenüber». Konstanty Gebert, Chefredakter der jüdischen Zeitschrift «Midrasz», kritisierte wiederum die Jüdische Gemeinde und sagte, die Präsenz des Kreuzes sei für gläubige Juden unakzeptabel. Regierungssprecher Krzysztof Luft nannte die Äusserung des «Rabbiners skandalös». Er erinnerte daran, dass die Regierung den Beschluss der Bischofskonferenz unterstützt, alle anderen Kreuze (über 300 Stück) räumen zu lassen (was kürzlich geschehen ist), nicht aber das «Papstkreuz», an dem der Papst 1979 in Birkenau gebetet hat und das erst 1989 an seinem jetzigen Standort aufgestellt wurde. Der Direktor des Auschwitz-Museums, Jerzy Prublewski, sagte, die Bitte des Rabbiners wurde «in einem unpassenden Moment» geäussert. Die JR hat erfahren, dass die Entscheidung, den Rabbiner von seinem Amt zu entbinden, schon vor dem Eklat beschlossen wurde. Joskowicz hat mit undiplomatischen Äusserungen sowie Entscheidungen, wie etwa polnischen Wodka und Mineralwasser mit einem Koscherstempel zu belegen, für Unmut gesorgt. Sein Nachfolger soll ein 23jähriger dänischer Rabbiner werden.





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