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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Der Präsident denkt nicht an Rücktritt

von Akiva Eldar, October 9, 2008
Ermutigt von der Ansicht der Staatsanwältin Edna Arbel, der Staatspräsident würde nicht vor Gericht gestellt werden, hat Ezer Weizman am Montag sein normales Arbeitsprogramm wieder aufgenommen und sich mit 25 Gesuchen zur Begnadigung und Reduktion von Urteilen lebenslänglich im Gefängnis sitzender Bürger befasst.
Zwei Präsidenten unter Druck: Israels Präsident Ezer Weizman empfängt den deutschen Bundespräsidenten während dessen Besuch vom vergangenen Dienstag . - Foto Keystone

Aus der Umgebung von Staatspräsident Ezer Weizman verlautete dieser Tage, die Affäre Saroussi - der Präsident hat in den Jahren 1988-93 vom französischen Industriellen Edouard Saroussi grosse Geldsummen entgegengenommen - habe zum Entschluss geführt, alle Pläne für eine frühzeitige Demission Weizmans fallenzulassen. Nach Beratungen mit seiner Frau Reuma, dem Generaldirektor seines Büros, Aryeh Shumer und weiteren Vertrauten, scheint der Präsident beschlossen zu haben, mindestens bis Ende Jahr und wenn die Gesundheit es erlaubt bis zum Ablauf der Kadenz Ende 2003, im Amte zu verbleiben. Mit dieser Haltung will Weizman eine möglichst grosse Distanz zwischen die Saroussi-Affäre und seiner Präsidentschaft legen und auch alle Gerüchte widerlegen, die von einem Deal mit der Staatsanwaltschaft sprechen, gemäss welchem Weizman vorzeitig demissionieren und dafür nicht vor Gericht gestellt würde. In Weizmans Umgebung scheint man sicher zu sein, dass Elyiakim Rubinstein, der Rechtsberater der Regierung, in seinen Äusserungen bzgl. der Auswirkungen der Affäre auf die Öffentlichkeit mit dem Präsidenten nicht allzu harsch umgehen werde.

In Erwartung einer Entschuldigung

Weizman wiederum scheint gewillt zu sein, die Kritik zu akzeptieren und sich vom Abweichen von dem für einen Mann der Öffentlichkeit gebührenden Verhalten entschuldigen zu wollen. Schon anfangs Woche gab er zu, in der Saroussi-Affäre, vor allem in Bezug auf die Annahme der Bargeschenke des Industriellen, anders gehandelt haben zu müssen. Saroussi selber erklärte gegenüber den Beamten, die ihn in der Schweiz verhört hatten, dass es zwischen ihm und Weizman nie eine geschäftliche Beziehung gegeben habe. Saroussi zeigte sich den Beamten gegenüber sehr kooperativ und verschob sogar einen Spitalaufenthalt, um Red und Antwort stehen zu können. Er sagte den Beamten u.a., seine Beziehungen zu Weizman seien so eng, dass er ihn und seine Familie vor einigen Jahren in sein Testament eingeschlossen habe.

Wer steckt dahinter?

Weizmans Vertraute erklärten am Montag, die Affäre habe gezeigt, wo der Präsident seine wirklichen Freunde habe. Nun wolle man untersuchen, wer und was hinter den gegen Weizman gerichteten Berichten stecke. Einerseits könnten dies rechtsgerichtete Kreise sein, die Weizmans Aktivitäten zugunsten eines Friedens mit Syrien einschränken wollen. Eine andere Möglichkeit ist aber auch, dass Kriminelle sich an Weizman für die Ablehnung eines Begnadigungsgesuches rächen wollen. Schliesslich darf auch nicht ausgeschlossen werden, dass gewisse Politiker den 75-jährigen aus der Präsidentenresidenz entfernen wollen.

Haaretz





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