Der Geschichte ein Gedächtnis geben
Die Kamine rauchen nicht mehr, schon lange nicht mehr, die Schreie sind verhallt, der Hunger, die Kälte, der Terror, das Morden nicht mehr fassbar, der Zeugen nur noch wenige. Die Geschichte, die Wahrheit klammert sich an die Erinnerung, die Erinnerung an die Nachkommen. Der Holocaust geschah im letzten Jahrhundert, zum ersten Mal entrückt das Gedenken mit dem Jom Hashoa der kommenden Woche auf die Ebene der Historizität. Die Steine, sie, die stummen, schweigsamen Zeugen, sie werden nicht preisgeben, was geschah. Und jetzt, da eine nachkommende Generation am Übergang steht und die Zeugen und die Opfer bald nicht mehr sind, die Verantwortung der unvoreingenommenen Erinnerung, des Gedenkens um der Wahrheit und nicht politischer oder anderer Interessen willen, das Erzählen zur Bewahrung und Erkenntnis gefordert sind, jetzt steht zur Frage, wie gehen wir mit der Shoa um? Mythologisieren, Verharmlosen, Instrumentalisieren, als (jüdische) Ersatzidentität, Projektionsfläche verwerten, zurückdrängen, dominieren. Was machen wir mit dem Erbe, das wir unfreiwillig angetreten haben?Es gibt sie die Revisionisten, sie sind nicht zu verharmlosen und doch dürfen sie keinesfalls das Mass und die Priorität unseres Handelns sein. Die Geschichte leugnen ist einfacher als sie zu beweisen. Doch das Leugnen ist nicht die Gefahr, sondern das Vergessen. Die Gefahr ist, dass die Shoa, der Holocaust, der Zweite Weltkrieg wie der armenische Völkermord, Ruanda oder Kambodscha vergessen gehen. Pessach steht gegen das Vergessen, ist das Gebot zur Erinnerung. Und so ist es das Gebot der modernen Gesellschaft, der Schulen, gegen das Vergessen zu erziehen. Das ist alles. Nicht Monumente, Museen, Denkmäler, vor allem Unterricht, Lehrpläne, historisches Bewusstsein sind gefragt. Die Shoa, sie war und sie ist. Sie ist unauslöschbar, aber nicht unvergessbar. Sie wird in Zukunft nur noch das sein, was wir denken und aus ihr machen.


