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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Der Beginn der dunklen Zeit

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall von Hitlerdeutschland auf Polen der Zweite Weltkrieg. Gleichentags und in den folgenden Tagen standen in der Schweiz die meisten Männer bereits unter den Waffen. Darunter befanden sich zahlreiche Schweizer Juden, die ihren Dienst am Vaterland so ernsthaft leisteten wie ihre Nachbarn. Das wird in der heutigen Diskussion über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg zu oft «vergessen». Ihre Militärzeit stand unter einem mehrfachen Druck. Zur Angst um die Unabhängigkeit der Schweiz kam noch eine andere Dimension: Die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft mussten bei einem allfälligen Einmarsch der Deutschen in der Schweiz um ihr Leben fürchten. Sie bangten zudem um ihre beraubten, verfolgten und von Anfang an von Mord bedrohten Glaubensgenossen in den durch die NS-Armeen besetzten Ländern. Eine Angst, die sich auf schrecklichste Weise bewahrheiten sollte. Kaum eine jüdische Familie, die nach dem Krieg nicht den Verlust von Verwandten und Freunden im Ausland beklagte. Kaum eine jüdische Familie, die nicht sehr direkt mit der Flüchtlingsnot konfrontiert gewesen wäre. Und die meisten von ihnen verhielten sich vorbildlich. Es gab zwar auch menschliche Versager, die angesichts der vielen Verzweifelten um ihren eigenen Status fürchteten. Der Ausdruck «Emigrant» schrillte wie ein Schimpfwort. Aber die Solidarität war trotz allem nie ein Fremdwort, im Gegenteil. Die Schweiz, die Schweizer Bevölkerung, auch die Schweizer Juden, waren während der Kriegsjahre mehrfach gefordert, materiell und moralisch. Die Jüdische Rundschau berichtet in dieser und der nächsten Ausgabe über die Mobilmachung vor 60 Jahren, an die sich zahlreiche Menschen aus ihrer Leserschaft noch lebhaft erinnern können, weil sie in irgend einer Form persönlich daran beteiligt waren. Als Erwachsene oder als Kinder, als Soldaten oder als auf sich gestellte Frauen, als Flüchtlingsbetreuer und als Geldgeber, als Flüchtlinge und als Zionisten, als Leiter jüdischer Gemeinden und als Kämpfer gegen antijüdische Vorurteile hatten alle eine Aufgabe. (vgl. Berichte auf den Seiten 1-5).





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