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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Aus der Sackgasse ausbrechen

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

Was machen wir jetzt also mit der verfahrenen «Aktion gegen Österreich»? Der Aufschrei Europas gegen den unsäglichen Pakt der ÖVP mit dem «braunen» FPÖ-Demagogen Haider war ein richtiger Warnschuss. Und doch, langsam tritt automatisch die Tagesordnung ein und viele fragen sich, wie man da wohl wieder aus der Sackgasse herauskäme. Die Ausgrenzung Österreichs durch die 14 übrigen EU-Staaten erfährt in den bilateralen Gesprächen ihre Aufhebung. Anstatt Verweigerung wäre jetzt Dialog gefragt. Denn, was immer die Medienwirklichkeit vermittelt: effektiv entschieden werden die Dinge hinter den Kulissen, auf diplomatischer Ebene. Und jetzt müsste eigentlich jede Chance genutzt werden, abseits der Öffentlichkeit Einfluss auszuüben, Interessen einzubringen. Auf jüdischer Seite ist da allerdings wenig konstruktiver Input zu verzeichnen. Lediglich Ohnmacht oder Überreaktion macht sich breit. Da trafen sich einst zwar offizielle jüdische Vertreter öffentlich mit dem ehemaligen SS-Offizier Schönhuber, unterstützen SVP-Kandidaten im Wahlkampf oder führen Treffen mit SVP-Spitzen durch; beim Thema Österreich verfallen sie aber in pseudomoralischen Aktivismus. Alibiübungen können wir uns aber nicht leisten, sonst überlasen wir das Feld denen, die eigentlich bekämpft werden sollen. Eine Resonanz, die der JR gegenüber am Rande des Schüsselbesuchs von Polit- und Wirtschaftsspitzen geäussert wurde. Nach den Boykotten müssen jetzt Resultate herbeigeführt werden. Zum Beispiel sollte die EU aufgrund der Ereignisse in Österreich nach Schweizer Vorbild rasch ein wirksames Antirassismus- und Einwanderungsgesetz verabschieden. Nur mit solchen aktiven Mitteln sind Haiderismen beizukommen. Die JR hat dies Österreichs Führung vorgetragen - weil von jüdischer Seite sonst niemand anderer da war.





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