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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Amerikaner machen Faust im Sack

von Aluf Benn, Amnon Barzilai und JTA, October 9, 2008
Während einer Pressekonferenz zusammen mit dem amerikanischen Verteidigungsminister William Cohen bestätigte Israels Premier- und Verteidigungsminister Ehud Barak am Montag in Tel Aviv, dass die USA sich besorgt zeigten über geplante israelische Waffenverkäufe an China. Barak war aber nicht bereit, von einer Annullierung der Geschäfte mit den Chinesen zu sprechen.
US-Verteidigungsminister Cohen, Premier Barak: Israels Waffengeschäfte mit China bealsten die Beziehungen zu den USA. - Foto Keystone

Die Differenzen zwischen Israel und den USA über die Lieferung israelischer Frühwarnsysteme an China konnten auch während des Besuchs von US-Verteidigungsminister William Cohen in Tel Aviv nicht ausgeräumt werden. Cohen brachte seine Besorgnis über das labile Gleichgewicht zwischen China und Taiwan zum Ausdruck, das durch die israelischen Rüstungslieferung gefährdet werden könnte. Die USA fürchten auch eine Bedrohung für die amerikanischen Truppen in Ost-Asien.
Im Mittelpunkt des israelisch-chinesischen Rüstungsdeals steht der Kauf eines Frühwarnflugzeugs (AWACS) von den Israel Aircraft Industries (IAI). Das System beinhaltet eine hochmoderne, von Israel entwickelte Radaranlage sowie ein von den Russen gebautes Transportflugzeug. Das erste Frühwarnflugzeug wird derzeit gebaut, und Optionen für weitere acht Flugzeuge beinhalten Verträge imWert von mehreren hundert Millionen Dollar. Im israelischen Verteidigungsministerium glaubt man, dass China Interesse bekunden wird, von den Optionen Gebrauch zu machen. In den Tagen vor Cohens Israelbesuch erklärten Jerusalemer Regierungskreise, man habe ein «starkes Interesse» an engen Beziehungen zu China. Erstens einmal sei Bejing eine aufstrebende Grossmacht, und zweitens unterhalte China gute Beziehungen zu Iran und den Golfstaaten, die Israel sich vielleicht einmal zunutzen wird machen können. Nächste Woche kommt der chinesische Präsident Jiang Zemin nach Israel, wobei auf seinem Programm auch ein Besuch bei den IAI steht. Hinter der Politik Baraks, die Haltung des israelischen Verteidigungsministeriums zu unterstützen und den Deal mit China nicht zu annullieren, steht offenbar die Tatsache, dass Israel angesichts der Stagnation in den Verhandlungen mit Syrien amerikanischem Druck gegenüber weniger empfindlich geworden ist. In Jerusalem war befürchtet worden, der US-Kongress könnte im Austausch für die finanzielle Unterstützung des Rückzugs vom Golan durch die Amerikaner die Annullierung des AWACS-Geschäfts mit den Chinesen verlangen.

Haaretz





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