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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Achtung fremdenfeindlich

von Yves Kugelmann, October 9, 2008

Immer dann, wenn ein öffentliches Thema auch zu einem jüdischen zu verkommen droht, ist Achtsamkeit der beste Rat. Dies auch im Falle der Diskussionen rund um die Regierungsbildung zwischen Haiders FPÖ und der ÖVP. Dass sich die Gemüter angesichts der nun zustandegekommenen Koalition erhitzen, ist in Schärfe und Klarheit der Reaktionen beachtlich. Erstmals ergreift das geeinte Europa die Initiative und nimmt mit seinem Beschluss vom Montag Stellung gegen eine Regierung mit Haider an der Spitze. Diese Entschlossenheit, die im Balkan-Konflikt vermisst wurde, zeigt, dass es in einer mehr und mehr vernetzten und über internationale Organisationen verflochtenen Welt ein globales Verantwortungsgefühl gibt. Hinschauen ist die Devise und nicht wie einst verdrücktes Ignorieren. Doch Europa reagierte nicht annährend entschlossen, als Frankreichs Front National, Deutschlands Republikaner oder skandinavische Rechtsextremisten Erfolge verbuchen konnten. Bei Österreich, einem der jüngsten Mitglieder in der Union, ist alles anders: Diplomatie und politische Zurückhaltung spielen keine Rolle mehr. Gut so, mutig. Zu verlieren gibt es allerdings im Falle Österreichs auch nicht viel. Österreichs mögliche internationale Isolierung täte niemandem weh. Mit ein Grund, dass die Entwicklungen in Österreich derart unter die Lupe genommen werden, ist sicherlich die Stellungnahme Israels in der Angelegenheit. Präsident Ezer Weizman und Premier Ehud Barak und sein Aussenminister David Levy drohen schon seit Wochen mit der Überprüfung der diplomatischen Beziehungen. Hinzu kamen Aufrufe Simon Wiesenthals gegen Haider oder etwa die Intervention Michel Friedmanns im Vorfeld der ARD-Diskussionsrunde von Sabine Christiansen am letzten Sonntag. Er würde nicht teilnehmen, drohte Friedmann, wenn der geladene Haider mit von der Partie sei. Flugs wurde Haider ausgeladen. Wäre dies auch geschehen, wenn das Ultimatum nicht von einem Juden gestellt worden wäre? Alle sind sich einig, dass Haiders Siegeszug gestoppt werden muss, aber nicht, weil das heute umissverständliche demokratische Österreich vermeintliche Geisel seiner eigenen Geschichte ist, nicht weil Juden und Israeli warnen. Nein, weil Jörg Haider fremdenfeindlich ist, weil sein übersteigerter Nationalismus für Österreich gefährlich ist.





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