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Revue Juive Nr.01 Ausgabe: Nr. 1 » October 15, 2008

Abscheu vor Rabin

von Jacques Ungar, October 9, 2008

Wenige Tage vor der Vereidigung des Kabinetts Barak stand ich erstmals an Yitzchak Rabins Grab. Es war der 95. Todestag Theodor Herzls, und die bevorstehende politische Wachtablösung bot mir den passenden Anlass, längst Fälliges nachzuholen.
Auf dem Weg zu Rabins Grabstätte fragte ich einen Mann nach der Richtung. Er gab sie mir, nicht ohne hinzuzufügen: «Es lohnt sich wirklich nicht, hinzugehen.» Mein Sohn war sichtlich schockiert. Ich auch.
Am Grab kamen wir ins Gespräch mit einem arabischen Paar aus Nazareth. «Traurig», meinten sie, «dass die besten Söhne des Volkes vorzeitig gehen müssen.» Ich dachte an die unglaubliche Bemerkung, die ich kurz zuvor hatte hören müssen. Doch es sollte noch «besser» kommen. Am Ausgang des Herzlberges stiessen wir erneut auf den Mann, der uns den Weg gewiesen hat und den ich inzwischen als Hagai Ben-Artzi, den rechtsextremen Schwager von Ex-Premier Netanyahu, identifizieren konnte.
«Ich war heute zum erstenmal am Grabe Rabins», erklärte er fast entschuldigend. «Ich ebenfalls», entgegnete ich, «doch sicher nicht aus dem gleichen Grunde wie Sie.» - «Nein», antwortete er, «meine Tochter schreibt eine Arbeit über ihn, und da blieb mir keine andere Wahl. Ich selber habe Abscheu vor dem Manne.» Ich lenkte meine Kinder ab, indem ich an einer Würstchenbude Hot Dogs kaufte.
Ansichten des israelischen Arabers aus Nazareth und des israelischen Juden aus irgendeiner Siedlung kann auch Barak nicht unter einen Hut bringen. Gelingt es ihm aber nicht, einen auch noch so kleinen gemeinsamen Nenner für Leute wie diese zu finden, werden die Brücken keinen Bestand haben, die er hoffentlich zu Syrern, Palästinensern und der restlichen arabischen Welt bauen wird.





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