90 Minuten Dokumentar-Thriller
Der 90 Minuten lange Streifen «One Day in September», dessen Produktion mehr als zwei Jahre beanspruchte und in dem Michael Douglas als Erzähler auftritt, wurde vor der Basler Vor-Premiere von heute Donnerstagabend zugunsten der Emunah bisher erst einmal im privaten Rahmen in Los Angeles gezeigt, doch bereits spricht die Szene von einer weiteren Oscar-Nominierung für einen Arthur-Cohn-Film. Am 7. Februar folgt, ebenfalls in Basel, die Prominenten-Show des Films für etwa ein halbes Tausend handgelesener Gäste des Produzenten, und Mitte April soll in Israel eine sogen. Welt-Premiere steigen, deren Reinertrag den Hinterbliebenen des Münchner Massakers von 1972 zugute kommen soll.
Unveröffentlichtes Archivmaterial
Anfangs hatte man ihm, wie Cohn sich erinnert, geraten, dieses alte, halb vergessene Stück Geschichte, wie «Experten» das Thema definierten, ruhen zu lassen. Zwei Umstände bewogen ihn aber, die Idee voranzutreiben. Einmal bedrängte ihn sein Sohn Emanuel, den Film zu verwirklichen. Völlig überzeugt wurde Cohn schliesslich, als Kevin MacDonald, der Regisseur des Filmes (und Enkel des ungarisch-jüdischen Drehbuchautors Emeric Presburger), und John Bettsek, Cohns britischer Partner, Jamal Al-Gashay, den einzigen Überlebenden aus der Gruppe der acht Terroristen des «Schwarzen Septembers» ausfindig machten. Der Mann, der heute untergetaucht mit Frau und zwei Kindern in einem nicht genannten Drittwelt-Land lebt, erklärte sich einverstanden, interviewt zu werden, allerdings nur mit verdecktem Gesicht. Fünf der Terroristen kamen bekanntlich bereits in Fürstenfeldbruck ums Leben; zwei weitere wurden später vom israelischen Geheimdienst Mossad ermordet.
Zur Herstellung des Filmes wurde bisher nie veröffentlichtes Archiv-Material benutzt. Zudem konnten Menschen, die bisher geschwiegen hatten, dazu bewogen werden, ihre Sicht des Dramas von 1972 zu erzählen. Zu diesen Leute zählten Zvi Zamir, der damals als Chef des Mossads an Ort und Stelle geweilt hatte, die deutschen Leiter des Olympischen Dorfes und der Polizeikräfte, israelische Athleten, die dem Grauen entronnen waren, sowie die Witwen und Töchter einiger der Opfer. Als Beispiele seien Ankie Spitzer genannt, Witwe des ermordeten Fecht-Trainers Andre Spitzer, und Shlomit Romano, Tochter des ebenfalls umgekommenen Ringer-Coaches Joseph Romano.
In dem Film stellt auch die palästinensische Seite ihre Perspektive und Argumente dar. Einige der deutschen Akteure waren zwar dafür verantwortlich, dass das ganze zum Fiasko wurde, doch andere wiederum erwiesen sich als Helden. Einer von ihnen war der damalige deutsche Innenminister Hans-Dietrich Genscher, der sich anerbot, den Platz der Geiseln einzunehmen. Er versuchte, Isa, dem Anführer der Terroristen, auseinanderzusetzen, dass die Deutschen wegen ihrer Vergangenheit eine besondere Verantwortung für die Sicherheit der Juden trügen. Im Verlauf der zweijährigen Produktionszeit wurden auch einige überraschende Details enthüllt. Eines betrifft einen ersten Rettungsversuch, als Freiwillige der Polizei die Unterkunft der Geiseln vom Dach her und durch Leitungen hindurch infiltrierten. Vereitelt wurde dieses Unternehmen durch DDR-Agenten, welche die Operation von einem gegenüberliegenden Haus aus filmten und die Terroristen vom Aufmarsch der Polizisten informierten.
Der Film nennt die Verantwortlichen
Nach der Schiesserei am Flughafen wurden die drei überlebenden Terroristen von den Deutschen ins Gefängnis gesteckt, wo sie auf ihren Prozess warten sollten. Weniger als zwei Monate später jedoch entführten andere arabische Terroristen eine Lufthansa-Maschine, verlangten die Freilassung der drei Kollegen, und die Deutschen gaben sofort nach. Der Film erwähnt auch die hartnäckigen Gerüchte, wonach die deutschen Behörden die Lufthansa-Entführung im Bestreben, sich der unwillkommenen Gäste zu entledigen, in Zusammenarbeit mit dem «Schwarzen September» herbeigeführt hatten. Der Film überschreibt aber weniger den Deutschen die Schuld am Tod der Israelis, als vielmehr dem Internationalen Olympischen Komitee, das auf eine möglichst rasche Wiederaufnahme der sportlichen Wettkämpfe drängte. Der stärkste Druck kam dabei von Avery Brundage, dem amerikanischen IOC-Präsidenten. 1936 hatte Brundage als Präsident des amerikanischen Olympischen Komitees unermüdlich gegen einen Boykott der Berliner Nazi-Spiele durch die USA gekämpft.
JTA
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Optimales Timing
Zürich /JR. - Am vergangenen Wochenende wurde Arthur Cohns Film «Central Station» unter der Regie von Walter Salles an der fünften Cineprix-Verleihung in Zürich-Oerlikon vom Publikum zum «Best of the Best», zum beliebtesten Film also, gewählt. Es ist dies die erste Ehrung des Produzenten in der Schweiz. «Dieser Mann sammelt Filmpreise wie andere Leute Pokale im Tischfussball», schreibt die SonntagsZeitung. Wenige Tage vor der Basler Vor-Premiere des Films «One Day in September» von heute Donnerstagabend, und den zahlreichen noch bevorstehenden Premieren, hätte sich Cohn (der Sonntags-Blick greift gar zum euphorischen Titel «König Arthur») kaum eine bessere PR vorstellen können.


