Schonungslos
Die Geschichte der Bauerntochter Maria und ihrer Tochter Vera, die Anna Mitgutsch erzählt, ist gekennzeichnet von Aggression, Selbsthass und Brutalität, aus der es keinen Ausweg gibt. Die schonungslose Ehrlichkeit, mit der Mitgutsch die Unfähigkeiten, aber auch die unendliche Sehnsucht nach Liebe schildert, kennzeichnet all ihre Bücher. Mitgutsch gibt ihren Leserinnen und Lesern keine Chance zur Beschwichtigung. Die Bezeichnung «Frauenliteratur» lehnt sie kategorisch ab: «Mir kommt es vor, dass sehr viele einfach nicht begreifen, dass ein Begriff wie Frauenliteratur ein Ghettobegriff ist. Ich sage immer, ich lasse mir Frauenliteratur erst gefallen, wenn es auch eine Männerliteratur gibt.» In ihrem letzten Roman «Zwei Leben und ein Tag» (2007) verwob sie kunstvoll die Lebensbilanz der Protagonistin mit Leben und Werk Herbert Melvilles. Die Autorin, die als eine der wichtigen Stimmen der österreichischen Literatur gilt, hat am 2. Oktober ihren 60. Geburtstag gefeiert. [TA]


