logo
6. Oktober 2008, 8. Jahrgang, Ausgabe 10 Ausgabe: Nr. 10 » October 6, 2008

Arabischer und muslimischer Antisemitismus in Schweden

Von Mikael Tossavainen, October 6, 2008
Stolz auf ihre humanistische und tolerante Tradition, tut sich die schwedische Gesellschaft schwer mit einer bedeutenden Minderheit an Araber und Muslimen, die eine neue Spielart des Antisemitismus vor allem in die Grosstädte tragen.

Von Mikael Tossavainen

Der Kollaps des Oslo-Prozesses im Palästina-Konflikt und der Beginn der zweiten Intifada im Herbst 2000 haben in Europa eine Welle des Antisemitismus ausgelöst. Die internationale Öffentlichkeit hat seither Brandanschläge und andere Gewaltakte gegen Juden und jüdische Einrichtungen in Deutschland, Frankreich oder Belgien aufmerksam beobachtet. Aber derartige Vorfälle haben auch in Schweden besorgniserregende Ausmasse angenommen. Diese werden jedoch erst in den letzten Jahren genauer untersucht. Dabei versuchen linke Intellektuelle und Akademiker in Schweden die Gefahr des Antisemitismus in Abrede zu stellen oder zu verniedlichen. So behauptet der Journalist und Erfolgsautor Jan Guillou in seiner Kolumne in Schwedens grösster Tageszeitung, dem sozialdemokratischen «Aftonbladet», der Antisemitismus sei heute kein akutes Problem mehr und werde nur aufgeboten, um Sympathien für Israel zu gewinnen und die Besetzung der West Bank und des Gaza-Streifens indirekt zu verteidigen.

Mythos von der jüdischen Verschwörung

Die Debatte hat sich jedoch lange in Spekulationen bewegt, da bis im Jahr 2005 keine harten Daten über den Antisemitismus in Schweden vorlagen. Dies haben Henrik Bachner und Jonas Ring mit einer Erhebung unternommen, bei der sie Fragebögen an eine repräsentative Auswahl der Bevölkerung verschickt haben. Bachner und Ring baten die Teilnehmer um Reaktionen auf antisemitisch getönte Aussagen, die von traditionell-religiösen Vorbehalten bis zu modernen Spielarten reichten, in denen sich Judenhass mit dem Mantel des Antizionismus verkleidet. Die Studie ergab, dass fünf Prozent der Schweden «starke und durchgehende antisemitische Ansichten hegen», während sich 36 Prozent ambivalent geäussert haben. 59 Prozent der Befragten lehnten antisemitische Aussagen kategorisch ab.

esonders populär war bei den offen oder latent judenfeindlichen Schweden der altbekannte Mythos von der jüdischen Verschwörung, wie sie etwa in den «Protokollen der Weissen von Zion» propagiert wird. So erklärten 15 Prozent der von Bachner und Ring Befragten, die «Juden hätten zu viel Einfluss in der Welt». Sieben Prozent denken, dass Israel mit den Anschlägen von «9/11» zu tun habe, während immerhin 46 Prozent dazu keine Meinung äussern wollten. Der moderne Antisemitismus fliesst auch in die Diskussion des Holocaust ein. So stimmten immerhin 17 Prozent der Befragten zumindest teilweise der Aussage zu, die «Juden glauben, sie haben als einzige gelitten», und 14 Prozent glauben, die Juden würden den Holocaust für ihre eigenen Zwecke ausbeuten. Ein Viertel der Befragten setzt den Holocaust mit der Behandlung der Palästinenser durch Israel gleich und trivialisiert so den Völkermord der Nazis.

So ist Israel auch in Schweden zur Zielscheibe antisemitischer Vorbehalte geworden. 25 Prozent der Auskunftgebenden denken, ein «alttestamentarischer Hass» sei charakteristisch für die israelische Politik, und geben damit einem uralten christlichen Stereotyp Ausdruck. Danach ist das Christentum milde und liebevoll, das Judentum jedoch grausam und rachsüchtig. Kleinere Gruppen sprechen Israel das Existenzrecht ab oder glauben, «Friede auf Erden ist unmöglich, solange Israel besteht». Gerade in der politischen Diskussion ist die Verbindung zwischen Antisemitismus und Israel ebenso komplex wie eng. So neigen eben jene Teile der schwedischen Gesellschaft, die Israel kritisch gegenüberstehen, dazu, die Existenz judenfeindlicher Tendenzen zu negieren. Zudem wird jede Diskussion über dieses Thema als Versuch denunziert, die Debatte über den Nahostkonflikt zu unterdrücken.

Wer sind die schwedischen Antisemiten?

Nach dieser kurzen Einführung wollen wir versuchen, Näheres über Judenfeinde in Schweden herauszuarbeiten. In der zitierten Studie spielen Alter, Geschlecht, Bildung und soziales Milieu eine erstaunlich geringe Rolle. Zwar neigen Ältere eher zu judenfeindlichen Positionen, während diese mit zunehmender Bildung abnehmen. Ausschlaggebend war neben der Herkunft der Befragten – im Ausland Geborene neigen eher zu Antisemitismus als gebürtige Schweden – indes die Religionszugehörigkeit der Befragten. So haben 39 Prozent der Muslime systematisch antisemitische Überzeugungen zu Protokoll gegeben. Die Studie ergab überdies, dass 56 Prozent der Befragten mit antisemitischen Bekannten deren Überzeugungen teilen. Allerdings haben lediglich 74 Muslime an der Erhebung teilgenommen, sie machen 2,5 Prozent der Befragten aus. Diese schmale Basis mindert das Gewicht der Schlussfolgerungen. Aber wir wollen festhalten, dass ein Viertel der von systematisch-antisemitischen Überzeugungen geprägten Teilnehmer Muslime waren. Deren Mehrheit teilt diese Haltung nicht.

Bachner und Ring fanden folgende Erklärungen für die starke Verbreitung antisemitischer Haltungen unter Schwedens Muslimen: Sie stammen oft aus arabischen und anderen muslimischen Staaten, in denen die offizielle politische Kultur den Antisemitismus sanktioniert und mitunter sogar propagiert. Diese Botschaften und radikal-islamistisches Gedankengut finden nun über Satelliten-TV oder das Internet Verbreitung unter Muslimen in Schweden und Europa insgesamt. Überdies dürften der Palästina-Konflikt sowie Segregation und Entfremdung in ihrer neuen Heimat Muslime anfällig für Antisemitismus machen.

Die schwedische Öffentlichkeit hat dieses Problem aber noch nicht erkannt. Viele Schweden interessieren sich nicht für die etwa 300'000 Muslime in ihrer Mitte. Aber dieses Desinteresse geht auch aus der Unkenntnis antisemitischer Ideologien hervor. Diese haben ihre traditionelle Heimat unter den Neonazis auf der extremen Rechten verlassen. Wie Bachner und Ring betonen, ordnen die meisten Schweden den Antisemitismus dem Rassismus zu und verbinden ihn gedanklich mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Nazismus. Dadurch wird der unter extremen Linken sowie unter Arabern und Muslimen grassierende Judenhass tendenziell nicht als solcher erkannt. Dies – und generell ein Mangel an Information – erschwert die Diskussion über die «nicht nazistischen» Spielarten des Antisemitismus.

Eine Begriffserklärung

Der «Antisemitismus» hat nichts mit einer Abneigung gegen semitische Völker generell zu tun, sondern richtet sich ausschliesslich gegen Juden und kann deshalb von den semitischen Arabern geteilt werden. Antisemiten hassen Juden, weil sie Juden sind. So hat Wilhelm Marr in den 1870er Jahren seine Wortschöpfung definiert, als er den Judenhass in ein neues, modernes und pseudowissenschaftliches Gewand kleiden wollte. Helen Fein definiert den Antisemitismus als dauerhafte, latente Struktur von Überzeugungen, die sich auf Juden als Kollektiv beziehen. Auf der individuellen Ebene manifestieren sich diese Überzeugungen als Gefühle, auf der kulturellen als Mythen, Ideologien und populäre Traditionen. Praktisch nimmt der Antisemitismus als soziale oder legale Diskriminierung Gestalt an sowie als politische Mobilisierung gegen Juden, die kollektive oder behördliche Gewaltakte gegen Juden erreichen und bis zu deren Vertreibung und Ermordung eskalieren kann.

In der arabischen und muslimischen Welt hat der Antisemitismus eine islamische, aber auch eine säkular-nationalistische Spielart. Letztere hat zahlreichere Berühungspunkte mit dem Antisemitismus in der Tradition Marrs und gelangte mit der europäischen Expansion während des späten 19. Jahrhunderts in den Nahen Osten. Empfänglich für den modernen Antisemitismus waren zunächst christliche Gruppen etwa in Libanon, die engere Beziehungen zu Europa pflegten als ihre muslimischen Nachbarn. Da Christen in der arabischen Nationalbewegung eine führende Rolle spielten, gelangte der Antisemitismus über sie auch in das nationalistische Gedankengut in Nahost. So betrachteten christliche arabische Intellektuelle die Juden zunehmend als Fremdkörper in ihrer Welt.

Der religiöse Antisemitismus unter Muslimen nährt sich aus anderen Quellen. Traditionell war das Verhältnis des Islam zum Judentum weniger problematisch als die Haltung der Christen. Der Islam betrachtet die Juden als besiegtes Volk, von dem keine Gefahr ausgeht. Solange die Juden die Überlegenheit der Muslime anerkannten und die spezielle, ihnen auferlegte Steuer bezahlten, wurden sie in der Regel in Ruhe gelassen. Einige Koran-Verse zeigen Judenfeindlichkeit, bleiben aber weit hinter entsprechenden christlichen Traditionen zurück. So wurden Juden in muslimischen Ländern nur ganz selten offen verfolgt. Dies hat sich jedoch im Lauf des vergangenen Jahrhunderts verändert. Während der Antisemitismus in der europäischen Öffentlichkeit nach dem Holocaust zum Tabu wurde, blieb der Judenhass in der arabischen und muslimischen Welt stets akzeptabel.

Internet als Quelle

Die politische Entwicklung der letzten Jahre und das Wachstum des radikalen Islamismus hat diese Tendenz noch verschärft. In diesem Zusammenhang ist die Gründung Israels in zweierlei Hinsicht problematisch, da der jüdische Staat sowohl als kolonialistisches Projekt betrachtet wird als auch als Verletzung der muslimischen Idee des Dar al-Islam: In der muslimischen Welt sollen Ungläubige keine Herrschaft über Gläubige ausüben dürfen. Daher hat die Gründung Israels den zuvor nachrangigen antisemitischen Tendenzen im Islam einen gewaltigen Auftrieb gegeben. Judenhass wird sowohl von Regierungen als auch von Geistlichen propagiert und über staatlich kontrollierte Medien verbreitet, ebenso über das Internet.

Eben dieser Antisemitismus macht sich auch dank der modernen Medien unter Arabern und Muslimen in Europa breit. Überdies konzentrieren sich diese Immigranten-Gruppen häufig in bestimmten Quartieren und halten als segregierte Gemeinden enge Kontakte zu ihren Herkunftsländern. Dort haben radikale Prediger gelernt, sich des Internets zu bedienen, und sie expandieren damit auch ihren internationalen Einfluss. So breitet sich auch in Europa eine Version des Islam aus, die dem Westen vorwirft, muslimische Gesellschaften untergraben, korrumpieren und umstürzen zu wollen. Imaginierte jüdische Verschwörungen spielen eine zentrale Rolle in dieser Weltanschauung. Doch während das Auftreten eines islamistischen Judenhasses in Metropolen wie Paris und London ein bekanntes Phänomen ist, war bislang kaum bekannt, dass es auch in Schweden existiert, und zwar in den Vororten der drei grössten Städte Stockholm (Bevölkerung: eine Million), Göteborg (500?000 Einwohner) und Malmö (250?000 Einwohner).

Neben der zitierten Studie von Bachner und Ring existiert dazu auch mein Report aus dem Jahr 2003 mit dem Titel «Det förnekade hatet» («Der verschwiegene Hass»). Dieser betrachtet den muslimischen Antisemitismus an Schulen und im Internet sowie antisemitische Gewaltakte.

Jüdische Konspirationen

An Schwedens Schulen ist der Religionsunterricht Pflichtfach. Heute steht dabei nicht mehr allein das protestantische Christentum auf dem Lehrplan, sondern alle Weltreligionen werden thematisiert. Der Unterricht soll den Schülern fremde Kulturen nahebringen und sie Toleranz lehren. An einigen Schulen in Vororten sind jedoch Araber oder Muslime in der Mehrheit, und diese wehren sich vehement gegen den Unterricht in einer ganz bestimmten Religion – dem Judentum. Einige Schüler nehmen dann am Unterricht nicht teil, andere sabotieren ihn oder legen dazu keine Prüfungen ab. Indem sie die Aneignung von Wissen über das Judentum verweigern, bewahren oder bestärken sie eigene Vorurteile, die sie in Moscheen gelernt haben. Eine ähnliche Verweigerung wird dem Holocaust als Lehrstoff entgegengebracht. Arabische und muslimische Schüler leugnen den Genozid an den europäischen Juden oder sie bezeichnen den Holocaust als jüdisches Instrument, Vorteile zu erringen. Gleichzeitig äussern sich viele dieser Schüler unzufrieden darüber, dass Hitler nicht alle Juden ermordet hat.

In Schweden existieren mehrere muslimische Websites, die Judenhass verbreiten. Die bekannteste ist die von Ahmed Rami betriebene Site Radio Islam. Als Radiostation in den 1980er Jahren begonnen, könnten ihre Inhalte aus dem «Stürmer» oder «Mein Kampf» stammen. Rami wurde 1989 für antisemitische Hassreden verurteilt, fand aber bereits damals akademische Fürsprecher. So trat der Theologe an der Universität Uppsala Jan Bergman zu seiner Verteidigung auf und erklärte unter anderem, die Juden würden es tatsächlich als religiöse Pflicht betrachten, Nichtjuden zu ermorden. Radio Islam und andere Websites unterstellen den Juden jedes nur mögliche Verbrechen, von der Ausführung der Anschläge von «9/11» bis zur Verbreitung von Kinderpornographie und zu sonstigen Sexualdelikten.

Die islamistischen Websites faseln von gewaltigen jüdischen Konspirationen, die Institutionen wie die Universität von Uppsala, die schwedische Anwaltskammer oder auch Amnesty International kontrollieren. In den Fussstapfen der Nazis haben das Islamiskaforum und Radio Islam überdies «Juden-Listen» publiziert, welche die Namen von Schweden enthalten, die angeblich dem schwedischen Zweig der jüdischen Verschwörung angehören. So wird die Chefredaktorin einer grossen Zeitung als «Propaganda-Produzentin und jüdische Hure» denunziert. Die Listen enthalten Hunderte von Namen.

Antisemitische Gewaltverbrechen

Es ist derzeit nicht möglich festzustellen, wie verbreitet antisemitische Haltungen unter den Arabern und Muslimen in Schweden tatsächlich sind. Ein Indiz dafür stellen jedoch Gewalttaten gegen Juden und andere Verbrechen mit judenfeindlicher Motivation dar. Allerdings wird eine Vielzahl derartiger Untaten entweder nicht festgehalten oder von der Polizei unter anderen Kategorien registriert. Aber es steht unzweifelhaft fest, dass die Zahl seit dem Jahr 2000 drastisch zugenommen hat. Dabei stellen von muslimischen und arabischen Jugendlichen auf offener Strasse ausgeführte grobe Belästigungen und Misshandlungen von als Juden identifizierten Menschen die häufigste Spielart dar. Diese Gewaltakte finden besonders während der jüdischen Feiertage statt, wenn Juden sich vor Synagogen versammeln und öffentlich sichtbarer werden als im übrigen Jahr. So haben arabische Jugendliche im Jahr 2004 an Jom Kippur einen jungen Mann auf dem Nachhauseweg von der Synagoge in Malmö angegriffen.

Der grösste Zwischenfall dieser Art hat sich jedoch am 18. April 2002 in Stockholm ereignet. Damals haben etwa 60 Individuen mit zumeist nahöstlichem Hintergrund eine Demonstration der Liberalen Jugendbewegung tätlich angegriffen, die sich gegen Antisemitismus und Islamophobie richtete. Die Gewalttäter haben Teilnehmer geschlagen, Transparente zerstört und Schimpfworte wie «Judenschwein» geschrieen. Auch der Ruf «Allahu akbar!» erklang. Etliche Teilnehmer der Demonstration, unter denen sich auch Holocaust-Überlebende befanden, erlitten Verletzungen und Schockzustände. Die Polizei griff erst nach 15 oder 20 Minuten ein. Ähnliche Vorfälle haben sich in Malmö und Göteborg ereignet. Während des Libanon-Kriegs im Herbst 2006 nahmen derartige Gewaltakte gegen Juden erneut zu – Spannungen in Nahost führen zu Gewaltakten gegen Juden in der Diaspora, die so zu Stellvertretern Israels gemacht werden.

Was tun?

Obwohl der Antisemitismus nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem öffentlichen Diskurs in Schweden verbannt wurde, ist er doch nicht verschwunden. Allerdings blieb der Judenhass ein marginales Phänomen und fand keinen Eingang in die grossen Medien mehr. Der so entstandene Eindruck, der Judenhass habe sich ganz aufgelöst, hat womöglich dazu beigetragen, dass sich die schwedische Gesellschaft heute so schwer damit tut, dessen ganz reale Existenz zu akzeptieren. Diese Nichtbeachtung findet auch im Mangel an wissenschaftlichen Untersuchungen einen Ausdruck. Dennoch wissen wir heute, dass vor allem in der grossen und heterogenen Gemeinschaft der Araber und Muslime in Schweden Gruppen existieren, die tiefe und vehemente antisemitische Überzeugungen hegen. So wagen es nur noch wenige Juden, den Davidstern oder eine Kippa öffentlich zu tragen.

Um hier Abhilfe zu schaffen, müssen sich Staat und Gesellschaft in Schweden zunächst einmal von ihrer Verweigerungshaltung lösen und die Existenz des Antisemitismus anerkennen. Zweitens sollte auch ein wirklicher Wille zu handeln existieren. In den letzten Jahren hat das Problembewusstsein zugenommen, aber der Antisemitismus in Nahost und unter Schweden nahöstlicher Herkunft wird weiterhin unter einseitigen, politischen Vorzeichen diskutiert. Wer sich in diese sensible Debatte einschaltet, wird vorschnell entweder als Lobbyist für Israel, islamophob oder gleich als beides abgestempelt. Und selbst unter denjenigen, die den arabischen und muslimischen Antisemitismus als reales Phänomen anerkennen, gibt es etliche Stimmen, die darin gar kein Problem erkennen wollen. So hat der Religionswissenschaftler an der Universität Stockholm Jan Samuelsson erklärt, diese Spielart des Judenhasses sei «nachvollziehbar, angemessen und gerechtfertigt». Und er ist nicht der Einzige, der den Antisemitismus als unvermeidliche Folge der israelischen Besetzung palästinensischer Gebiete entschuldigt.

Toleranz für Intoleranz

Aber eine derarartige Toleranz für Intoleranz ist ein sicheres Rezept für eine Katastrophe und könnte nicht nur für die schwedischen Juden gravierende Folgen haben. Um gegen dieses Phänomen anzugehen, müssen die Entschuldigungsversuche aufhören. Wir müssen den muslimischen Antisemitismus in Schweden als Teil eines globalen Trends erkennen, ehe wir ihn bekämpfen können. Dazu ist jedoch auch eine breit angelegte Strategie notwendig, die der Segregation muslimischer und arabischer Bewohner in bestimmten Stadtvierteln entgegenarbeitet. Von der sozialen, kulturellen und der wirtschaftlichen Integration arabischer und muslimischer Immigranten werden nicht nur die jüdischen, sondern alle Schweden profitieren.

Mikael Tossavainen hat seinen PhD in Geschichte an der Lund-Universität in Schweden gemacht. Seine Doktorarbeit zum Thema «Helden und Opfer» handelt von der Rolle des Holocaust im historischen Bewusstsein Israels. Heute ist er Direktor des Post-Holocaust-und-Antisemitismus-Projekts am Jerusalemer Zentrum für öffentliche Angelegenheiten.

Der Aufsatz wurde dem soeben erschienenen und von Manfred Gerstenfeld herausgegebenen Buch «Behind the Humanitarian Mask: The Nordic Countries, Israel and the Jews» entnommen und gekürzt. (Jerusalem Center for Public Affairs, Friends of Simon Wiesenthal Center for Holocaust Studies, 2008).





» zurück zur Auswahl